Begegnung mit einem Raubtier

Eigentlich sollte Fotograf Olaf Tamm mit unserem Autor auf Helgoland Entspannung suchen. Doch was er fand, sorgte nicht unbedingt für Beruhigung

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Lesezeit: 3 Minuten
Olaf Tamm für DB MOBIL

„Das Schiff, das uns im November nach Helgoland brachte, war nahezu komplett leer. Nur wenige Menschen liefen über das Deck, und die hatten Fotoausrüstungen dabei, als würden sie zu einer Großwildsafari aufbrechen. Ich fragte einen, was das solle, und erwartete, dass man mir nun einen Vortrag über Vogelarten und deren Zugzeiten halten würde. Aber die Antwort war einfacher – und unerwartet: ‚Es geht um Robben.‘ Nicht irgendwelche kleinen Robben, die man in der Ferne vielleicht als dunkle Punkte wahrnehmen konnte, wenn sie ihre Köpfchen aus dem Wasser reckten. Sondern fette Kegelrobben, die keine 30 Meter von einem entfernt mit ihren Robbenbabys am Strand lagen. Ein echtes Naturschauspiel!

Aber diesem Wunder maßen wir noch nicht so viel Bedeutung bei, als der Autor (Oliver Keppler) und ich auf der Insel eintrafen. Der Auftrag war: Ruhe finden, Abgeschiedenheit, Entspannung. Und die gab es auf Helgoland zu dieser Jahreszeit genug. Wir streiften durch die Straßen und rüttelten an der Tür des Heimatmuseums, die verschlossen blieb. Wir gingen in ein Café, dessen Besitzer uns lieber loswerden wollte , als wirklich etwas zu verkaufen, und die Häuserreihen, die hier in den 1950er-Jahren alle in gleicher Weise aufgebaut worden waren, standen leer herum und wirkten noch pittoresker als sonst. Schon vorher war ich ein paarmal auf Helgoland gewesen, immer im Sommer – wie die rund 350.000 anderen Besucher auch, die hier pro Jahr aufkreuzen. Die waren jetzt alle fort, lediglich die 1.500 Einwohner von Helgoland waren noch da.

An Tag zwei unseres Besuchs machten wir uns auf zu Helgolands Düne. Dort sahen wir nicht nur die Hobbyfotografen wieder, sondern erstmals auch Deutschlands größtes Raubtier: die Kegelrobbe. Da war es um mich geschehen. Wir blieben zwar ein, zwei Stündchen, aber ich wollte unbedingt wiederkommen. Im Jahr darauf machte ich zu meinem Geburtstag im November noch mal einen Trip nach Helgoland, diesmal mit meiner Familie und fast ausschließlich für die Kegelrobben. Mein Sohn und ich konnten sogar eine Geburt vollständig beobachten. So was erlebt man nur einmal. Es war beeindruckender als jeder Zoobesuch.“

Zum Nachmachen hier lang:
https://www.bahn.de/regional/view/regionen/niedersa/spezial1/helgoland.shtml
www.helgoland.de
https://www.jordsand.eu/schutzgebiete/helgoland/robbenbabies/

Hier geht's zum Nachlesen der ganzen Geschichte in DB MOBIL Februar 2017.

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