Straßburg

Zwischen malerischer Altstadt und modernem EU-Viertel vereint die elsässische Stadt Tradition und Weltläufigkeit. Dabei beeindruckt sie mit schönen Parks, kulinarischer Vielfalt und tollen Radwegen

Blick auf die Fachwerkhäuser von La Petite France
© Mauritius Images/Hans-Peter Merten

Die Stadt

Karrte Straßburg

Grüne Fakten

Blick auf einen Pvaillon im Park der Orangerie

Sie haben nur zwei Stunden

Dier Fluß Île, gesäumt von Fachwerkhäusern

Ein Wochenende in Straßburg

Die astronomische Uhr im Südflügel des Straßburger Münsters

Tag 1

Wer Straßburg sagt, denkt oft an Kulinarik. So beginnen wir nach der Ankunft unseren Wochenend-Trip denn auch mit einem Klassiker: Flammkuchen. Und wie wir schnell feststellen, sind wir damit nicht allein. Es knuspert und kräckert es an vielen Tischen, wo dünne Teigplatten, beschichtet mit Crème fraîche, Zwiebeln und Speck gruppendynamisch verzehrt werden. Zwar rühmt man sich in der Hauptstadt des Elsass seiner sieben Sterne-Restaurants, in der Tiefe ihres Herzens aber lieben es die Bewohner gern bodenständig. „Wir werden hier mit Flammkuchen großgezogen“, sagt Nina Ludmann (31) mit einem verschmitzten Lächeln. Schon ihr Großvater habe zwei Restaurants betrieben, und dort durften die belegten Fladen auf keiner Speisekarte fehlen. 

Heute ist Ludmann Inhaberin eines kleinen Restaurants namens Mama Bubbele und serviert, na klar: Flammkuchen. Allerdings mit einer Mission: Mach sie wie früher. Statt Fertigteig zu verwenden, wird die Grundzutat aus Bio-Mehl geknetet, und auch die Crème kommt aus eigener Fertigung. Und der Geschmack? Ist tatsächlich eine kleine Offenbarung, nach dem ersten Crunch zergeht der Teig butterweich auf der Zunge. 

Es ist Mittag in Straßburg. Nach dem Einchecken im Hotel ClapClap, das in der Nähe des Zentralbahnhofs liegt, kommt man am schnellsten per Bahn ins Altstadt-Viertel. Straßburg wirbt damit, Achtung Superlativ, das größte Straßenbahnnetz Frankreichs zu haben. Und das Beste: Es funktioniert sehr einfach, sich ein aufladbares Billett zu ziehen und mit Straßenbahn und Bus ans Ziel zu kommen. 

Mit seiner Höhe von 142 Metern ist das Straßburger Münster ehrfurchtgebietend, zumal der Vorplatz so klein ist, dass alle dort die Köpfe steil in die Höhe recken müssen, um die Spitzen zu sehen. „Es ist hier noch wie im Mittelalter, der Platz wurde nie erweitert“, sagt Sébastian Saur, der eine deutsche Reisegruppe mit den Besonderheiten der Kathedrale vertraut macht. Dabei braucht er schon zehn Minuten, um das Sandstein-Relief über dem Portal zu erklären. „Hier sehen Sie die ganze Schöpfungsgeschichte aus Stein“, sagt Saur. 

Beeindruckend ist die Kirche auch im Innern, vor allem mit der Astronomischen Uhr (Foto). Zum einen zeigt sie auf die Stunde genau die Stellung der Planeten zur Sonne. Und zur Mittagszeit setzen sich die Apostel-Figuren in Bewegung und ziehen an Christus vorbei, während eine Hahnenfigur wild mit den Flügeln schlägt. Das tägliche Schauspiel ist so gefragt, dass es sich empfiehlt, sich rechtzeitig ein Eintrittsticket für die Astronomische Uhr zu besorgen. 

Nach so viel Input wird es Zeit für einen Kaffee. Der schmeckt besonders gut im Origin, wo man sein Barista-Handwerk versteht und neben Faitrade-Kaffee eine Vielzahl von (veganen) Sandwiches und Kuchensorten anbietet. Hier geht es sehr entspannt zu, was übrigens überall in Straßburg gilt. Egal, wo man sich gerade bewegt, ob in einem Käseladen oder beim Einsteigen in die Straßenbahn – niemand scheint es eilig zu haben, niemand irgendetwas dringend tun zu müssen. 

Wer Gelassenheit als Lebensgefühl sucht, findet sie in Straßburg. Das gilt vor allem für das Nachbarviertel La Petite France im Westen der Altstadt, wo sich der Fluss zu einem Delta aus fünf Armen auffächert und man entlang der Ufer an gut erhaltenen Fachwerkhäusern vorbeiflanieren kann. 

Die Namen der Läden (Winstub, Bierstub) erinnern daran, dass Straßburg in der Geschichte immer wieder die Staatszugehörigkeit zwischen Frankreich und dem grenznahen Deutschland wechselte. Als vielgepriesenes Beispiel für multilinguale Völkerverständigung kann es sprachlich allerdings nicht mehr dienen. Kaum jemand spricht Deutsch, sondern nahezu ausschließlich französisch, obwohl der Nachbar am Rhein keine sieben Kilometer entfernt liegt. 

Dafür freut man sich über manch niedliche Wortschöpfungen wie Baeckeoffe (Schmorgericht aus dem Backofen) oder Grumbeerekiechle (Kartoffelpuffer), die sich in den Speisekarten festgeschrieben haben. Nur das Sauerkraut nennt man hier frankophil Choucroute, und das wird oft mit verschiedenen Fleischsorten serviert. Sehr lecker ist es im Maison des Tanneurs. Nach der üppigen Mahlzeit ist manche:r Besucher:in froh, noch ein paar Meter zu Fuß bis zum Hotel zurücklegen zu können. 

 

2. Tag 

Wer sich nur in der Altstadt bewegt, könnte meinen, Straßburg sei ein Dorf. Um den Radius zu erweitern, leihen wir uns an Tag 2 ein Rad von Velhop aus, dem öffentlichen Leihsystem mit mehreren Stationen. Die Stadt behauptet von sich, noch ein Superlativ, mit 670 Radkilometern die Velo-Metropole Frankreichs zu sein. Über gut ausgebaute, doppelspurige Wege nimmt man Kurs auf die Neustadt, die mit prachtvollen Gebäuden und Parks empfängt. Entstanden in der Zeit, als Straßburg zum Deutschen Kaiserreich gehörte, beeindruckt das zum UNESCO-Welterbe zählende Viertel rund um den Place de la République mit monumentaler Architektur (Rheinpalast, Nationalbibliothek) und breiten Alleen. Über eine davon, die Avenue de la Paix, gelangt man zu einem der schönsten Plätze der Stadt, dem Parc de l'Orangerie. Die Anlage mit ihren akkurat getrimmten Gärten und einem See ist so weitläufig, dass man hier stundenlang spazieren könnte. 

Nicht weit entfernt findet man einen Platz im Gartenlokal Sandkischt, wo sich mit einem Blick auf die Teller der Tischnachbarn erschließen lässt, dass „Le Waedele“ vom Grill so etwas wie Wade oder Haxe vom Grill heißen muss. Und „Lewerknepfle“ wohl Leberklößchen. 

Wer die Radtour fortsetzen möchte, entscheidet sich für einen eher leichten Flammkuchen. Danach geht es auf den Weg zu der Adresse, für die Straßburg international bekannt ist: das EU-Parlament. 

Man überquert zweimal die Flussarme der Île, bis sich das kreisförmige, silberglänzende Gebäude ins Blickfeld schiebt. Dort also werden die Abstimmungen getroffen, die Europas Zukunft bestimmen. Wer möchte, kann den Plenarsaal besichtigen, oder man lässt Parlament, Europarat und Europäischer Gerichtshof von außen auf sich wirken und nimmt direkt Kurs zurück in die Stadt. 

Über die Avenue de l‘Europe führt die Route ins Uni-Viertel, und das hat parkähnlichen Charakter. Im Herzen des Campus liegt der Jardin des Sciences, eine Kombination aus Gärten, Museen und – neu seit diesem Sommer – einem Planetarium, dessen Kuppel als Bildschirm für 360-Grad-Projektionen dient. 

Bei gutem Wetter bietet sich ein Abstecher zum nahegelegenen Botanischen Garten an. Der ist wie ein großes, lebendes Museum (Eintritt frei), in dem man Meter für Meter hunderte von Pflanzen entdecken kann. Und das nur einen Kilometer vom touristischen Hotspot, dem Münster, entfernt. 

Nach dem Streifzug durch das andere, neue Straßburg radelt man zurück entlang der Île, vorbei an den mit Geranien geschmückten Geländern der Altstadt, Richtung Hauptbahnhof. Das Hotel ClapClap ist zwar sehr bunt eingerichtet, verströmt aber dennoch – wie alles in dieser Stadt – Ruhe und Behaglichkeit. Hier kann man die zweitägige Reise bei einem Cocktail an der Bar ausklingen lassen. Und im Restaurant steht keine elsässische Hausmannskost auf der Karte, dafür internationale Fusion-Küche. Es muss ja nicht jeden Abend Sauerkraut sein. 

Heimlicher Favorit

Die gedeckten Brücken im Altstadtviertel La Petite France

Selfie-Spots

Blick auf das runde Gebäude des EU-Parlaments

Souvenirs

Die elsässische Spezialität Gugelhupf

Filme, Bücher zur Einstimmung

Das beeindruckende Eingangsportal des Münsters

Veranstaltungen

Besucher:innen auf dem Christkindlemarkt von Straßburg

Reiseauskunft

Straßburg

FOTOS

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Office de tourisme de Strasbourg/Vincent Muller

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