Ruhrgebiet

Nirgendwo sonst sind Industriegeschichte, Kultur und grüne Oasen derart miteinander verwoben, vom Unesco-Welterbe Zollverein über den Landschaftspark Duisburg bis zu den legendären Fußballstadien

Tetraeder in Bottrop
© Imago/Wirestock

Die Region

Grüne Fakten

Bislicher Insel am Rhein

Sie haben nur zwei Stunden in Dortmund

Dortmunder U in Dortmund

Sie haben nur zwei Stunden in Gelsenkirchen

Nordsternpark in Gelsenkirchen

Ein Wochenende im Ruhrgebiet

Landschaftspark Duisburg-Nord

Tag 1: östlicher Teil

Elf Städte und vier Kreise – wie kann man das an einem Wochenende erfassen? Geht natürlich nicht. Aber keinen Stress, DB MOBIL zerlegt Ihnen Deutschlands größte Metropolregion in zwei Happen – und ein paar kleinere Häpken, wie man hier sagen würde. Am ersten Tag bewegen wir uns durch das östliche Ruhrgebiet, an Tag zwei durchstreifen wir die westliche Hälfte. Die Grenze verläuft irgendwo zwischen Bochum und Essen.

Wir starten in Dortmund, direkt gegenüber des Hauptbahnhofs. Dort steht seit 2015 das Deutsche Fußballmuseum. Besucher:innen können hier viele Momente der Fußballgeschichte aufleben lassen – von den Pioniertagen des ersten Fußballlehrers Konrad Koch in Braunschweig über das Wunder von Bern bis zu den Sternstunden der Bundesliga. Emotional wird es bei der Fußball-WM im eigenen Land 2006 und dem WM-Sieg 2014 in Rio de Janeiro. Selbst wer Sportmuffel ist und nur als Begleitung mitgeht, kommt hier mit guter Laune wieder heraus.

Als Nächstes geht’s  mit der U-Bahn bis „Dortmund-Hörde Bf“ und mitten hinein in die Herzkammer des Reviers: Das Hochofenwerk im Stadtteil Hörde zählt zu den bedeutendsten Industriedenkmälern der Region. Bis 1998 hat man hier in den mehr als 2000 Grad heißen Hochöfen Eisenerz in Roheisen verhüttet. Danach wurde die Anlage stillgelegt und das gesamte Gelände umgestaltet zu einem modernen Technologiestandort mit schönen Boulevards und Cafés.

Mit dem Phoenix-See ganz in der Nähe lockt auch ein Naherholungsgebiet. Wo heute auf 24 Hektar Wasserfläche Windsurfer:innen kreuzen und Boote schaukeln, breitete sich einst ein Teil eines Stahlwerks aus. Wer eine Ahnung erhalten möchte, wie so etwas aussah: Buchen Sie den geführten Skywalk Phoenix-West. Entlang der ehemaligen Gichtgasleitung – der Walk liegt auf dieser Leitung – geht es bis auf 64 Meter Höhe zum Hochofen, von wo der Blick über die Umgebung grandios ist.

Die Route der Industriekultur bietet weit mehr an, als in zwei Tage passt

Das Ruhrgebiet ist gespickt mit stählernen Momumenten des Industriezeitalters, das die Region hinter sich gelassen hat. Bookmarken Sie die Webseite der Route der Industriekultur – dort werden Sie weit mehr Stoff finden, als in zwei Tage passt.

Schon allein am Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop kann man einen halben Tag verbringen. Irgendwie mussten die Unmengen an Erz und Stahl ins Ruhrgebiet hinein und wieder herausbefördert werden. Dafür wurde in sieben Jahren Bauzeit der Dortmund-Ems-Kanal geschaffen, von Kaiser Wilhelm II. 1899 eröffnet. Zugleich ging das weltweit erste Schiffshebewerk für große Binnenschiffe in Betrieb. Zu Kaisers Zeiten galt es mit einer Hebeleistung von 14 Metern als technische Sensation. Es wurde 1962 durch ein noch leistungsfähigeres Hebewerk ersetzt – das alte fungiert als Industriemuseum. Modelle zeigen Kindern und Erwachsenen, wie es funktionierte.

Im nahe gelegenen Waltrop finden Sie zum Mittagessen den Beleg, dass man im Ruhrgebiet auch ausgeruht und lecker speisen kann. Das Gasthaus Stromberg serviert einen Mix aus Hausmannkost und kreativen Gerichten – auch vegetarisch.

Während noch immer Binnenschiffe kreuz und quer durch das Ruhrgebiet verkehren, ist das Zeitalter der Zechen vorüber. Aber das Arbeiten unter Tage ist bis heute so prägend für Kultur und Sprache des Reviers, dass Sie hinüber nach Bochum fahren sollten.

Im Bergbau-Museum geht es 20 Meter in die Tiefe

Oder besser: hinunter. Denn das Deutsche Bergbau-Museum Bochum unterhält in 20 Metern Tiefe ein Anschauungsbergwerk, das einem realen Bergwerk nachgebildet wurde. Die Gänge sind etwa 2,5 Kilometer lang – den Besucher:innen zugänglich sind davon 1,2 Kilometer. Wenn Sie nachempfinden wollen, wie sich ein typischer Arbeitsplatz der Kumpel anfühlte, sollten Sie frühzeitig eine Führung reservieren. Und wenn keine mehr buchbar ist: Gehen Sie trotzdem ins Museum und erfahren Sie, wie die Kohle in die Erde unterhalb des Ruhrgebiets kam – und wie sie ihm wieder abgerungen wurde.

Das Museumslokal heißt „Kumpels“ und serviert authentische Malocher-Küche. Selbstverständlich auch „Ruhrpottcarpaccio“ (Currywurst mit Pommes, ja, gibt es auch in vegan).

Aber wenn Sie es aushalten können, sparen Sie sich den Appetit auf für ihren Streifzug durch das Bermudadreieck, oder wie man es hier gern schreibt: Bermuda3eck. So nennt sich das Viertel in Bochum, das sich seit den 1970er-Jahren mit zahlreichen Kneipen, Clubs und Restaurants ruhrgebietsweit einen Namen macht. Reservieren Sie am besten einen Tisch im „Tucholsky“. Die Bowls und Currys erfreuen auch Vegetarier:innen und Veganer:innen. Und Sie können von den Nebentischen aufschnappen, was am Abend in welchen Läden des Dreiecks geboten wird. Oder was von der jüngsten Premiere im Schauspielhaus Bochum zu halten ist, das zu den renommiertesten Theatern im Land zu zählen ist. Wir verabschieden Sie an dieser Stelle in die Nacht: Das Bermudadreieck gilt als „Tanzfläche des Reviers“

Tag 2: westlicher Teil

Vielleicht möchten Sie den Tag mit einem Frühstück in 35 Metern Höhe beginnen? Einen reich gedeckten Tisch auf dem Fördergerüst Schacht 3/7/10 muss man allerdings zuvor reservieren. Von dort haben Sie einen unverstellten Blick auf den „Eiffelturm des Ruhrgebiets“. Den Vergleich hat sich das mächtige, rostrote Fördergerüst über Schacht 12 verdient. Es dominiert das Gelände der Zeche Zollverein, das seit 2001 Unesco-Welterbe ist. Die schlichten, kubistischen Gebäude sind unübersehbar am Bauhaus orientiert.

Auf dem 100 Hektar großen Areal haben sich verschiedene Restaurants, Bistros und Cafés angesiedelt, außerdem das Modelabel Grubenhelden, eine Tanzschule, Ateliers und Museen. Sie merken schon, das würde den Tag bereits ausfüllen. Für jeden Geschmack werden Führungen anbeboten: für Familien und Kinder, für Kunst- und Kulturfans, für Aktive und für „Naturliebhaber“ – im Ruhrgebiet kein Widerspruch, wie Sie sicher gemerkt haben.

Wenn Sie aber schon mal in Essen sind, sollten Sie in die Straßenbahnlinie 107 einsteigen, oder, wie der örtliche Verkehrsdienstleister sie nennt: die „Kulturlinie“. Sie bedient nämlich nicht nur die Zeche Zollverein, sondern auch das moderne, 23-stöckige Rathaus, den Essener Dom (samt Domschatz), die Aalto-Oper und die Philharmonie bis hin zur Villa Hügel im grünen und noblen Essener Süden, dem Schloss-artigen Sitz der Industriellen-Dynastie der Krupps. Sie aber steigen an der Haltestelle „Rüttenscheider Stern“ aus.

Dort treffen zwei belebte Straßen aufeinander, Sie finden dort Geschäfte, Cafés und Imbisse – und um zwei Ecken auch Futter für Kopf und Seele: das Museum Folkwang. Es beherbergt eine Sammlung mit Werken von renommierten Künstlern wie Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Claude Monet und vielen anderen. Immer wieder auch Ausstellungen, die verschiedene Kunstepochen und Stilrichtungen umfassen, von der klassischen Moderne bis zur zeitgenössischen Kunst. Und schon das Gebäudeensemble ist architektonisch sehenswert, entworfen von David Chipperfield.

Die Lichtinstallation des Tetraeders macht sich gut auf Selfies

Nun ist es Zeit, einmal auszulüften. Zum Beispiel mit der S-Bahn hinauf nach Bottrop-Boy. Vom Bahnhof spazieren Sie hinauf zum Tetraeder in Bottrop, einer begehbaren Aussichtsterrasse in Form einer dreiseitigen Pyramide auf der Halde Beckstraße. Ähnliche Skulpturen auf künstlichen Hügeln finden sich auch anderswo im Ruhrgebiet. Wie eine Achterbahn etwa wirkt das Gebilde „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ in Duisburg. Dort wie auf dem Tetraeder: toller Ausblick auf die Industrielandschaft ringsum. Und in der Dämmerung macht sich die eingebaute Lichtinstallation von Jürgen LIT Fischer gut als Selfie-Hintergrund. Eines der jüngeren, seit 1995 bestehenden Wahrzeichen des Ruhrgebiets.

Diese Funktion hat der Gasometer Oberhausen schon länger inne. Mit 118 Metern Höhe war er bis 1988 Europas größter in Betrieb befindlicher Scheibengasbehälter. Was das genau bedeutet? Ist vor Ort anschaulich erklärt. Um Gas geht’s aber schon längst nicht mehr im enormen Hohlraum der Konstruktion. Sie beherbergt einzigartige Kunstausstellungen, von denen viele aufgrund ihrer Größe gar nicht an anderen Orten installierbar wären. So wurde im Inneren schon das Matterhorn nachgebildet. Oder für die Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ eine riesige Erdkugel aufgehängt.

Im Gasometer fand schon die ganze Erdkugel Platz

Nach dem dunklen Innenraum des Gasometers brauchen Sie wieder Tageslicht. Am besten erkunden Sie zum Tagesausklang den Landschaftspark Duisburg-Nord (Foto). Spazieren Sie durch das ehemalige Industriegelände mit Grünanlagen und Wasserflächen. Von oben sieht’s noch einmal beeindruckender aus: Dafür besucht man den Klettergarten. Es geht aber auch abwärts. Der Gasometer im Landschaftspark ist eines der größten Tauchzentren Europas. Für Anfänger:innen allerdings nicht empfohlen. Wer eher seinen Geist beschäftigen möchte, besucht das Museum und erfährt etwas über die Geschichte des Ruhrgebiets und die Entwicklung der Industriekultur.

Mehr passt nun wirklich nicht in ein Wochenende im Ruhrgebiet. Wir ersparen Ihnen eine Aufzählung dessen, was wir ausgelassen haben. Aber wenn Sie das Ruhrgebiet über den Zwischenhalt Hamm (Westf) Hbf verlassen, dann bekommen Sie noch eine Bonus-Episode: die Zugteilung bzw. Zugverkupplung der ICE.

Böse Zungen sagen: Das ist schon die größte Sehenswürdigkeit der östlichsten Großstadt des Ruhrgebiets. Weit gefehlt. Nur wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt lässt sich Street Art in der Martin-Luther-Straße bewundern. Und im Maximilianpark könnten Sie den größten Elefanten der Welt besichtigen. Das soll aber jetzt wirklich reichen – wie sagt man im Ruhrgebiet? Wiedersehen macht Freude. 

Heimlicher Favorit

„Floater 99“ von James Turrell im Zentrum für Internationale Lichtkunst in Unna

Die besten Selfie-Spots

Tiger & Turtle – Magic Mountain, Stahlskulptur in Form einer Achterbahn in Duisburg

Souvenirs

Öldosen von Pottmühle

Filme, Bücher, Musik zur Einstimmung

Film-Szene aus „Das Wunder von Bern“

Veranstaltungen

Zeche Zollverein in Essen

Fotos

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James Turrell "Floater 99" im Zentrum für Internationale Lichtkunst, Unna/Frank Vinken
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Pottmühle
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