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Die letzten ihrer Art

Der Fotograf Malte Jäger hat sich schon öfter mit dem Leben und der Arbeit von Ostseefischern beschäftigt. Eine ihrer Eigenschaften imponiert ihm besonders.

Von:
Lesezeit: 2 Minuten
Malte Jäger

„Zum ersten Mal habe ich Fischer an der Ostsee 2003 porträtiert, als ich gerade mit der Fotografie anfing. Damals besuchte ich einige von ihnen und hielt fest, wie sie versuchten, sich mit ihrem Beruf im Wortsinne über Wasser zu halten. Diese Männer im Morgengrauen bei ihrer Arbeit zu begleiten bot einem Fotografen großartige Motive, denn ihre wettergegerbten Gesichter waren im Licht des Sonnenaufgangs sehr fotogen.

Mehr als zehn Jahre später kehrte ich im Auftrag von DB MOBIL zu den Ostseefischern zurück. Von rund 1000 Kutter- und Küstenfischern, die es in Mecklenburg-Vorpommern zur Wendezeit zum Fang hinausfuhren, war nur noch ein Viertel übrig. Im Ostseebad Baabe auf Rügen erzählte mir einer der Fischer, dass er 40 Jahre zuvor um die 100 Kollegen gehabt habe – nun seien sie nur noch zu dritt.

Mir fiel während der Recherche auf, dass die Fischer, die wir trafen, sehr pragmatisch mit ihrer Situation umgingen. Sie waren nicht fatalistisch – es lag kein Abgesang in der Luft, wie das Jahre zuvor bei meiner ersten Begegnung mit den Fischern gewesen war, sondern Optimismus. Die, die noch fischten, hatten ihre Lage aus eigener Kraft verbessert. Statt beispielsweise seine Fänge auf dem Großmarkt zu verkaufen, wo man pro Kilo Fisch nur ein paar Cent erzielen konnte, hatte einer der Fischer eine Kneipe eröffnet, die natürlich „Zum Fischer“ hieß, und vermarktete seine tägliche Ausbeute selbst. Ein anderer unterhielt einen Fischimbiss, ein Dritter hatte sich mit dem Wirt eines Gasthofs zusammengetan und verkaufte seine Fänge zu guten Preisen in dessen Hofladen.

Der Kampfgeist und ökonomische Verstand dieser Fischer beeindruckten mich. Sie legten Fähigkeiten an den Tag, die ich auch bei Unternehmern und Selbständigen während der Corona-Krise beobachtet habe. Statt in Schockstarre zu verfallen, hatten sie Erfindungsreichtum entwickelt und vielleicht genau dadurch ihre Existenz gerettet. Der Besuch bei den letzten Fischern an der Ostsee hat mich jedenfalls darin bestärkt, auch in Situationen, die einem vielleicht aussichtslos vorkommen, den Mut nicht zu verlieren.“

Malte Jäger

Zum Nachmachen hier entlang:
www.zumfischer.de
www.schillings-gasthof.de
www.ruegen.de


Text in DB-MOBIL-Ausgabe: Oktober 2016

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