Hamburg

Klar, Hamburg ist keine Unbekannte als Reiseziel. Trotzdem gibt es in der Hansestadt abseits der Touristen-­Hotspots noch jede Menge „Hidden Gems“ zu entdecken, die nicht in klassischen Reiseführern aufgelistet sind. Wir zeigen Ihnen, welche das sind.

Einführung

Sie haben nur zwei Stunden

Ein Wochenende in Hamburg

Tag 1

Da wir zwei Tage Zeit haben, teilen wir das Wochenende ein: in einen traditionelleren Hamburg“-Tag mit Hafen, Fischbrötchen und Schifffahrt sowie in einen „Das andere Hamburg“-Tag mit einem Sprung auf die südliche Elbseite, Kunst im Bunker und einem Abendessen in den Wolken.

Los geht es am Morgen von Tag eins erst einmal mit einem Frühstück in der Sternschanze. Das einst alternative Viertel rund um das autonome Zentrum „Rote Flora“ war Schauplatz der G20-Unruhen von 2017 und ist immer noch der Mittelpunkt einer sagenhaft beschleunigten Gentrifizierung. Die sorgt immerhin für ein paar gute Cafés, in denen es sich zu frühstücken lohnt – zum Beispiel bei „Mamalicious“, wo die Wünsche der Kundschaft anscheinend verstanden werden und ganztägig Frühstück angeboten wird. Als Vorbild dienen nordamerikanische Diners, und so gibt es dort Eggs Benedict, Pancakes, Burger, Sandwiches und American Cheesecake (das meiste außerdem vegan erhältlich), auch als veritables Kateressen für diejenigen, deren Nacht erst am Nachmittag endete. Gediegener geht es im Café „Unter den Linden“ zu, wo man bei gutem Wetter das französische Frühstück tatsächlich unter üppig grünen Bäumen genießen kann.

Es lohnt sich, jetzt ein Fahrrad zu leihen. Das geht besonders einfach mit der App von StadtRAD Hamburg, die mit mehr als 3.000 Rädern an 250 Stationen kurze Wege zwischen den Leihstationen ermöglicht. Und das kommt wiederum dem Geldbeutel zugute, denn die ersten 30 Minuten jeder Fahrt sind kostenlos. Richtung Pferdemarkt geht es die Wohlwillstraße Richtung St. Pauli entlang. Hier befindet sich die „Kleine Pause“, der Konsens-Pommesladen aller Hamburger:innen, mit ausreichend Remoulade und Röstzwiebeln für den großen Salzhunger. Wir überqueren die Reeperbahn und orientieren uns in Richtung Fischmarkt, wo wir das Fahrrad schon wieder abstellen können. Wer der Großen Elbstraße jetzt zum Altonaer Fischmarkt folgt, wird Fischrestaurants mit Elbblick finden, beispielweise „Hummer Pedersen“.

Wer zum Anleger am Fischmarkt spaziert, kann mit der Linie 62 der HADAG-Fähre die wahrscheinlich günstigste Hafenrundfahrt Hamburgs machen, zumindest zwischen Finkenwerder und den Landungsbrücken. An Bord am besten gleich nach oben orientieren, die Plätze auf dem Sonnendeck sind schnell vergeben. Als dritte Option bietet sich ein Spaziergang entlang der Elbpromenade in Richtung Elbphilharmonie an. Vom Fischmarkt aus passiert man das U-Bootmuseum. Der schnöde Name wird dem knapp 100 Meter langen russischen U-Boot U-434, in das man bei einer Führung hinabsteigen kann, nicht gerecht. Links, etwas erhöht, sind zwei metallene Palmen zu sehen. Das ist der „Park Fiction“, ein gesellschaftspolitisches Kunstprojekt, das auf Grünflächen und Bänken Raum zum Verweilen bietet und tatsächlich die einzige öffentliche Grünfläche des Bezirks St. Pauli ist.

Weiter geht es am Alten Elbtunnel vorbei, in den man mit großen Fahrstühlen hinabfahren kann. Unten angekommen zeigt sich die schmale Tunnelstraße, die darauf hinweist, dass der 1911 eröffnete Tunnel noch für Pferdefuhrwerke konzipiert wurde. Auf der anderen Seite der Elbe hat man dann einen tollen Blick auf die Hamburger Skyline. Wieder an den Landungsbrücken führt der Weg weiter entlang der Fischbuden und Souvenirläden, vorbei am Museumsschiff Rickmer Rickmers bis zum historischen Frachter Cap San Diego, den man vom Deck bis zur Schiffspropellerwelle besichtigen kann (täglich von 10 bis 18 Uhr). Und das Beste an dem einst nach Südamerika entsandten Frachter aus den 1960er-Jahren ist, dass er noch fahrtüchtig ist. Mehrmals im Jahr legt er mit bis zu 500 Passagier:innen zu Museumsfahrten ab.

Weiter geht es in Richtung Speicherstadt. Wahrlich keine Geheimtipps mehr sind die Elbphilharmonie und das Miniatur Wunderland. Darum empfiehlt es sich, vorab Tickets zu buchen. Im Miniatur Wunderland, der größten Miniatureisenbahnanlage der Welt, geht es weniger um die Züge als um die ringsherum aufgebauten Themenwelten, in denen allerhand witzige Details und interaktive Knöpfe zu finden sind. Zuletzt wurde Ende 2021 der Abschnitt Rio fertiggestellt, mit Szenen aus den Favelas und vom Karneval.

Wer nicht drinnen hocken will, kann stattdessen an den Landungsbrücken eine Hafenrundfahrt buchen. Mit der Barkasse geht es durch den Containerhafen: Neben den Containerriesen fühlt man sich sehr klein. Sollte es schon spät geworden sein, gibt es nach Sonnenuntergang auch Lichterfahrten durch die Speicherstadt.

Zum Abendessen kann man gleich in der HafenCity bleiben und sich auf gehobene Küche freuen. „The Table“ von Chefkoch Kevin Fehling hat das Konzept eines einzigen geschwungenen Tisches in einem offen gestalteten Raum, an dem man zu zweit oder zu viert ungestört essen kann. Seine Drei-Sterne-Gerichte bestechen durch aromatische Präzision, und der Umgangston ist locker.

Einen Stern kann das „bianc“ vorweisen, unter der Leitung des gebürtigen Apuliers Matteo Ferrantino. Bei den mehr als üppigen Acht-Gänge-Menüs springen einen die Aromen des Mittelmeers geradezu an. Und neben dem von der Algarve eingeflogenen Seafood gibt es auch mal einen Teller ehrliche Ravioli mit Parmesancreme, fein gehobeltem Trüffel und Pancetta-Würfelchen.


Tag 2

Hier müssen wir einen kleinen Einschub machen: Wer die Nacht durchgefeiert hat oder einfach gerne früh aufsteht, kann sich auf den Weg zum Hamburger Fischmarkt machen, um das letzte Fischbrötchen der Nacht oder den ersten Kaffee des Morgens abzugreifen. Jeden Sonntag von 5 bis 9.30 Uhr steht hier beispielsweise das Hamburger Original Aale-Dieter und ruft die Auktionspreise des jüngsten Fangs über den Platz vor der Flutschutzmauer an der Großen Elbstraße.

Für alle anderen beginnt der Tag auf der Südseite der Elbe in der Ballinstadt. Hier befindet sich das beeindruckende Auswanderermuseum, das einen Einblick in einen selten angesprochenen Teil der deutschen Geschichte gibt: die Auswanderungswellen von 1850 bis 1934 in die „neue Welt“, die USA. Mit Fotos und nacherzählten persönlichen Geschichten von Auswanderinnen und Auswanderern schafft es das Museum, sein Publikum ganz nah an eine Zeit heranzuführen, in der die Chance auf ein gutes Leben für viele gering war und die Sehnsucht nach einem gelobten Land groß. Lohnenswert, vor allem auch vor dem Hintergrund der jüngsten Einwanderungsgeschichte nach Deutschland.

Und wenn wir schon einmal auf der Südseite sind, geht es jetzt auf einen Kaffee ins „vju“, das Panoramacafé auf dem Dach des Wilhelmsburger Energiebunkers. Der ehemalige Flakbunker wurde im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg in ein Kraftwerk umgebaut. Neben dieser für das Quartier phänomenalen Umnutzung, die man sich bei einer Führung erläutern lassen kann, bietet die Aussichtsterrasse auf 30 Meter Höhe auch ein eindrucksvolles Panorama der Hansestadt. Frühstücken kann man hier außerdem. Wer das lieber in Bodennähe tut, wird in der „Kaffeeklappe“ in der Fährstraße glücklich. Hier haben früher die Hafenarbeiter:innen angestanden, um für wenig Geld verpflegt zu werden und nicht mehr auf Almosen angewiesen zu sein. Später sind aus diesem Konzept die Mensen entstanden. Heute ist die „Kaffeeklappe“ historischer Ort und modernes Café im Shabby-Chic zugleich. Das Tolle: Man kann von der Karte alles ordern und wird nicht enttäuscht.

Jetzt fahren wir mit S- und U-Bahn zurück zum Nordufer der Elbe, genauer gesagt zur Feldstraße. Und wieder geht es in einen ehemaligen Flak- und Luftschutzbunker, von denen es gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 1.000 in der Hansestadt gab. Hier an der Feldstraße hat das Musikkollektiv „Ensemble Resonanz“ hinter schwerem Beton einen Probe- und Konzertraum geschaffen, der eine unglaubliche Nähe von Musiker:innen und Publikum erlaubt. Häufig sitzen Besucher:innen hier auch auf dem Boden. Der Raum hat einige wenige moderne Design-Merkmale wie die großen Kreisleuchten an der Decke und ist ansonsten angenehm unausgestattet. Wer klassische Musik erleben will, pur und abseits der etablierten Elbphilharmonie, ist hier richtig.

Auf dem angrenzenden Heiligengeistfeld lässt sich – sofern nicht gerade die große Kirmes, der „Dom“, stattfindet – herrlich Fahrrad fahren, rollerbladen, Tennis spielen oder Drachen steigen. Oder man nimmt sich einfach ein Getränk mit und schaut den anderen dabei zu. So viel Platz werden Sie in einer Großstadt nie wieder bekommen (Berlin hört an dieser Stelle bitte kurz weg!).

Am Abend kommt es sehr darauf an, zu welcher Jahreszeit Sie in Hamburg sind. Im Sommer kann man in der Grünanlage Planten un Blomen ein ungewöhnliches Schauspiel erleben: Zwischen Mai und Oktober werden täglich um 22 Uhr die Wasserlichtkonzerte am Parksee aufgeführt. Das ist Musik vom Band, zu der beleuchtete Wasserfontänen tanzen. Die Wasserlichtorgel in ihrer jetzigen Form existiert seit 1972, weshalb in jeder zweiten Hamburger Familie mindestens eine Person davon erzählen kann, wie er oder sie schon einmal dort war. Mit einer Picknickdecke und den passenden Getränken ausgestattet finden Sie bei diesem Spektakel im wunderbar grünen Planten un Blomen die passende Kulisse, um einen Sommerabend romantisch ausklingen zu lassen.

Es geht aber auch trubeliger: Im Sommer findet immer mittwochs der Nachtmarkt auf St. Pauli statt. Von 16 bis 23 Uhr stehen dann auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn diverse Markt- und Gastrobuden, an denen man ganz sicher mit echten Hamburger:innen und solchen, die sich nach ein paar Astra dafür halten, ins Gespräch kommt. Das winterliche Pendant dazu ist übrigens „Santa Pauli“, der am selben Ort stattfindet und den Untertitel „Hamburgs geilster Weihnachtsmarkt“ trägt.

Zum Schluss gibt es noch einmal das vielleicht schönste Panorama der Stadt: ein Abendessen im „clouds“ in den „Tanzenden Türmen“ an der Reeperbahn – ein besonderes Erlebnis in 105 Meter Höhe über der Elbe, sowohl atmosphärisch als auch kulinarisch. Serviert wird gehobene Küche mit dem Schwerpunkt Fleisch, aber auch Gerichte wie Flammkuchen oder Bauernbrot mit Avocadocreme. Um einen Tisch am Fenster zu bekommen, empfiehlt sich eine Reservierung. Es gibt aber auch eine Bar mit einem 15 Meter langen Eichenholztresen, von dem aus man Barkeeper:innen und Hafen beobachten kann.

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Hamburg Hbf

FOTOS

Rathaus: Getty Images/bluejayphoto
Planten Un Blomen: Adobe Stock / Annette Hanl
Speicherstadt: Adobe Stock / Daniel Fröhlich
Boberger Dünen: Imago Images / Westend61
Landungsbrücken: Adobe Stock / powell83
Park Fiction: Adobe Stock / Markus
Franzbrötchen: Getty Images / urbazon
Dockville Festival: Lennard-Schmitt

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