„Unterwegs bekomme ich immer die besten Ideen“

Der deutsch-spanische Sänger Alvaro Soler („La Cintura“) bringt von seinen Reisen gern Instrumente und neue Songideen mit nach Hause. DB MOBIL verrät er, welche Länder ihn besonders beeindruckt haben – und wie ihn seine Kindheit und Jugend in Japan und Spanien geprägt haben

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Lesezeit: 7 Minuten
Christoph Köstlin

Las Vegas, Miami, Mailand, Berlin – als Musiker sind Sie weltweit unterwegs. Welcher Trip aber war DIE Reise Ihres Lebens?

Das kann ich gar nicht genau sagen, weil es so viele besondere Reiseerlebnisse gibt, an die ich gern zurückdenke. Spontan würde ich aber sagen: Puerto Rico. Das ist einfach meine Insel, weil Musik dort allgegenwärtig ist. Viele bekannte Musikerinnen und Musiker, die meinen Sound geprägt haben, stammen von dort. Reggaeton-Musiker:innen wie Bad Bunny, Daddy Yankee und Nicky Jam zum Beispiel. Außerdem liebe ich die Bachata-Musik, die überall auf der Insel zu hören ist. Besonders gut in Erinnerung geblieben ist mir eine Party, die spontan an einem Kiosk stattfand. Einige Leute tanzten, andere saßen an Tischen und aßen. Diese Lebenseinstellung, einfach zu feiern, wenn einem danach ist, gefällt mir sehr. Außerdem waren die „Mofongo“, die der Kiosk verkauft hat, unfassbar lecker: Klöße aus Kochbananen, Olivenöl und Speck, die typisch für die Karibik sind. Auf Reisen gehe ich immer gern in die Lokale, in denen auch die Einheimischen essen. So kommt man einem Land schnell näher. Und ich miete mir immer ein Auto, damit ich überall anhalten kann, wo es mir gefällt. In Puerto Rico war ich nur fünf Tage, aber das hat ausgereicht, um die Insel von Norden bis Süden zu bereisen. Sie hat mich an Kuba erinnert, besonders die Hauptstadt San Juan ist extrem farbenfroh. Allerdings gehört Puerto Rico zum Außengebiet der USA und unterscheidet sich deshalb natürlich auch stark vom kommunistisch geprägten Kuba.

An welche Tour-Erlebnisse denken Sie gern zurück?

Mein letztes Konzert vor der Pandemie habe ich in Mexico City gegeben. Eine unglaubliche Metropole, aus der ich viele Eindrücke mitgenommen habe. Einer der bemerkenswertesten war sicher der Taco mit frittierten Heuschrecken, den ich dort auf einem Markt gegessen habe. (lacht) Oder der Tag, an dem ich in einem alten VW Käfer quer durch die Stadt gefahren bin, um Piñatas als Bühnendeko für mein Konzert in einem kleinen Klub zu besorgen. Ich finde es immer gut, etwas Traditionelles aus dem Land aufzugreifen, in dem ich auftrete. Das hilft, um eine Verbindung zum Publikum herzustellen.

Hatten Sie in Mexico City auch Zeit für Sightseeing?

Ja, ich habe die Sonnenpyramide von Teotihuacán bestiegen. Sie liegt etwa eine Autostunde von der Hauptstadt entfernt und ist die drittgrößte Pyramide der Welt. Ein magischer Ort mit einer ganz speziellen Energie. Erst wenn man oben auf der Pyramide steht, werden einem die gigantischen Dimensionen dieses Bauwerks bewusst. Ich bin keiner, der auf einer Tour nur Hotels und Konzertsäle sieht. Ich versuche immer, mir so viel wie möglich anzuschauen.

Christoph Köstlin

Sie sind in Barcelona aufgewachsen und im Alter von zehn Jahren mit Ihrem deutschen Vater und Ihrer spanischen Mutter für acht Jahre nach Tokio ausgewandert. Wie haben die so unterschiedlichen Kulturen Spaniens und Japans Sie geprägt?

Tokio hat in mir eine Neugierde geweckt, von anderen Kulturen zu lernen. Deshalb reise ich so gern. Auch mein Verständnis von Respekt und Höflichkeit hat sich in Japan gebildet. Die meisten Japaner:innen verhalten sich sehr diskret und wollen andere möglichst nicht stören. Genauso geht es mir auch: In der Öffentlichkeit zu stehen ist gar nicht so mein Ding. Natürlich genieße ich die Energie, die bei meinen Konzerten im Publikum herrscht. Aber ich bin nicht der Typ, der auf der Straße anfangen würde zu tanzen, nur um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Als ich später zum Studium nach Barcelona zog, musste ich wieder umdenken. Spanien lehrte mich, weniger perfektionistisch zu sein und Dinge auf mich zukommen zu lassen. Einfach in den Pool zu springen und zu schauen, was passiert! Heute lebe ich in Berlin. Hier kann jede:r sein, wie er oder sie will, und die Menschen kommen aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt. Das gefällt mir sehr.

Welche Erinnerungen haben Sie eigentlich an Las Vegas, wo Sie gemeinsam mit Jennifer Lopez aufgetreten sind?

Es war faszinierend, vom Flugzeug aus zu sehen, wie die Stadt mitten in der Wüste wie aus dem Nichts auftaucht. In Las Vegas strömten dann so viele Eindrücke auf mich ein, dass ich völlig sprachlos war. Ich erinnere mich vor allem an die vielen Menschen, die bunt gemusterten Teppiche und den goldenen Löwen vor dem MGM Grand, dem Hotel, in dem ich mit J.Lo aufgetreten bin. Ich war nur drei Nächte dort: Zwei Abende probten wir die Show, und am letzten Tag stand ich dann mit Jennifer Lopez auf der Bühne. Da blieb mir keine Zeit für Casinobesuche. Immerhin konnte ich kurz am Pool mein blasses Wintergesicht in die Wüstensonne halten.

Wie reagieren Sie, wenn auf Reisen plötzlich Musik von Ihnen läuft – etwa in einer Strandbar?

Das passiert tatsächlich häufiger. Voll verrückt. In Italien zum Beispiel spielen Restaurants oder Klubs oft extra Lieder von mir, wenn man mich den Laden betreten sieht. Das ist mir immer unangenehm, weil ich mich dann nicht mehr verstecken kann. Da steht mir einfach meine japanische Zurückhaltung im Weg!

Wie bewahren Sie sich die Erinnerungen an Ihre Reisen?

Indem ich mir aus der ganzen Welt Instrumente mitbringe, die dann meine Wohnung schmücken. In Mexiko etwa habe ich mir im Souvenirshop der Sonnenpyramide eine Flöte in Form einer Schildkröte gekauft, in Venezuela ein „Cuatro“, das ist eine Gitarre mit vier Seiten. Einige der Instrumente sind auch auf meinem neuen Album zu hören. In dem Song „Hawaii“ etwa spiele ich eine Flöte aus Kolumbien.

Welche drei Dinge haben Sie auf Reisen immer dabei?

Meinen Fotoapparat, meine Badehose und meine Gitarre. Unterwegs schreibe ich einfach besonders gern neue Songs. Da bekomme ich immer die besten Ideen.


Álvaro Solers neues Album „Magia“ erscheint am 9. Juli bei Universal.

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