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Wohin reisen wir, wenn es wieder möglich ist? (Teil 1)

An dieser Stelle schreiben abwechselnd Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim jede Woche über das Unterwegssein mit Kindern (und Mann). Heute träumen sie von besseren Zeiten

Von:
Lesezeit: 4 Minuten
Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim

Wenn der Tag besonders grau war und das Herz dementsprechend schwer, scrolle ich mich abends auf der Coach durch meine alten Handyfotos. Dann ist es so, als würde ein Stück Leichtigkeit auf mich zurückfallen. Die rund 2000 Aufnahmen zeigen wenig Alltag, keine Wäscheberge, keinen Geschwisterzoff, kein Homeschooling. 

Ich sehe unsere Füße im Ostsee-Sand. Ich sehe den Stolz in unseren Augen nach der Bergwanderung in Österreich. Ich sehe uns am Lagerfeuer mit Freunden im Schwarzwald. Ich sehe meinen Mann und mich in Amsterdam – ohne Kinder!!! 
 
Wenn ich diese Fotos ansehe, weiß ich, wie ich mich gefühlt habe, wie die Luft gerochen hat, wie unbeschwert diese Zeiten waren. Nach einem Jahr voller Reise- und Kontaktbeschränkungen wirken sie schon fast surreal. Immer wieder erwische ich mich dabei, dass ich denke: „Soooo viele Leute eng zusammen“ oder „Wow, ohne Mundschutz im Museum.“ 
 
Wenn ich mich durch die Bilder 2020 scrolle, ist da wenig Abwechslung. Kein großer Urlaub, keine Familienfeiern, nur lange Spaziergänge bei uns im Wald. Das war okay, ging eben nicht anders, aber ich merke, dass wir alle einen Budenkoller haben und uns freuen würden, endlich mal wieder die Koffer packen zu können. 
 
Wohin würden wir also als Erstes reisen, wenn Corona es wieder zuließe? Ich stelle diese Frage beim Abendessen, demokratische Entscheidung, you know?! Hier die Antworten:
 
Tochter, 10 Jahre alt: „Ich will nach London zu meinen Cousins, die vermisse ich total.“ Ein Jahr ist es her, dass sie sich gesehen haben, mein Bruder lebt mit seiner Familie in England. Ein ganzes Jahr. Dabei war fest eingeplant gewesen, dass wir uns im Frühling 2020 treffen. Stattdessen schickten wir uns über Monate verzweifelte Nachrichten darüber, wessen Kind gerade schon wieder wegen Corona-Verdacht, Lockdown oder Fieber zu Hause war. Ich kann es kaum erwarten, mit ihm endlich in einem Pub zu sitzen und über 2020 zu fluchen. 
 
Sohn, 7 Jahre alt: „An einen See, an dem ich mit Opa angeln kann.“ Vor zwei Jahren hat unser Sohn seinem Opa mal beim Fische-Ausnehmen zugeschaut. Opa hat ihm von seinen Angelurlauben in Schweden erzählt. Was sich für mich sterbenslangweilig anhört, findet mein Sohn klasse. Opa hat ihm versprochen, ihn das nächste Mal mitzunehmen …
 
Tochter, 4 Jahre alt: „Ich will ins Tropical Island.“ Damit meint sie nicht etwa eine Südsee-Insel, sondern das riesige Indoor-Schwimmbad in einem ehemaligen Zeppelin-Hangar nahe Berlin. Neulich fuhr ein Bus mit Werbung dafür vor uns her, seitdem träumt unsere Kleinste von Palmen in Brandenburg. 
 
Mann, 42 Jahre alt: „In die Sonne, ans Meer.“ Verstehe ich. Nie habe ich die Weite des Wassers mehr vermisst. 
 
Und ich? Ich sehne mich nach einem Städtetrip ohne die Kinder. Mit Abendessen in schicken Restaurants, mit Bummeln durch Boutiquen, mit Übernachtungen in einem schnuckeligen Hotel. Mit dem Gefühl, nur für mich verantwortlich zu sein, mit spätem Frühstück und Wein zu Mittag. 
 
Was zeigen uns diese Antworten? Dass wir all das nachholen wollen würden, was uns 2020 nicht gewährt hat: Geselligkeit, trubeliges Leben, Nähe zu unseren Liebsten. Und es zeigt uns ebenso, wie sehr wir das alles brauchen, um glücklich zu sein.

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