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Reine Luft?

Die DB erforscht gemeinsam mit der Charité, wie hoch das Corona-Infektionsrisiko in Zügen ist. Unser Reporter war bei der zweiten Phase der Studie dabei.

Von:
Lesezeit: 5 Minuten
Testcenster
Florian Thoss
Testcenter auf Zeit: Für einige Tage wurden die Büroräume der DB in Hamburg-Altona zu Stationen für Rachenabstriche und Blutabnahmen

Kommen Sie ruhig herein“, sagt Tobias Körner, als eine DB-Kollegin in Dienstuniform am Eingang stehen bleibt. „Sie sind Frau …?“ – „Viktoria Schneider“, sagt die junge Dame und stellt ihre Handtasche ab. Es ist 11.22 Uhr an einem Mittwoch im Oktober. Auf dem Dienstplan von Frau Schneider, 33, steht heute die Strecke Hamburg–Frankfurt am Main, auf der sie als Stewardess im ICE-Bordrestaurant arbeiten wird. Doch vorher möchte sie sich testen lassen. Sie will wissen, was viele Menschen in diesen Tagen umtreibt: Bin ich frei vom Coronavirus?

Die Elmshornerin ist nicht die Einzige, die sich für den freiwilligen Corona-Test der Deutschen Bahn im Dienstgebäude in Hamburg-Altona angemeldet hat. Mit ihr werden weitere 70 DB-Mitarbeitende ihre Blut- und Speichelprobe abgeben, insgesamt sind es bundesweit an diesem Tag Hunderte. „Manche machen das schon zum zweiten Mal“, sagt Körner, der die Untersuchungen der DB zusammen mit der Forschungsorganisation der Berliner Charité koordiniert. „Wir haben uns zu Beginn der ersten Welle im Frühjahr gefragt, wie sicher Bahnfahren ist und ob wir Mitarbeitende und Fahrgäste noch besser schützen müssen.“

Das war im März. Viktoria Schneider arbeitete auch damals im Bordrestaurant mit viel Kundenkontakt. „Die Eltern haben mich öfter gefragt: ‚Ist das nicht gefährlich im Zug?‘“, sagt sie. „Man konnte das ja nicht einschätzen.“
So wie Schneider tappte auch die Wissenschaft noch weitgehend im Dunkeln. Wie überträgt sich das Virus und unter welchen Bedingungen? Bei der Infektionsgefahr im Zug stand die Forschung noch am Anfang. „Wir entschieden uns deshalb, mit der Charité herauszufinden, ob es in Zügen ein Infektionsgeschehen gibt, von dem wir nichts wissen, und ob wir das richtig einschätzen“, sagt Körner von der DB.

Der Konzernvorstand warb in einem Video bei den Mitarbeitenden für die frei-
willige Testung. Viktoria Schneider gehörte zu denen, die sich damals anmeldeten. Im Juni startete die erste von drei Testreihen in vier deutschen Städten. Bei der Auswahl konzentrierte man sich nicht nur auf Personen mit viel Kundenkontakt, wie Körner erläutert. „Um eine gute Vergleichsbasis zu haben, wurden auch die Gruppen der Lokführer und der Werksmitarbeiter einbezogen.“

Schneiders Test fiel negativ aus. Auch die DB durfte einige Wochen später aufatmen und nach den ersten Ergebnissen grundsätzlich Entwarnung geben. Die Zugbegleiter hatten sich nicht häufiger angesteckt als Kollegen ohne Kundenkontakt. Unter 1072 Tests fiel nach Rachenabstrichen nur eine Person mit positivem Ergebnis auf – ein Werksmitarbeiter. Ort und Zeitpunkt seiner Ansteckung: unbekannt, wie in so vielen Fällen im bisherigen Verlauf der Pandemie.

Zugbegeleiterin mit Mundschutz
Florian_Thoss
Zugbegleiterin Viktoria Schneider nahm an beiden Corona-Testreihen der DB teil
Tobias Körner
Florian_Thoss
Tobias Körner, Leiter Entwicklung Betrieb (darunter), koordiniert die Tests

Bei den Antikörpern, die Aufschluss über bereits genesene Fälle geben, lag der Wert der Zugbegleiter sogar unter dem der anderen Berufsgruppen ohne Kundenkontakt. Die gute Botschaft an die Fahrgäste lautete: Züge sind keine Corona-Hotspots. Was auch im Einklang mit Untersuchungen des Robert Koch-Instituts stand, das bei Bahnreisen keine Ausbrüche registrierte. Als mögliche Gründe für das niedrige Risiko gelten der schnelle Luftaustausch und die Frischluftzufuhr in den Wagen sowie die Umsetzung der sogenannten AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmasken. Hinzu kommt, dass Oberflächen, die häufig berührt werden, regelmäßig gereinigt werden.

„In den ersten Monaten der Pandemie hat das mit den Masken super geklappt“, erinnert
sich Schneider, die gerade zur Blutabnahme in einem der Testräume sitzt. Warum sie sich zum zweiten Mal untersuchen lasse? „Ich bin kein ängstlicher Mensch, aber mit einem zweiten Test fühle ich mich besser, und deshalb nutze ich die Gelegenheit.“
Hinter ihr wartet Uwe Kupenia, 58, auf die Blutabnahme. Aus der Probe werden später mögliche Antikörper herausgelesen, die bereits gebildet wurden. Für den Mitarbeiter aus dem Werk Hamburg-Langenfelde zählt aber vor allem, wie es jetzt um seine Gesundheit steht. Dazu muss er sich im Nebenraum auch einem Abstrich aus dem Rachenraum unterziehen. „Bestimmt nicht angenehm“, sagt er, der aus gutem Grund nach Altona gekommen ist. „Ich hatte in letzter Zeit starken Husten, der Arzt hat nichts festgestellt, aber ich will sichergehen.“

Sichergehen möchte auch die DB. Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind weiterhin hoch, und groß ist nach wie vor die Verunsicherung in der Bevölkerung. Die zweite Testphase der Corona-Studie von Bahn und Charité vom Oktober 2020 hat die ermutigenden Ergebnisse der ersten Reihe bestätigt: Das Zugpersonal ist keinem höheren Infektionsrisiko ausgesetzt als Mitarbeiter anderer Bahnbetriebe. Mit einer dritten Testung Ende dieses Monats sollen die Zahlen untermauert werden. Es wird also weiter geforscht, nicht nur mit klinischen Studien. So untersuchte die DB mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt im Herbst 2020 auch die Verteilung von Virenpartikeln in Zügen anhand von Simulationen im Labor. Das Ergebnis: Eine Mund-Nase-Bedeckung ist während der Zugfahrt eine wirksame Möglichkeit, die Verbreitung von Tröpfchen und Aerosolen zu begrenzen.

Dieser Text erschien erstmals in DB MOBIL 02/2021.

Anmerkung der Redaktion: Seit Kurzem ist das Tragen einer FFP2-Maske beziehungsweise einer medizinisches OP-Maske im Nah- und Fernverkehr Pflicht.

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