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Wie hat sich unsere Erziehung auf unser Frausein ausgewirkt?

Rund um den Weltfrauentag im März fragen sich Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim, was es heutzutage heißt, Frau und Mutter zu sein. In dieser Folge denkt Lisa Harmann darüber nach, wie die Erziehung ihrer Eltern sie als Frau geprägt hat.

Von:
Lesezeit: 4 Minuten
Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim

„So, Kinder, ihr seid  groß genug. Ich werde mir jetzt eine Reise ganz alleine gönnen – von meinem Weglauf-Geld.“ Mit diesen Worten stand unsere Mutter irgendwann vor mir und meinem Bruder und wir schauten uns verblüfft an. Echt jetzt? Okay. Groß genug waren wir tatsächlich und unser Papa würde das schon mit uns hinkriegen. Und trotzdem waren wir erstaunt. Denn bislang kannten wir es nur von unserem Vater, dass er mal weg war. Auf Dienstreisen vor allem. Das war für uns normal. Aber die Mama?

Klar, sie ging genauso arbeiten wie Papa, sie brachte uns aber abends ins Bett. Eigentlich immer, mit wenigen Ausnahmen. Nach dem ersten Schreck durch ihre Ankündigung – sie wollte nämlich nicht nach Norderney oder Amrum, sondern nach Venezuela mit einer geführten Reisegruppe – dachten wir: Wie toll von ihr! Und: Warum sollte sie das nicht auch mal machen? Immerhin waren wir schon fast Jugendliche (gefühlt!). Mach das, Mama! Go for it!

Mich hat das damals sehr geprägt. Weil sie uns gezeigt hat, dass auch sie ein Leben hat, ein ganz eigenes. Dass sie nicht nur unsere Mama, sondern auch eine Frau, ein eigenständiger Mensch mit Träumen, Sehnsüchten und Zielen ist. Ein Mensch, der gern unter Menschen ist, auch mal ausgehen mag und eben besonders gern  reist. Wir würden das auch ohne sie rocken zu Hause! Und gönnten es ihr von Herzen.

Wie heißt es so schön? Kinder brauchen keine Erziehung, sie schauen sich eh alles von ihren Eltern ab ... Und ja, ich habe mir enorm viel von meiner Mutter abgeschaut. Ihre Unabhängigkeit, ihre Lebensfreude, ihre Motivation, immer auch ein Stück vom eigenen Glück an Menschen abzugeben, die es vielleicht nicht so gut haben wie wir selbst. So wuchs ich in einem Haus der offenen Tür auf. Nicht nur in einer Großfamilie mit Cousinen und Cousins nebenan und Oma und Opa mittendrin, sondern auch mit Gastgeschwistern aus aller Welt. Mit Austauschschülern oder Nachwuchssportlern. Wo Gastfamilien gesucht wurden, waren meine Eltern am Start. Es war genug Liebe für alle da!

Meine Mutter war und ist aber auch Feministin. Und so setzte sie sich nicht nur dafür ein, dass ich eine der ersten weiblichen Messdienerinnen in unserem Ort werden durfte. Sondern unterstützte mich auch, als ich in unserem örtlichen Sportverein mit Freundinnen zusammen die erste Frauenfußballmannschaft gründete. Warum sollten Frauen hier schließlich benachteiligt werden? Die Welt steht uns offen, wir müssen sie uns nur nehmen. Das vermittelt sie mir, schon immer. Und das habe ich bis heute verinnerlicht.

Als dann neulich meine Tochter eine Deutscharbeit mit nach Hause brachte, in der sie sich auf fünf Seiten über die „Ungleichberechtigung“ aufregte, die noch immer in unserem Land herrscht, über ungleiche Chancen und Löhne – und auf die der Lehrer mit der Randbemerkung „Lehrer und Lehrerinnen verdienen aber dasselbe“ reagiert hatte – war ich erstmal baff, aber auch wirklich stolz auf sie. Auch sie scheint sich offenbar viel abzuschauen. Auch sie erlebt, dass nicht nur Väter, sondern auch Mütter mal auf Dienstreise sind. Warum sollte sie es später anders handhaben? Die Zukunft steht ihr offen, so wirkt das schon jetzt. Und ich blicke zuversichtlich für sie und mit ihr auf das, was da noch kommt.

In meinem eigenen Aufwachsen war auch prägend, dass mir meine Mutter von Anfang an einbläute, mich niemals abhängig zu machen – von nichts und niemandem. Deswegen erzählte sie mir auch bereits früh von ihrem „Weglauf-Geld“, mit dem sie nun in die große weite Welt reisen wollte, weil sie es bislang nie gebraucht hatte. Auf einem Konto, von dem nur sie wusste, hatte sie immer genug Geld, um notfalls von zu Hause weglaufen zu können. Das gab ihr eine ungemein große Sicherheit – aber eben auch Freiheit.

Und man kann sich vermutlich vorstellen, was ich heute meiner Tochter erzählen würde, wenn sie sich für andere verbiegen oder in irgendeiner Weise abhängig machen wollte: DU musst glücklich sein in deinem Leben. Dann kannst du andere mitziehen. Nicht umgekehrt. Das war Omas Schlüssel zum Glück. Das ist mein Schlüssel zum Glück. Und das wird auch dein Schlüssel zum Glück sein.

Danke dafür, Mama! Ich vermute, diese Maxime wird auch noch weitere Generationen prägen …

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