Wunderwesen unter Tage

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Adobe Stock/U. Gernhoefer

Märchendom, Gralsburg, Buttergrotte – Orte, wie man sie wohl nur in alten Kinderbüchern vermutet. Und doch gibt es sie wirklich. Als Hohlräume der Saalfelder Feengrotten liegen sie unter Tage zwar im Verborgenen, sind aber für Besucher:innen zugänglich. Hier, am Rande des Thüringer Schiefergebirges, wurde schon 1530 Alaunschiefer geborgen. Im Zuge der Industrialisierung wurde der Abbau jedoch unrentabel, das Bergwerk geschlossen und wieder der Natur überlassen. Und die leistete ganze Arbeit: Aus den Wänden wuchsen über die Jahre Tropfsteine, die das eisen- und mineralreiche Milieu in schillernde Farben taucht. So schön wie Feenhaar, befanden 1910 die Entdecker des vergessenen Stollens und gaben dem märchenhaften Ort seinen Namen. Heute stehen die Saalfelder Feengrotten im „Guinness-Buch der Rekorde“ als farbenreichste Schaugrotten der Welt. Wohl wahr – diese Höhlen sind schwer beladen mit Geschichte, Phantasie und Romantik. Wem das zu viel Mystik ist, der kann hier auch einfach nur tief durchatmen. Als Heilstollen wirken sich die Feengrotten nämlich positiv bei Asthma und Bronchitis aus, ebenso bei Hauterkrankungen und Allergien. Daher werden hier auch Kuren und zweistündige Inhalationen zum Reinschnuppern angeboten.

Vor dem Ausgang begegnet man einem Wurzel-Stalaktiten. Er gehört zu einer über 200 Jahre alten doppelstämmigen Eiche, die ihr Wurzelwerk 10 Meter tief in den Berg getrieben hat. In unmittelbarer Nähe der Höhlen befindet sich das “Grottoneum”, das Erlebnismuseum, wo die Besucher:innen Moleküle tanzen und ihre eigenen Tropfsteine wachsen lassen können. Im “Feenweltchen”, dem Abenteuerwald, können Kinder märchenhafte Gestalten treffen und sich in einer Zauberwelt verlieren. Daneben empfiehlt sich ein Besuch in Saalfeld selbst. Als eine der ältesten Städte des Bundeslandes wird die Residenzstadt auch „Steinerne Chronik Thüringens“ genannt. Auf dem historischen Rundweg lassen sich die 1100 Jahre Stadtgeschichte zu Fuß erkunden. Die lange Route dauert etwa 90, die kürzere Variante 45 Minuten. Am Wegesrand ist jedoch stets Gelegenheit für eine Pause – die zahlreichen Cafés und Restaurants bitten zur Einkehr.

Wie hinkommen:
Mit dem IC nach Saalfeld; weiter mit dem Bus (Linie A) bis Feengrotten.
Aktuelle Informationen finden Sie unter www.bahn.de.

Für wen:
Familien mit Kindern, Fantasie- und Romantikliebende, Hobby-Geolog:innen, Kururlaubende und Hochzeitspaare – in den Feengrotten kann man nämlich heiraten.

Mitbringen:
Feste Schuhe und eine Jacke, auch im Sommer. In den Feengrotten herrschen konstant kühle 8 bis 10 Grad Celsius.

Wer sich inspirieren ließ:
Siegfried Wagner, der Sohn des Komponisten Richard Wagner. Die Grotten dienten ihm als Bühnenbildvorlage für eine „Tannhäuser“-Inszenierung im Rahmen der Bayreuther Festspiele in den 1920er-Jahren.

Info
www.feengrotten.de

Hinweis
Aufgrund der Pandemiesituation kann es zu Einschränkungen der Öffnungszeiten der genannten Lokale und Läden und Einrichtungen kommen.

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