Rügen

Imposante Kreidefelsen, weiße Strandvillen, mondäne Seebäder: Dafür ist die größte deutsche Insel berühmt. Und zwar völlig zu Recht. Es gibt aber noch viel mehr, dass Sie beim Rügen-Urlaub nicht verpassen sollten …

Gudrun-Krueger

Einführung

Sie haben nur zwei Stunden

Ein Wochenende auf Rügen

Tag 1

Nationalpark Jasmund mit Kreidefelsen

Caspar David Friedrich malte wie zuvor erwähnt 1818 die „Kreidefelsen auf Rügen“ – seitdem wollen alle sie sehen. Dabei gibt es die weißen Felsen schon etwas länger: Entstanden sind sie vor etwa 70 Millionen Jahren aus kalkhaltigen Schalen, Skeletten und Panzern von Kleinlebewesen. Heute sind sie das unbestrittene Wahrzeichen Rügens und zählen daher zum Pflichtprogramm für Besucher:innen.

Das imposante Steilufer markiert die östliche Grenze des gut 3.000 Hektar großen Nationalparks Jasmund. Zu diesem Nationalpark, dem kleinsten Deutschlands, gehören auch ein bis auf 161 Meter über die See aufragender bewaldeter Höhenrücken der Stubnitz, ein 500 Meter breiter Strand sowie der größte zusammenhängende Buchenwald der Ostseeküste. Der 493 Hektar große Wald wurde wegen seiner unzugänglichen Lage an den Steilhängen nie forstwirtschaftlich genutzt und 2011 zum UNESCO-Welterbe erklärt.

Der Nationalpark Jasmund ist Heimat von Wanderfalken und Seeadlern, auch seltene Wildpflanzen wie der Frauenschuh und der Riesenschachtelhalm sind hier zu finden. Er ist eine einmalige Kombination aus wildem Wald mit Hügeln, Quellen und Bachtälern, lichten Mooren, weißen Felsen und dem Blau der Ostsee.

Wer den großen Besucher:innenstrom meiden möchte, sollte früh aufstehen, am besten gleich nach Sonnenaufgang. Wenn Sie vom Bahnhof in Sassnitz starten, laufen Sie zunächst bis zum Ortsteil Wedding. Dort beginnt der ausgeschilderte Hochuferwanderweg bis zur Stubbenkammer. Der Hochuferweg gilt als einer der schönsten Wanderwege der Ostsee – er wird Sie für das frühe Aufstehen reichlich belohnen. Beachten Sie aber bitte alle Warnhinweise an den Hochufern. Es besteht Abbruch- und Absturzgefahr entlang der Kreideküste. Je nach Fitnessgrad erreichen Sie nach etwa drei Stunden Gehzeit dann den Höhepunkt: den Königsstuhl, der 118 Meter über der Ostsee aufragt.

Um ihn betreten zu können, müssen Sie das Nationalpark-Zentrum besuchen. Die Ausstellung vermittelt Wissenswertes über Geschichte, Flora und Fauna des Nationalparks Jasmund. Zurzeit wird zudem an einer neuen und barrierefreien Aussichtsplattform gebaut: Der „schwebende Königsweg“ soll 2022 eröffnet werden.

Sie sind kein Frühaufsteher? Dann können Sie alternativ von Lohme zur Victoria-Sicht wandern. Dieser Teil des Hochuferwegs führt auch entlang der Küste und misst nur gut vier Kilometer. Den Königsstuhl besteigen Sie bei dieser Tour zwar nicht, aber Sie werden ihn sehen. Von der kleinen Aussichtsplattform Victoria-Sicht hat man vom Land aus den besten Blick auf den berühmten Kreidefelsen.

Für den Rückweg nehmen Sie den Bus 23, der vom Königsstuhl bis zum Hafen in Sassnitz fährt. Dort kaufen Sie beim Fischerboot „Heimat“ ein Fischbrötchen und setzen sich zum Verspeisen und Verschnaufen auf die Mole.

 

Kap Arkona und Fischerdorf Vitt

Die nördliche Spitze Rügens ist das Kap Arkona. Streng genommen liegt der Naturstrand Gellort noch einen Tick nördlicher, aber das Kap ist erheblich eindrucksvoller, und deshalb geht es überall als Nordspitze durch. Mit dem Auto können Sie bis Putgarten auf der Halbinsel Wittow fahren, weiter dürfen Sie nicht. Vom Parkplatz aus können Sie die Elektrobahn direkt zu den Leuchttürmen nehmen – oder Sie laufen dorthin.

Der rote Leuchtturm mit dem quadratischen Grundriss, dem Backsteinsockel und seiner Glaslaterne wurde von Karl Friedrich Schinkel (1781–1841) entworfen und ging 1828 in Betrieb. Er ist einer der ältesten festen Leuchtfeuer an der Ostseeküste. Der neue Leuchtturm löste den Schinkelturm 1905 ab. Er ist 35 Meter hoch und heute noch in Betrieb.

Von der 28 Meter hohen Aussichtsplattform des neuen Leuchtturms reicht die Sicht bei gutem Wetter nicht nur bis zur Ostseebucht Tromper Wiek, sondern auch bis zur dänischen Insel Møn. Der etwas abseits liegende Peilturm wurde dagegen 1927 erbaut. Er diente einst der Reichsmarine als Seefunkfeuer zur Kontrolle des Ostseeraums. Nach der Wiedervereinigung wurde der Turm umgebaut und mit einer Glaskuppel versehen.

Sie wollen lieber nicht so hoch hinaus? Dann laufen Sie den 1,2 Kilometer langen Fußweg bis nach Vitt. Das hübsche alte Fischerdorf mit seinen Reetdachhäusern steht unter Denkmalschutz. Ein schönes Fotomotiv ist die achteckige Kapelle des Ortes, die auf einem Plateau über dem Dorf liegt. Sie wurde von 1806 bis 1816 erbaut.

Fürs Abendessen reservieren Sie am besten einen Tisch im freustil im Hotel Vier Jahreszeiten in Binz. Das Restaurant des Sternekochs Ralf Haug bietet lässige und feine Menüs aus regionalen und besten Zutaten und sorgt damit für einen feinen kulinarischen Abschluss des Tages. Wenn er natürlich auch etwas mehr kostet als das Fischbrötchen von heute Mittag.

Tag 2

Mit dem „Rasenden Roland“ von Binz zur Seebrücke Sellin

Zugegeben, sein Name hält nicht so recht, was er verspricht: Der „Rasende Roland“ tuckert mit gerade mal 30 Kilometer pro Stunde dahin und braucht für die 24,2 Kilometer lange Strecke von Putbus über Binz bis nach Göhren rund 80 Minuten. Dafür pfeift und dampft er ganz ordentlich. Mit der nostalgischen Dampflokomotive und seinen restaurierten historischen Waggons ist der Zug das ideale Vehikel fürs Seebad-Hopping. Sie können mit einer Tageskarte jederzeit einen Zwischenstopp einlegen und wieder zusteigen.

Am besten starten Sie in Binz und machen dann Station in Sellin, dem zweitgrößten Seebad der Insel. Der „Rasende Roland“ hält in der Nähe des Selliner Sees. Ihr Ziel, die Seebrücke, befindet sich jedoch am Nordstrand. Daher gehen Sie vorbei am Schwimmbad, immer die Seeparkpromenade entlang bis zur Wilhelmstraße. Sie führt leicht bergauf und wird gesäumt von weißen Villen der Bäderarchitektur. Vom Hochufer haben Sie dann den besten Blick auf die Seebrücke, die stolze 395 Meter misst. Am Kopf der Brücke befindet sich eine Tauchgondel, mit der Sie einen kurzen Ausflug zum Meeresboden der Ostsee unternehmen können – ohne dabei nass zu werden.

Und auch wenn es so aussieht, als wäre die Seebrücke schon immer da gewesen, wurde sie 1998 neu errichtet. Möglich gemacht hat das der Selliner Fotograf Hans Knospe, dessen historische Fotos die Grundlage für den Wiederaufbau lieferten. Knospe konnte im Alter von 99 Jahren noch an der feierlichen Wiedereröffnung teilnehmen. Seine Familie betreibt bis heute das „Photohaus Knospe“ in der Selliner Wilhelmstraße.


Radtour auf Ummanz

Die meisten Rügen-Urlauber:innen lassen die westliche Nachbarinsel Ummanz links liegen, doch das ist ein Fehler. Das stille Eiland, das 1901 durch eine Brücke mit Rügen verbunden wurde, zählt zu den am dünnsten besiedelten Regionen Norddeutschlands und hat nur um die 240 Einwohner. Ein paar Bauernhöfe, Wiesen, Felder, Deiche und ein wenig Mischwald sowie Vogelschutzgebiete – das ist Ummanz. Dazu kommen noch Haflinger und Schafe, die hier scheinbar überall grasen. Mit anderen Worten: Ummanz ist spektakulär unspektakulär.

Die fast 20 Quadratkilometer große Insel liegt mitten im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, ist platt wie eine Flunder und daher bestens geeignet für eine Radtour. Startpunkt der etwa 18 Kilometer langen Tour rund um die Insel ist der Ort Waase. Am besten fahren Sie aber nicht gleich los, sondern schauen sich erst mal um: Der kleine Leuchtturm bei der Brücke ist das Wahrzeichen des Eilands. Er gehört zusammen mit den Fischerbooten auf dem Bodden zu den beliebtesten Fotomotiven. Und falls Sie sich über Flora und Fauna der Insel informieren wollen, gehen Sie noch flugs in die Ausstellung in die Alte Küsterei, wo sich auch die Touristeninformation befindet.

Die St.-Marien-Kirche von Waase beherbergt einen wahren Schatz: einen spätgotischen Schnitzaltar von 1508. Eigentlich sollte dieses Antwerpener Retabel die St.-Nikolai-Kirche in Stralsund schmücken, doch im 18. Jahrhundert verkauften ihn Stralsunder Kaufleute an die Kirche in Waase, weil er ihnen nicht mehr gefiel – und seitdem steht der Altar hier.

In Waase radeln Sie an der Haflingerzucht Ummanz vorbei. Neben Kutschfahrten und Reitausflügen bietet dieser Hof auch Produkte aus Stutenmilch an. Die Pferde des Hofs gehören zum Eiland wie die Kraniche, die im Herbst zu Tausenden einfliegen. Sie kommen dann aus Skandinavien, bleiben für ein paar Wochen, bevor sie gen Süden weiterziehen. Die Haflinger sind dagegen das ganze Jahr über da.

Nach gut 850 Metern biegen Sie von der Neuen Straße in Waase in einen kleinen Weg ab, der Sie nach Tankow führt. In dem etwa 3,5 Kilometer entfernten und abgelegenen Ort befindet sich eine hölzerne Vogelbeobachtungsstation, ein Hotspot für Ornithologen. Es empfiehlt sich also, ein Fernglas dabeizuhaben, sonst können Sie nicht erkennen, wer da so alles einfliegt in die saftigen Salzwiesen und in die Udarser Wiek, die Bucht zwischen Ummanz und Rügen.

Von Tankow aus folgen Sie dem Plattenweg Richtung Haide. Radeln Sie auf den Deich entlang, und genießen Sie die tolle Sicht auf die Insel Hiddensee. Bald kommen Sie zum UMMAII Surfhostel mit seiner TikiBar – dort gibt es leckere Pizzen aus dem Steinofen. In der Saison hat die Bar täglich von 13 bis 21 Uhr geöffnet. Falls Sie am Abend kommen wollen, unbedingt eine Pizza vorbestellen und einen Tisch reservieren, denn die TikiBar ist im Sommer der beste Ort, um bei einem Cocktail zuzuschauen, wie die Sonne bei Hiddensee im Meer versinkt.

Ummanz ist übrigens eine gute Adresse zum Surfen und Kiten. Bei Suhrendorf liegt Deutschlands größtes Stehrevier – das bedeutet: Das Wasser zwischen hier und Hiddensee ist nur knietief, was vor allem Anfänger sehr freut. Auch das Stand-up-Paddling macht im seichten Wasser gute Laune.

Falls Sie aber nicht auf ein Brett, sondern auf Ihrem Fahrrad bleiben wollen, folgen Sie weiter dem Hauptweg und fahren über Suhrendorf und die Dorfstraße entlang bis zur ältesten Siedlung der Insel: Freesenort. Sie liegt am südwestlichen Zipfel von Ummanz und ist nur über eine Stichstraße zu erreichen.

Dort erwarten Sie genau vier denkmalgeschützte Häuser auf einer Wiese. Das schönste ist das niederdeutsche Hallenhaus mit Zuckerhutdach, die sogenannte Haasenburg. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist an seinen vier gleich langen Dachseiten gut zu erkennen. Sein Name geht auf die ehemalige Be-sitzerfamilie Haase zurück. Gut zu sehen ist von Freesenort zudem die unter Naturschutz stehende Insel Heuwiese.

Zurück über die Stichstraße geht es wieder auf die Dorfstraße und weiter in Richtung Wusse. Bevor Sie nach gut zwei Stunden Inselradtour zurück in Waase angekommen sind, kehren Sie hier noch einmal ein. Und zwar ins Café Zuckerkuss, ein charmantes Gartencafé in der Dorfstraße 11. Es bietet bis 17 Uhr nicht nur eine einmalige Sicht auf die Hansestadt Stralsund, sondern auch hausgemachte Torten. Besonders zu empfehlen ist die Mohn-Topfen-Himbeer-Torte oder die Stachelbeer-Baiser-Torte. Einmal im Monat findet im Gartencafé auch ein Konzert statt.

Extratipp für den Rückweg: Schauen Sie noch in der 1ste Edeldestillerie vorbei! Die liegt etwas versteckt auf der Halbinsel Lieschow. Maren und Rainer Hessenius brennen hier biozertifizierte Obstbrände vom Feinsten…

 

Nützliche Links fürs nachhaltige Reisen auf Rügen:

• Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen, alle Buslinien auf einen Blick: https://www.vvr-bus.de/vvr/
• Kostenloser Inselbus, der die Ostseebäder Baabe, Göhren, Sellin und Mönchgut verbindet: https://www.ruegen.de/service/bus-frei
• Rügensche BäderBahn „Rasender Roland“: http://ruegensche-baederbahn.de/fahrplaene.html
• RADzfatz-Busse mit Fahrradanhänger: https://www.vvr-bus.de/bediengebiete/ruegen/ruegen-erleben/radzfatz/
• Bernstein Ticket, das Tagesticket für die Insel: https://www.bernsteinticket.com/
• Allgemeine Tipps für einen nachhaltigen Urlaub: https://www.ruegen.de/nachhaltig

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