Sylt

Deutschlands nördlichste Insel hat alles für herrliche Ferien am Meer: Sonne, Wind, einen ellenlangen Strand, Nordseewellen und Wattwürmer.

Holger Widera / Sylt Marketing

Einführung

Sie haben nur zwei Stunden

Ein Wochenende auf Sylt

Tag 1

Sie sind mit der Bahn gekommen, aber ohne Auto? Dann mieten Sie sich am besten ein Fahrrad. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Es gibt im Grunde nur einen Radweg, der ganz Sylt von Nord nach Süd durchzieht – parallel zur Straße, auf der Busse mit Fahrradständern am Heck verkehren. Sollte also der Gegenwind zu stark werden oder Ihnen die Puste ausgehen: einfach umsteigen.

Sylt ist vor allem lang und schmal und geht nur in der Mitte ostwärts ordentlich in die Breite. Heute erkunden Sie zunächst von Westerland aus den Norden, es geht rund 17 Kilometer bis nach List. Sie starten am Insel Sylt Tourismus-Service an der Strandstraße, biegen links in die Steinmannstraße, die in die Norderstraße übergeht. Folgen Sie dort einfach den Radweg-Hinweisschildern. Sie radeln mehr oder minder immer geradeaus, bis Sie zum höchsten Berg Sylts kommen. Okay, es ist eine Düne: die Uwe Düne, knapp 53 Meter hoch. Von der Aussichtsplattform liegen Ihnen Kampen und seine feine Gesellschaft zu Füßen. Hier oben fühlt man sich noch etwas freier, und passenderweise ist die Düne nach dem Sylter Menschenrechtler Uwe Jens Lornsen (1793–1838) benannt. Beflügelt steigen Sie wieder aufs Rad und fahren direkt hinter den Stranddünen durch eine wunderbare Heidelandschaft, deren Bebauung von tapferen Syltern bisher verhindert wurde, zum Quermarkenfeuer Rotes Kliff. Hier könnten Sie aufs etwa 30 Meter hohe Rote Kliff wandern: auf der „Wandelbahn“ zu zwei erst kürzlich geschaffenen Aussichtsplattformen. Näher ran an den Abgrund darf man aus Sicherheitsgründen leider nicht mehr.

Vielleicht laufen Sie auch durch die Dünen ans Meer und stärken sich im Kaamps 7 mit einem Drink und einer Kleinigkeit zu essen. Denn wenn Sie weiterfahren, erreichen Sie das wilde, das einsame Sylt, wo Ihnen schon deutlich weniger Radfahrer entgegenkommen. Es geht Richtung List, durchs Klappholttal. Hier ist die Insel ganz Dünenlandschaft mit Kieferngestrüpp, ganz Himmel, ganz grün-gelb-blau, ganz endlos und meist ganz Wind. Dann macht der Weg einen Knick und biegt ab nach List. Wenn Sie dort am Hafen ankommen, haben Sie sich Ihr Mittagessen redlich verdient: Wie wär’s mit Bratfisch vom Grill beim Gosch Alte Bootshalle? Vorher checken Sie vielleicht noch, ob am frühen Nachmittag ein Kutter zu einer Seehundstour ablegt, und kaufen dafür schon mal Tickets.

Zurück an Land haben Sie die Wahl. Ganz raufradeln zum Leuchtturm List-Ost an der „Ellenbogen“-Spitze? Dort können Sie den ganzen restlichen Tag mühelos damit verbringen, den feinen hellen Strand entlangzulaufen und Surfern und Kitern auf den Wellen zuzusehen. Oder Sie kehren auf demselben Weg zurück, den Sie gekommen sind, biegen aber in Kampen links ab und radeln zur legendären Kupferkanne. Das Reizklima der Nordseeinsel macht hungrig, deshalb ist jetzt unbedingt Zeit für einen „Pott Kaffee“ und ein großes Stück Apfel-, Pflaumen- oder auch Kirschkuchen, mit ordentlich Butter in Streuseln und Boden. Die Gartenterrasse des Cafés ist riesig und in sich verschlungen, genauso wie die Innenräume des einstigen Künstlerateliers. Es liegt an der Ostseite der Insel, hat eine herrliche Aussicht auf Heide und Watt, und von hier aus könnten Sie auf Holzstegen mittendurch bis nach Munkmarsch zum Hafen laufen. Sie sind aber mit dem Rad da, fahren daher etwas oberhalb in Richtung Süden, dann erreichen Sie nach etwa 15 Minuten das beschauliche Dorf. Schlendern Sie dort noch ein wenig umher, auch im Jachthafen, und dann können Sie allmählich rübergehen ins alte Fährhaus, heute ein Fünf-Sterne-Hotel mit Restaurant, um den Abend auf der weiß getünchten Veranda am Watt bei feinem Fisch ausklingen lassen.

Tag 2

Um nach Süden aufzubrechen, machen Sie die Biege: Von Westerland fahren Sie zunächst nach Osten ins malerische Kapitänsdorf Keitum. Am Kreisel am Ortseingang geht’s erst noch nach links zu St. Severin. Als älteste Kirche der Insel haben sie und ihr Taufstein sogar die große Flut 1362 überstanden. Von hier brauchen Sie nur fünf Minuten ins Herz der einstigen „Hauptstadt“ der Insel: Flanieren Sie durch enge Gässchen, vorbei an liebevoll gepflegten Bauerngärten hinter Steinmauern, den „Friesenwällen“, auf denen, pinkfarben oder weiß, oft Rosa Rugosa blüht – auch bekannt als Kartoffelrose. Für ein zweites Frühstück oder frühes Mittagessen haben Sie die Wahl zwischen der norddeutsch-behaglich eingerichteten Kleinen Teestube (friesische Waffeln mit Brombeertee?) im Ortskern oder dem Teeraum im edel designten Teekontor gleich hinterm Ortsausgang: Zum Blick auf weite Wiesen werden Ihnen Matcha-Grüntee-Küchlein serviert. Oder soll’s eher ein „Tee-Süppchen“ sein?

Nun aber los! Gleich am Teekontor rollen Sie den Weststeg entlang bis zum Alten Schöpfwerk, von wo der Radweg das Rantumbecken umrundet. Ursprünglich war das künstlich eingedeichte Areal im Zweiten Weltkrieg als Flugplatz für Wasserflugzeuge geplant. Doch dazu kam es nicht. Glück für Seevögel, die hier stattdessen ein Refugium gefunden haben und spektakulär starten und landen: Zugvögel in riesigen Schwärmen, Graugänse, Mittelsäger und Bartmeisen, in der Vergangenheit legten sogar zwei Albatrosse hier einen Stopp ein. Allerdings in verschiedenen Jahren. Wenn Sie Lust haben, schließen Sie sich doch einer vogelkundlichen Führung des Vereins Jordsand an.

Wer nur mal guckt und dann weiterfährt, kommt nach knapp 30 Minuten direkt beim Hafen von Rantum raus. Dort steigt Ihnen vermutlich verführerisch der Duft von frischem Kaffee in die Nase. Sie fahren schließlich unmittelbar an der Kaffeerösterei Sylt vorbei. Und Hunger haben Sie auch, deshalb vielleicht vorher einen deftigen Eintopf zu Mittag? Schräg gegenüber, in der Strandkorbmanufaktur, können Sie sich danach zeigen lassen, wie der Insel liebstes Möbel entsteht. Sechsmal musste Rantum selbst bereits neu aufgebaut werden, weil das Meer einfach darüber hinwegbrauste oder Flugsand die Häuser unter sich begrub. Der kleine Ort trägt daher den Beinamen „das flüchtende Dorf“, denn hier macht sich Sylt ganz dünne – nur 550 Meter liegen noch zwischen Nordsee und Wattenmeer. Vor gut 100 Jahren sollen hier nur mehr fünf Katen gestanden haben. Deiche und Strandhafer, der sich auf den Dünen im Sand festkrallt, schützen heute die robust wirkenden, reetgedeckten Ferienhäuser. Groß ist die Versuchung, das Rad jetzt einfach an einem der Strandübergänge abzuschließen, sich einen Strandkorb zu mieten und den restlichen Tag himmel-und-meer-blauzumachen. Oder …

… Sie radeln weiter, immer Richtung Süden und, ja, vorbei am Restaurant Sansibar. Auf dem Rückweg kommen Sie hier eh wieder durch, zum Finale. Ihr vorletztes Ziel für heute können Sie nicht verfehlen: Die einzige Straße und der Radweg bringen Sie nach etwa 40 Minuten unweigerlich nach Hörnum. Es gibt die Kampen-Fans, die List-Fans und die, die Hörnum lieben. Weil es so ursprünglich geblieben ist, unaufgehübscht und, was Eis betrifft, ein bisschen so wie 1959. Damals schaffte Familie Lund eine Eismaschine an, fünf Jahre zuvor wurde die eigene Bäckerei um ein Café erweitert – und all das, inklusive selbst gemachter „Iskreem“, gibt es heute immer noch bei Lund Sylt. Das Café wurde zwar hier und da modernisiert, hat aber immer noch was vom alten Oma-Charme behalten und gerade deshalb viele Stammgäste. Sie drehen noch eine kleine Runde am Hafen, machen ein Selfie oben auf dem Leuchtturm, und dann haben Sie sie vor sich – die Rückfahrt nach Westerland. Diese 18,5 Kilometer können sich endlos anfühlen. Ob Sie nun aber in die Pedale treten oder samt Rad den Bus nehmen … auf halber Strecke liegt sie, die Sansibar, eigentlich eine Strandbude mit Gastroservice, in Wahrheit aber Wahrzeichen und In-Location – und das mit eigener Bushaltestelle (Wassertal/Sansibar). Sie haben Glück: Bei Ihrer Ankunft wird gerade ein Platz draußen frei. Niedersinken, eine Currywurst mit Sansibar-Ketchup ordern, Zehen in den Sand graben, aufs Meer und in die tief stehende Sonne blinzeln, dazu einen Sansibar Dry Gin – und dann nur nicht vergessen, wann Sie aufbrechen müssen. Allerallerallerspätestens. Zum Bahnhof.

 

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Westerland (Sylt)

Fotos:
Monica Gumm / Sylt Marketing
Christian Kerber / Sylt Marketing
Chris Emil Janßen / imago images
Carlos Arias Enciso / Sylt Marketing
Michael Reidinger / Sylt Marketing
Sylt Marketing

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