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Mit Heldinnen und Heilerinnen durch Deutschland

Von Loki Schmidt über Prinzessin Wilhelmine bis Hildegard von Bingen: Wir zeigen Ihnen Orte in Deutschland, an denen berühmte Frauen Spuren hinterlassen haben – zum Nachreisen und Staunen

Von:
Lesezeit: 5 Minuten
Cyril Gosselin / Getty Images
In diesem Haus lebte die expressionistische Malerin Gabriele Münter fünf Jahre lang mit ihrem Liebhaber Wassily Kandinsky. Das Paar gestaltete Möbel und Wände nach eigenen Entwürfen, bepflanzte den Garten und bewirtete hier berühmte Künstlerfreunde wie Franz Marc, August Macke und Alexej von Jawlensk

Mit den Bauhausfrauen durch Weimar

Wenn vom Bauhaus die Rede ist, fallen meist Namen wie Walter Gropius, Johannes Itten und Oskar Schlemmer. Dabei haben in den Zwanzigerjahren auch zahlreiche Frauen die neue Design- und Architekturbewegung mitgeprägt. Darauf lenkt die Literaturwissenschaftlerin und Autorin Ulrike Müller („Bauhausfrauen – Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design“) bei ihren Führungen durch Weimar den Blick. Die Rundgänge folgen den Spuren berühmter Bauhausfrauen wie zum Beispiel der Weberin Gunta Stölzl, der Designerin Marianne Brandt und der Textilkünstlerin Anni Albers. Stationen sind etwa Henry van de Veldes Lehrgebäude und das erst 2019 eröffnete Bauhaus-Museum.

Mehr Infos unter ulrike-müller-weimar-weiblich.de

Durch die Weinberge mit Hildegard von Bingen

Timo Volz / Naheland-Touristik GmbH
Der Hildegardweg im hessischen Rheingau

Wo lebte und wirkte die berühmte Nonne, Dichterin und Gelehrte Hildegard von Bingen (1098–1179)? Einen Eindruck bekommt man auf dem sieben Kilometer langen Hildegardweg im hessischen Rheingau. Der Rundweg führt vom Bahnhof Rüdesheim aus durch Weinberge an den Schauplätzen ihres Lebens vorbei bis hinauf zur Abtei St. Hildegard, einem Kloster mit kleinem Café, in dem Hildegards berühmter Klosterwein ausgeschenkt wird. Unterwegs erfährt man auf Schautafeln viel Wissenswertes über das Leben dieser frühen Naturkundlerin des Mittelalters: etwa wo das unter Hildegard erbaute Kloster Rupertsberg einst stand oder wo sie die Kräuter für ihre Heilmittel sammelte. Die Wanderung lohnt sich aber auch schon, weil der Weg herrliche Ausblicke über das romantische Rheintal zu bieten hat.

 

Die Kulturrevolution der Prinzessin Wilhelmine

Es war ein Schock für Wilhelmine von Preußen (1709–1758), als ihr Vater, der rüde Preußenkönig Friedrich Wilhelm I., sie im Jahr 1731 mit dem Sohn des Markgrafen von Bayreuth verheiratete. Anstatt am königlichen Hof in Berlin fand sich die weltgewandte Prinzessin nun in der oberfränkischen Provinz wieder. Doch statt zu verzagen, baute sie die Stadt Bayreuth in den nächsten knapp drei Jahrzehnten nach ihren Vorstellungen um. Wilhelmine ließ das Markgräfliche Opernhaus errichten, ein barockes Schmuckstück ganz aus Holz. Sie initiierte den Umbau der Parkanlage Eremitage und nahm mit eigenen Entwürfen maßgeblich Einfluss auf den Bau des Neuen Schlosses. Schließlich brauchte Wilhelmine geeignete Orte, um die von ihr komponierten Opern und verfassten Theaterstücke aufzuführen. Wohin man in der Residenzstadt auch blickt: Überall hat Wilhelmines Gestaltungswille und ihr Sinn für Kultur Spuren hinterlassen.

 

Mit Gabriele Münter in Kunst wohnen

Anfang des 20. Jahrhunderts lebte die expressionistische Malerin Gabriele Münter fünf Jahre lang mit ihrem Liebhaber Wassily Kandinsky in einem Haus in Murnau südlich von München. Das Paar gestaltete die Möbel und die Wände nach eigenen Entwürfen, bepflanzte den Garten und traf und bewirtete hier berühmte Künstlerfreunde wie Franz Marc, August Macke und Alexej von Jawlensky. Heute ist das Haus ein Museum, in dem jede Ecke an das Genie von Kandinsky und Münter erinnert. Tatsächlich sind viele ihrer Bilder aus der gemeinsamen Schaffenszeit stilistisch kaum voneinander zu unterscheiden. Das änderte sich, als Kandinsky Münter 1917 verließ und in seiner Heimat Russland eine Familie gründete. Das Haus aber bewahrt bis heute den kreativen Geist, der die beiden einst verband. Nicht zuletzt, weil es nach Münters Tod 1962 wieder genauso eingerichtet wurde wie zu der Zeit, als das Paar dort gemeinsam glücklich war.

 

Auf den Spuren von Sophie Scholl

An den Mut der Widerstandskämpferin Sophie Scholl und der anderen Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ erinnert heute auf dem Vorplatz der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ein Keramikdenkmal, das verstreute Flugblätter darstellt. 1943 wurden Sophie Scholl und ihr Bruder Hans hier von der Gestapo festgenommen, als sie die Schriftstücke verteilten, in denen sie zum Sturz der NS-Diktatur aufriefen. Im Hauptgebäude der LMU informiert eine Dauerausstellung über die Weiße Rose, dort befindet sich auch eine Sophie-Scholl-Büste. Eine Gedenktafel markiert die Stelle, an der die Widerstandskämpfer einst ihre Flugblätter in den Lichthof warfen.

Tipp: Alle Gedenkorte rund um die Universität sind auch interaktiv mit der App „Weiße Rose“ zu erleben.

 

Natur genießen mit Loki Schmidt

Wenn der Frühling die Natur wach küsst, ist es Zeit für einen Besuch im Loki-Schmidt-Garten in Hamburg. Seit 2012 trägt der Neue Botanische Garten im Stadtteil Klein-Flottbek den Namen von Hannelore „Loki“ Schmidt (1919–2010), der Ehefrau von Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt (1918–2015). Warum? Weil sich die Hobby-Botanikerin jahrzehntelang für den Schutz bedrohter Pflanzen und den Ausbau der Grünanlage einsetzte. Heute wachsen dort Pflanzen aus allen Teilen der Erde, man kann durch eine Allee aus Bambusstauden schreiten oder in Glaspyramiden Wüstengärten bewundern. Eine Büste auf dem Gelände erinnert inmitten von üppigem Grün an die beliebte Hamburgerin: an ihr Engagement für die Umwelt und daran, dass sie viel mehr war als eine Kanzlergattin.

Tipp: Immer donnerstags kann von 13 bis 15 Uhr eine kostenlose Pflanzenberatung für Privatpersonen in Anspruch genommen werden – wegen der Corona-Pandemie zurzeit allerdings nur online. Auch kostenlose Führungen finden regelmäßig statt.

Mehr Infos unter bghamburg.de

Mit starken Frauen durch Thüringen pilgern

Helmut Hess / Getty Images
Das Kloster Paulinzella auf dem Thüringer Pilgerweg „Auf den Spuren starker Frauen“

Die drei mittelalterlichen Adelsfrauen Paulina, Walburga und Elisabeth hätten ein Leben in Reichtum führen können, doch stattdessen kehrten sie ihrem feudalen Stand den Rücken und widmeten ihr Tun den Armen und Schwachen. Daran erinnert der 50 Kilometer lange Thüringer Pilgerweg „Auf den Spuren starker Frauen“. Vom Erfurter Dom, in dem einst die Klostergründerin Elisabeth (1207–1231) heiliggesprochen wurde, geht’s entlang der Gera durch malerische Täler zu den Überresten des Walpurgisklosters auf dem Walpurgisberg bei Arnstadt. Es ist nach der Heiligen Walburga (710–779) benannt, die Todkranke geheilt haben soll und in ganz Europa verehrt wurde. Durch den Singener Wald führt der Weg weiter bis ins Rottenbachtal. Dort verbirgt sich in dichtem Grün die Ruine des Klosters Paulinzella, das im 12. Jahrhundert von der Seligen Paulina (um 1067–1107) gegründet wurde. Empfohlen wird, die Wandertour in drei Tagesetappen zu gehen.

Buchtipp: Mehr Reisen mit berühmten Frauen

Eine gute Quelle zum Thema ist auch das soeben erschienene Buch „In Her Footsteps – Reisen zu ungewöhnlichen Frauen“ (Lonely Planet, 22,90 Euro). Der Band zeichnet die Lebenswege einer Reihe bedeutender Frauen rund um den Globus nach – von Janis Joplin über Björk bis zu Angela Merkel.

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