Amsterdam

Die Hauptstadt der Niederlande setzt Standards in urbaner Lebenskultur. Das galt im 16. Jahrhundert – und es gilt heute mehr denn je

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Die Stadt

Grüne Fakten

Sie haben nur zwei Stunden

Ein Wochenende in Amsterdam

Tag 1

Eines vorab: Sie können problemlos den öffentlichen Nahverkehr nutzen, er ist hervorragend ausgebaut. Am besten die App der Verkehrsbetriebe GVB installieren und dort einen 2- oder 3-Tagespass kaufen. Eigentlich brauchen Sie nicht mal das. Sie können auch bei jedem Ein- und Aussteigen Ihre Bankkarte oder Ihr Smartphone (G-Pay oder Apple Pay) ans Lesegerät in Bus oder Straßenbahn halten – abgerechnet wird automatisch nach zurückgelegter Strecke.

Sofern es das Wetter erlaubt, ist Radfahren in Amsterdam die schönste Art, sich durch die Stadt zu bewegen. Das Gelände ist flach, die Wege sind bestens präpariert, die Beschilderungen klar. Anders als in vielen anderen Großstädten stehen allerdings keine Leihräder für spontanes Ausleihen zur Verfügung. Sie müssen sich an einen stationären Verleiher wie MacBike, Black Bikes und Yellow Bike halten – die alle empfehlenswert sind und zahlreiche Niederlassungen haben.

Los geht’s. Am ersten Tag lernen Sie den Grachtengürtel und seine wichtigsten Sehenswürdigkeiten kennen. Die Innenstadt umfasst ein Halbkreis von Kanälen. Um die berühmtesten Grachten kennenzulernen, bietet sich eine Rundfahrt an. In Bahnhofsnähe finden sich zahlreiche Anbieter. Die Fahrten dauern in der Regel ein oder zwei Stunden. Nehmen Sie das nächstbeste Boot – Preis- und Qualitätsunterschiede sind gering.

Wenn Sie verstehen möchten, wie der Grachtengürtel sowie die spezielle Architektur der Grachtenhäuser, ihrer Fassaden und Innenhöfe entstanden sind, besuchen Sie das Grachtenmuseum in der Herengracht. Ein Crashkurs in Amsterdamer Geschichte. Vor allem eine seltene Gelegenheit, einmal in einen Garten eines Grachtenhauses zu spazieren.

Direkt angrenzend liegt das kleine Viertel der „9 straatjes“. Wie der Name sagt: Neun Gässchen, die eigentlich nichts Besonderes sind – außer, dass sie ein beschauliches „Best of“ des Grachtengürtels darstellen. Gemütliche Cafés, kleine Boutiquen, putzige Fassaden.

Ihr Zickzack-Spaziergang durch die neun Sträßchen endet am Anne-Frank-Haus. Für den Eintritt sollten Sie sich frühzeitig Tickets besorgt haben – sonst werden Sie lange in der Schlange stehen. Im Hinterhaus dieses Gebäudes in der Prinsengracht 263 hielt sich die aus Frankfurt stammende jüdische Familie Frank von 1942 bis 1944 versteckt, bis sie dort von Nazis entdeckt und schließlich ermordet wurde. Das „Tagebuch der Anne Frank“ wurde in mehr als 70 Sprachen übersetzt und ist heute Weltliteratur. Die Anne-Frank-Stiftung führt das Gebäudeensemble als Museum, das kaum eine:n Besucher:in unberührt lässt.

Sie spazieren nun weiter die Grachten entlang, halten inne, bestaunen die prachtvollen Giebel. Spätestens jetzt brauchen Sie eine Stärkung. Pommes oder „frietjes“ sind in Amsterdam immer eine gute Wahl. Erstens, weil sie meist vor Ort geschält, geschnitten und vorfrittiert werden. Zweitens, weil Frittenbuden eine beachtliche Auswahl Soßen bereithalten. Gleich um die Ecke zum Beispiel „Heertje Friet“ an der Herengracht 169.

Aber probieren Sie in Ihren zwei Tagen in Amsterdam auch Hering an einer Fischbude. Einfach die Augen aufhalten, wo eine Bude oder ein Fischwagen geöffnet hat und ein „broodje haring“ bestellen. Standard sind Essiggurken und Zwiebeln als Begleiter des Herings.

Derart gestärkt sind Sie gewappnet für eines der berühmten Kunstmuseen der Stadt: Rijksmuseum oder Van-Gogh-Museum. Auch hier gilt: Frühzeitig online Tickets buchen ist geboten. Im Rijksmuseum, einem imposanten Gebäude im Stile der holländischen Neorenaissance, erwarten Sie weltbekannte Gemälde aus der Goldenen Zeit wie die „Nachtwache“ von Rembrandt oder die „Dienstmagd mit Milchkrug“ von Jan Vermeer, aber auch ein Selbstporträt von Vincent van Gogh.

Dem Maler, der einen Großteil seiner Werke in Frankreich anfertigte, ist in Blickweite des Rijksmuseums ein eigenes Museum gewidmet – auch unbedingt sehenswert. Aber sofern Sie nicht absolut kunstbegeistert sind, sparen Sie sich den Besuch im Van-Gogh-Museum für den zweiten Tag auf. Es wäre ein Jammer, wenn Sie Gemälde wie die „Sonnenblumen“ (Foto) oder „Das gelbe Haus“ nicht wachen Geistes würdigen könnten.

Ebenfalls direkt am Museumplein gelegen ist das Stedelijk Museum, das Fans moderner Kunst ein üppiges Angebot macht. Es zeigt Werke von Künstlern wie Pablo Picasso, Marc Chagall, Cindy Sherman, Andy Warhol und Piet Mondrian.

Wenn Sie nach so viel Kunst Ihren Kopf durchlüften möchten, stoßen Sie nur wenige Straßenblöcke entfernt auf den Vondelpark. Die wildesten Zeiten dieses großen Stadtparks sind vorüber. In den späten 1960er-Jahren begannen Hippies und junge Menschen aus ganz Europa und den USA, die Grünfläche zu bevölkern – zeitweise glich der Vondelpark einem Festivalgelände, das von Haschisch-Schwaden durchzogen war. 1975 verhängte die Stadt ein Übernachtungsverbot im Park.

Bevor es Zeit für Ihre Nachtruhe ist, sollten Sie noch eine typische Amsterdamer „bruine kroeg“, eine „braune Kneipe“, besuchen. Viele versorgen ihre Nachbarschaft schon seit dem 19. Jahrhundert mit deftiger Speis und kühlem Trank, was erklären mag, warum das hölzerne Interieur so dunkel und verraucht, eben braun gefärbt ist. Hier treffen sich Einheimische auf ein biertje oder Jenever, oft stehen einfache, aber schmackhafte Gerichte und Snacks auf der Karte. Die Tourismuszentrale hat eine Auswahl an geschichtsträchtigen und empfehlenswerten Kneipen zusammengetragen.

Wer ein modernes Lokal auf gehobenem Niveau sucht, das Standards in Sachen Nachhaltigkeit und Regionalität setzt, sollte im Restaurant „De Kas“ im Frankendael-Park im Osten der Stadt reservieren. Dessen Motto: morgens geerntet, abends auf dem Teller. Seit 2001 arbeitet das Team daran, diese Philosophie umzusetzen. Es bewirtschaftet eigene Gärten und Gewächshäuser, manche direkt neben dem alten Gewächshaus aus den 1920er-Jahren, in dem die Gäste speisen, manche außerhalb der Stadt. Ein Michelin-Stern für die weitgehend vegetarischen und auf Wunsch auch veganen Menüs – und dazu noch ein grüner Michelin-Stern, mit der die Gourmet-Redaktion besonders nachhaltige Lokale auszeichnet.


Tag 2

Da Sie nun mit der Geschichte und goldenen Ära der Stadt vertraut sind, lernen Sie mehr vom modernen Amsterdam kennen. Dafür nehmen Sie erst einmal Abstand von den Grachten und Giebelhäusern und lüften Ihren Kopf.

Auf der Hinterseite des Bahnhofs Centraal spazieren Sie die Promenade auf und ab und betrachten das Treiben. Passanten, Reisende, Pendler:innen, auf dem Rad und zu Fuß. Im Minutentakt legen Fähren an und ab. Der Blick schweift über das Wasser, und an den gegenüberliegenden Ufern heben sich Schuppen, Kräne und Hochhäuser ab. Dort entwickelt sich eines der spannendsten Stadtviertel von Amsterdam. Nichts wie hinüber.

Die Geldbörse können Sie stecken lassen. Alle Fähren nach Amsterdam-Noord sind für Mensch und Fahrrad kostenlos. Als Erstes geht’s hinüber zum Anleger „Buiksloterweg“, in Richtung des markanten A’DAM Turms. Der Turm diente in den 1960er-Jahren als Hauptquartier von Shell – der Ölriese zog 2009 aus.

Wenn von dort ein Kreischen zu hören ist, dann wird es ausgestoßen von Mutigen, die auf der Aussichtsplattform in 100 Metern Höhe ein Ticket für die Schaukel gebucht haben. Man schwingt über den Abgrund hinaus – selbstverständlich gut gesichert. Aber der Aufzug hinauf lohnt natürlich auch für alle, die einfach den 360-Grad-Ausblick über die Stadt genießen wollen. Dort oben wartet so einiges: eine Bar, ein Restaurant, interaktive Ferngläser und ein Erlebnis mit VR-Brille.

Rund um den Turm gibt es einiges zu entdecken. Etwa das Eye Filmmuseum. Je nach Perspektive sieht das Gebäude aus wie ein weißes Ufo, ein riesiger geknautschter Motorrad-Helm oder ein undefiniertes Origami-Kunstwerk. Drinnen laufen klassische und aktuelle Filmproduktionen in vier Sälen. Besucher:innen können selbst verschiedene Filmtechniken ausprobieren und historische Filmplakate anschauen.

In den angrenzenden Gewerbeblocks haben sich viele Start-ups angesiedelt. Deren junge Arbeitnehmerschaft strömt im Sommer nach Feierabend in den Park direkt am Wasser – aufgrund seiner Ausrichtung nach Westen hat man an kaum einem Ort in Amsterdam länger Sonne als hier. Aber der Abend ist noch lange hin.

Stattdessen ist Zeit für einen Snack. Praktischerweise befindet sich in Sichtweite zum Fähranleger eine Pommesbude mit tadellosem Ruf: Pont Neuf. Die Idee hinter dem Namen: Angeblich wurden auf der berühmten Pariser Brücke Pont-Neuf einst die ersten Pommes frites verkauft. Und die Imbissbetreiber haben eben ihre Bude auch an einer Pont eröffnet – pont ist das niederländische Wort für Fähre.

Und weil die Überfahrt so viel Spaß macht, nehmen Sie jetzt die Fähre zurück Richtung Hauptbahnhof – und steigen dort um in eine „pont“ nach „NDSM“. Die Abkürzung steht für Nederlandsche Dok en Scheepsbouw Maatschappij, einst eine der größten Werften Europas.

Deren Hallen und Höfe füllen heute Ateliers, Start-ups, Cafés, Restaurants und andere kreative Unternehmungen. Beim Wandeln durch die größte Halle stoßen Kunst- und Kulturinteressierte auf Kunstwerke, Galerien und Werkstätten. In einer Halle daneben hat sich das Street-Art-Museum STRAAT niedergelassen. Es konzentriert sich auf aktuelle Graffiti-Kunst. Anders als das Moco Museum, das in der Nachbarschaft des Museumplein liegt und neben Pop-Art auch Werke von Graffiti-Altstars wie Banksy ausstellt.

Um die Werfthallen hat sich ein Szeneviertel entwickelt. Dank öffentlicher Förderung sind viele junge Familien in die neuen Wohnblöcke dieses Quartiers „De Werf“ gezogen, die einen ruhigen, parkartigen Innenhof umfassen. Nicht jedermanns oder jedefraus Sache, aber städtebaulich interessant.

Falls Sie sich gar nicht loseisen können vom Treiben der Hallen, Beachclubs, Flohmärkte und Skateboarder:innen, werden Sie jene beneiden, die sich frühzeitig eine Übernachtung im Kran-Hotel Faralda gebucht haben – samt Ausblick in bis zu 45 Meter Höhe. Die Design-Suiten kosten allerdings auch rund 1000 Euro pro Nacht.

Wir vermuten mal, dass Sie kostengünstiger unterkommen, und das auf der anderen Seite des IJ. Ab NDSM verkehrt auch eine Fähre zum Hochhaus, das wie ein riesiges Tor aussieht: das Pontsteigergebouw. Darin befinden sich Wohnungen und ein Hotel. Dorthin sollten Sie übersetzen, wenn Sie mit dem Rad unterwegs sind.

Bei der Gelegenheit können Sie zickzack durch das neue Wohngebiet der ehemaligen Holzhäfen (houthavens) fahren. An warmen Sommertagen treffen sich die Bewohner:innen auf den Stegen direkt vor ihrer Haustür und kühlen sich im Wasser ab. Freibad inmitten einer Hafenszenerie. In fünf Minuten sind Sie zum Museum „Het Schip“ geradelt, das wir unter „Heimlicher Favorit“ vorstellen. Jenseits der Bahnlinie erreichen Sie durch eine Unterführung den Westerpark. Im Gebäudekomplex der stillgelegten Gasfabrik können Sie durch Ateliers schlendern und im Café oder Restaurant eine Pause einlegen und dabei das Treiben im Park beobachten.

Alternativ verkehrt ab „NDSM“ eine Fährverbindung zurück zum Hauptbahnhof. Von dort erreichen Sie fußläufig die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt. Etwa den Königlichen Palast am Dam, der für Ausstellungen geöffnet ist – die Regent:innen der Niederlande residieren nicht hier, sondern im Paleis Huis ten Bosch in Den Haag. Sie nutzen das Gebäude allerdings für Empfänge. Informieren Sie sich daher im Vorfeld über Besuchsmöglichkeiten.

Einige Gehminuten weiter, etwas versteckt an einer Nebengasse der Einkaufsstraße Kalverstraat, öffnet sich ein beschaulicher Innenhof: Der Begijnhof ist eine Wohnanlage von katholischen Frauen aus dem 14. Jahrhundert – er ist heute von alleinstehenden Frauen bewohnt, darum wird um Ruhe gebeten.

Wenn Sie auch auf dieser Seite des IJ einen Eindruck vom modernen Amsterdam bekommen wollen, wenden Sie sich am Ausgang des Hauptbahnhofs nach links und besuchen die öffentliche Bibliothek OBA. Der Bau aus dem Jahr 2007 setzt Standards für öffentliche Gebäude im 21. Jahrhundert. Hell, offen, einladend. Fahren Sie mit den Rolltreppen durch die Etagen, bis ganz nach oben. Dort öffnet eine Aussichtsterrasse einen Blick auf die Innenstadt – und auf das letzte Ziel, das wir empfehlen möchten.

Über eine Fußgängerbrücke ist ein kupfergrünes Ungetüm erreichbar, das einem Schiffsrumpf gleicht. Das Wissenschaftsmuseum NEMO, entworfen von Renzo Piano. Der Name ist eine Abkürzung für „New Metropolis“, in Anspielung an den Stummfilmklassiker von Fritz Lang. Das Gebäude markiert zugleich die diesseitige Ausfahrt des IJ-Autotunnels. Das Museum richtet sich vor allem an Familien und lädt zu zahlreichen Mitmach-Experimenten ein, um die Welt der Physik, Biologie, Chemie und Technik zu entdecken.

Wer sich für das Museumsinnere nicht erwärmen kann, sollte dennoch den Weg hinüber zum NEMO gehen. Über eine breite Treppe kann man bis aufs Dach steigen und auf dem „am höchsten gelegenen öffentlichen Platz der Niederlande“, wie das NEMO selbst darlegt, verweilen. Besorgen Sie sich ein Getränk und einen Snack im Restaurant und blicken Sie auf Schiffe, Dächer und Grachten, bis es Zeit ist, Richtung Amsterdam Centraal aufzubrechen und die Rückreise anzutreten. Tot ziens – auf Wiedersehen!

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