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Thomas Eisenhuth / imago images

Deutschland-Atlas | Folge 3: Thüringer Wald

„Wo finden Sie auf einem so engen Fleck noch so viel Gutes?", fragte Goethe nach einem Besuch. Wir verraten Ihnen, was es im Thüringer Wald an "Gutem" zu entdecken gibt

„Über allen Gipfeln ist Ruh“, heißt es in einem von Goethes bekanntesten Gedichten, entstanden in der Dämmerung eines Abends im Spätsommer 1780. Wo er das schrieb? Auf dem Kickelhahn bei Ilmenau. Na gut, inzwischen ist meist mehr los im Thüringer Wald, und an den bekannten Spots ist es selten ruhig. Aber die Naturpanoramen dieser Landschaft können einen auch heute noch andächtig stimmen: Sanfte Hügelketten wechseln sich mit dramatischen Felsformationen und lichten Gipfel-Panoramen ab. Man fährt tief hinab in Bergwerksstollen oder hoch hinauf auf die Wartburg bei Eisenach – für Abwechslung ist in allen Lagen gesorgt. Bei der Orientierung helfen gern die Einheimischen, deren weicher Dialekt so freundlich klingt – auch wenn man als Auswärtiger manchmal nachfragen muss. Aber keine Angst, das kennen sie schon.

picture alliance / dpa

Sie haben …

2 Stunden

Sie sind auf der Durchreise und haben nur für einen Aufenthalt im Thüringer Wald nur wenig Zeit? Wie schade! Aber Muße für eine fein gewürzte Thüringer Rostbratwurst ist immer: Kümmel darf hinein, muss aber nicht, jedoch unterscheidet der typische Majoranduft die „Roster“ von gewöhnlichen Bratwürsten. Immer noch Hunger? Dann lassen Sie sich auf thüringische Hausmannskost ein: Bratengerichte mit viel Soße und natürlich mit einer der zahlreichen Kloßvariationen. Vegetarier freuen sich auf den würzig-kümmeligen Altenburger Ziegenkäse, der mit sauren Gurken oder roter Bete auf Brot gegessen wird. Allergiker, bitte aufpassen: Trotz seines Namens wird der Käse zu etwa 80 Prozent aus Kuhmilch hergestellt! Wer auf Süßes steht oder ein Souvenir sucht, probiert das bekannte Viba-Nougat aus Schmalkalden (kann man auch hier bestellen) oder die klassisch-klebrigen Gelee-Bananen aus Pößneck (zum Bestellen hier entlang).

 

Sie haben …
2 Tage

Tag 1

Eisenach im Norden des Thüringer Walds ist Ihr Ausgangspunkt. Starten Sie früh am Morgen zu Fuß oder mit dem Bus vom Hauptbahnhof hinauf zur Wartburg. Oder haben Sie Lust auf Luxus? Auf der Wartburg selbst gibt es ein wundervolles Hotel. Wer sich eine Nacht dort gönnt, schläft inmitten eines UNESCO-Weltkulturerbes. Hier übersetzte Martin Luther 1521 das Neue Testament ins Deutsche, seine karge Wohn- und Arbeitsstube ist zu besichtigen. Der sagenhafte Wandfleck, der entstanden sein soll, als Luther sein Tintenfass nach dem Teufel warf, ist nicht mehr zu sehen: Viele Jahre wurde er immer wieder nachgefärbt, nun ist er nach einem halben Jahrtausend eben doch verschwunden. Dafür kann man im Museumsshop einen Magneten in Tintenklecksform kaufen – Luthergedenken für jeden Tag.

Gegen Mittag geht es hinunter in die Altstadt, vorbei an Nikolaikirche und Karlsplatz, an Bach- und Lutherhaus, auf eine schnelle Thüringer Bratwurst mit Brot. Damit sind Sie gestärkt für den Nachmittagsausflug in die Drachenschlucht. In den Thüringer Wald fährt man schließlich zum Wandern! Planen Sie mindestens drei Stunden ein und tragen Sie feste Schuhe. Die Felsschlucht verengt sich auf einigen Abschnitten bis auf 70 Zentimeter Breite, meterhoch ragen die moosigen Felswände empor. Nach etwa der Hälfte der Strecke wird es wieder lichter, über den Höhenrücken erreichen Sie den Kleinen Drachenstein mit einem Aussichtspunkt zur Wartburg; zurück geht es durch die Landgrafenschlucht.

Nach so viel Aktivität soll der Abend etwas ruhiger verlaufen? Fahren Sie weiter ins rund 30 Kilometer entfernte Bad Liebenstein, Thüringens ältestes Heilbad. Hier erwartet Sie im Kurhaus das „BaLi Spa und Schwimmbad“ – Balsam für die müden Beine.


Tag 2

Am Morgen geht es weiter hinauf auf den Rennsteig, den berühmten Kammweg des Thüringer Waldes. Der erste Halt ist Brotterode-Trusetal. Die ehemalige Bergbaugemeinde ist heute ganz auf Besucher eingestellt: Es gibt einen künstlich angelegten Wasserfall, einen Funpark mit Sommerrodelbahn und Hochseilgarten sowie am Ortsrand von Trusetal das Besucherbergwerg Hühn. Hier wurden noch bis 1990 in bis zu 500 Metern Tiefe lagernden Industrierohstoffe wie Schwer- und Flussspat abgebaut. Heute sind die unterirdischen Anlagen und das technische Gerät des Bergwerks auf etwa einstündigen Führungen zu besichtigen. Teile der Strecke werden in der Grubenbahn absolviert, dem „Hühn-Express“.

Nun aber zurück ans Licht! Bei sommerlicher Hitze und Lust auf eine Abkühlung lohnt sich ein Abstecher zum Bergsee Ebertswiese in Floh-Seligenthal. Hier lief beim Gesteinsabbau eine ehemalige Grube voll Wasser, so entstand ein auf drei Seiten von bis zu 30 Meter hohen Felsen umgebener See mit einer Fläche von etwa 3000 Quadratmetern. Aber Vorsicht – wie es sich für einen Bergsee gehört, ist das Wasser sehr kalt!

Weiter geht’s – mit oder ohne Badestopp – in die zauberhafte Fachwerkstadt Schmalkalden. Rund um den Altmarkt stehen Bauten aus dem 15. bis 18. Jahrhundert mit gotischen Treppengiebeln und den typischen steilen Dächern. Bekannt sind vor allem die Stadtkirche St. Georg und das Lutherhaus. Man könnte stundenlang durch die Stadt flanieren, es lohnt aber auch die 30 Kilometer weite Fahrt quer durch den Wald nach Oberhof, das Zentrum des Wintersports im Thüringer Wald mit seinen attraktiven Pisten, Loipen und Rodelbahnen. Und im Sommer? Besuchen Sie die Skisport-Halle Oberhof – hier herrschen das ganze Jahr über minus drei Grad Celsius und es liegt feinster Schnee, so dass auf einer Gesamtlauflänge von fast 1800 Metern und einer Höhendifferenz von 13,75 Meter Langlauftraining möglich ist. Sogar Biathlon als Breitensport ist im Angebot, mit echten Gewehren oder mit Lasern. Verrückt? Vielleicht. Ungewöhnlich? Ganz bestimmt!

picture alliance / dpa

Die besten Selfie-Spots

  • Zugbrücke vor der Wartburg
  • Burgruine Metilstein mit Blick zur Wartburg
  • Engstelle der Drachenschlucht
  • Glöcknerfelsen bei Ruhla
  • Trusetaler Wasserfall
  • Spitterfall
  • Felsgruppe Zwölf Apostel (bei Oberschönau)
  • Ruppberg Zella-Mehlis
  • Schanzenanlage im Kanzlersgrund
  • Pfanntalsteich bei Oberhof
  • Schlossberg Stützerbach
  • Adlersberg Aussichtsturm bei Suhl

Nicht verpassen

Eine der letzten Überlandstraßenbahnen Deutschlands ist die Thüringerwaldbahn. Sie ist seit 1929 in Betrieb und verkehrt heute als reguläre Linie 4 zwischen Gotha und Tabarz. Für die 22 Kilometer lange, kurvenreiche und nach Tabarz hin idyllische Strecke durch den Thüringer Wald braucht die Straßenbahn eine knappe Stunde. Bequem und günstig schaukelt man damit zu Sehenswürdigkeiten wie der historischen Galopprennbahn Boxberg oder dem Schaubergwerk Marienglashöhe bei Friedrichsroda. Aussteigen, gucken und mit der nächsten Bahn weiterfahren. Oder der übernächsten: Die Linie 4 verkehrt alle 40 Minuten.

 

Zur Einstimmung

Filme

„Sushi in Suhl“ (2012)

Ein Film nach wahren Begebenheiten: 1966 gründete der Koch Rolf Anschütz in Suhl das erste und für 15 Jahre einzige japanische Restaurant in der DDR. Die schier unglaubliche Erfolgsgeschichte eines visionären Gastronomen, mit Uwe Steimle und Julia Richter als Rolf und Ingrid Anschütz. Gedreht wurde u. a. in Suhl, Schmalkalden, Erfurt und Tabarz.


„Luther“ (2003)

Historiendrama über das Leben Martin Luthers (gespielt von Joseph Fiennes), der sich vom jungen Mönch zum Reformator entwickelt. Die Kulissen für den Kostümfilm fand man u. a. im thüringisch-fränkischen Rodachtal zwischen Heldburger und Coburger Land. Ein Tipp: Vor Ort lassen sich die Schauplätze in Heldburg, Ummerstadt, Seßlach, Ahorn und Coburg auf einer Radtour entdecken.

Bücher

„Isegrim“ von Antje Babendererde (2013)

In diesem spannenden Jugendbuch geht es um ein ungesühntes Verbrechen und ein düsteres Geheimnis: Jola ahnt nicht, dass die Veränderungen, die sie in ihrem geliebten Thüringer Wald bemerkt, nur den Anfang des großen Abenteuers markieren…


„Eisige Weihnachten“ von Ella Danz (2019)

Schauplatz dieses Krimis ist eine Bergvilla im verschneiten Thüringer Wald. Eine chaotische Großfamilie will gemeinsam Weihnachten feiern, doch das gebuchte Hotel ist geschlossen. Es entspannt sich eine turbulente, unterhaltsame Geschichte voller ironischer Spitzen.


„Die Glasbläserin“ von Petra Durst-Brenning (2002)

Dieser historische Roman ist der erste Band einer dreiteiligen Reihe: Lauscha im Thüringer Wald, um 1890. Nach dem Tod des Vaters entscheiden die jungen Steinmann-Schwestern, die Glasbläserei der Familie allein weiterzuführen. Ein Skandal! Die jungen Frauen müssen sich gegen allerlei Widerstände behaupten. 2016 für das ZDF verfilmt mit Luise Heyer und Maria Ehrich in den Hauptrollen.


„Über allen Gipfeln ist Ruh. Literarische Streifzüge durch Thüringen“, herausgegeben von Klaus Steinhaußen (1990, nur antiquarisch zu bekommen)

Johann Wolfgang von Goethe – ein Vandale? Nun, streng genommen schon: Schrieb er doch, ergriffen von der Abendstimmung, im Jägerhäuschen auf dem Kickelhahn (bei Ilmenau) eines seiner berühmtesten Gedichte einfach an die Wand! Sie wissen schon, das von der Ruhe über den Gipfeln. Der Band versammelt dieses und andere literarische Fundstücke aus und über Thüringen.

Souvenirs aus dem Thüringer Wald, mit denen Sie sich nicht blamieren

  • Für Grill und Pfanne daheim: die echten Thüringer Bratwürste, zum Beispiel von der Landfleischerei Lindner in Krölpa (zwischen Pößneck und Saalfeld).
  • Dazu passt Thüringer Bier, etwa von der Rosenbrauerei Pößneck oder von Ankerla in Steinach.
  • Martin Luther und Johann Wolfgang von Goethe mit Federkiel sowie dem Neuen Testament bzw. dem „Faust“ in den Händen, Johann Sebastian Bach mit Geige und Notenständer: Die 7,5 cm hohen Sonderfiguren von Playmobil sind in (fast) allen Souvenirshops der Region erhältlich.
  • Nougat von Viba aus Schmalkalden und Gelee-Bananen von Heinerle-Berggold aus Pößneck.
  • Handgefertigte Teddybären der Familie Martin aus Sonneberg. Wer die Martin-Bären direkt dort kauft, besucht am besten auch das Teddybären-Museum in Sonnenbergs Fußgängerzone (Bahnhofstraße 29) oder gleich das Deutsche Spielzeugmuseum in der Beethovenstraße 10.
  • Glaswaren aus dem Thüringer Wald sind weltbekannt. In alter Handwerkstradition hergestellt, werden sie unter anderem in der Farbglashütte Lauscha.
  • In Rudolstadt haben sich 2007 fünf Traditionsunternehmen unter der Dachmarke „die Porzellanmanufakturen“ zusammengeschlossen. Hier werden in reiner Handarbeit u. a. Figuren und Geschirr gefertigt. Werksführungen und -verkauf finden montags bis samstags statt.

Weitere Produkte aus dem Thüringer Wald finden Sie hier

Ute Mans / plainpicture

Beste Reisezeit

Zum Wintersport oder zum Wandern nach Thüringen? Beides passt, denn der Thüringer Wald bietet das ganze Jahr über großartige Freizeit- und Sportmöglichkeiten. Der etwa 170 Kilometer lange Kammweg Rennsteig ist nur einer von Hunderten Wanderwegen in allen Schwierigkeitsgraden. Radfahrern stehen eine eigene Rennsteig-Strecke und die vielen für den Autoverkehr gesperrten Wirtschaftswege zur Verfügung. Regenwetter macht gar nichts, denn dann laden die Weltkulturerbe-Stätte Wartburg bei Eisenach und zahlreiche Museen zum Besuch ein. Bekannt ist der Thüringer Wald für seine großartigen Wintersportmöglichkeiten zum Beispiel in Oberhof, Steinach und am Inselberg. Es gibt Ski- und Rodelpisten, Loipen, Winterwanderwege, Bob-Bahnen und sogar Husky-Schlittenfahrten.

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Veranstaltungen

Winterlicher Höhepunkt des Veranstaltungskalenders ist Anfang Februar das Hundeschlittenrennen „Trans Thüringia“ entlang des Rennsteigs. Mehr als 500 Schlittenhunde gehen in Neustadt am Rennsteig in Gespannen mit bis zu sieben Tieren auf die etwa 130 Kilometer lange Strecke. Ebenfalls im Februar beginnt der Karneval, der in Wasungen traditionell am Karnevalssamstag mit einem großen Umzug gefeiert wird.

Mitten in die Fastenzeit, jeweils drei Wochen vor Ostern, fällt der Eisenacher „Sommergewinn“, eines von Deutschlands größten Frühlingsfesten. Während der Sommermonate folgen zahlreiche Festivals und Stadtfeste wie das „Schmalkalder Hirschessen“ am letzten Augustwochenende und das Treffen der Schmiede „Gotha glüht“ am letzten Wochenende im September.

Zum historischen Weihnachtsmarkt trifft man sich auf der Wartburg. Wer zum Jahreswechsel im Thüringer Wald ist, sollte in einem der Besucherbergwerke einen Platz in einer „Mettenschicht“ buchen, der letzten Schicht des Jahres, zum Beispiel in den Bergwerken Hühn oder Finstertal. Für diesen Anlass sparten Bergleute früher das ganze Jahr über jede Woche einen kleinen Betrag, um ihn am Jahresende zünftig auf den Kopf zu hauen.


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