Avantgarde im Gartenhaus

Ein verwunschener Ort der Kunst und der Geschichte, mitten in Berlin – zum Staunen, Luftholen und Rausgucken

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Lesezeit: 2 Minuten
Thorsten Klapsch

Im Zentrum Berlins, nur ein paar Gehminuten abseits der Prachtmeile Unter den Linden, liegt der Schinkel-Pavillon. Hier verbirgt sich ein historisches Großstadt-Idyll, ein Ort, den man hier nicht erwartet und auch zufällig beim Flanieren entdecken könnte. Will man gezielt dorthin, muss man beim ersten Mal womöglich etwas suchen. Doch gerade seine verwunschene Lage im Garten des Kronprinzenpalais macht den Charme des Schinkel-Pavillons aus. Natürlich ist das Bauwerk ungeheuer geschichtsträchtig, wie praktisch alles in seinem Umkreis. Den achteckigen, rundum verglasten Pavillon erbaute jedoch nicht etwa Karl Friedrich Schinkel, wie der Name nahelegen könnte. Errichtet wurde er 1969 von Bauhaus-Architekt Richard Paulick, einem prominenten Vertreter der DDR-Moderne, der in seinem Entwurf klassizistische mit modernen Elementen verband. Im kleinen, aber mondänen SED-Parteitempel bat einst Erich Honecker Staatsgäste zum Cocktailempfang.

Aus heutiger Sicht kaum zu glauben, dass die inzwischen denkmalgeschützte Architekturperle nach der Wende knapp 20 Jahre lang brachlag. Bis 2007 ein Kunstverein einzog und seither ein avanciertes, weltweit beachtetes Ausstellungsprogramm kreiert. Schwerpunkte: Skulptur, Installation und neue Medien. Namen wie Sylvie Fleurie, Cyprien Gaillard, Isa Genzken, Mike Kelley oder Simon Denny – um nur einige zu nennen, die hier in den letzten 13 Jahren ausstellten – stehen in der Gegenwartskunst für internationale Avantgarde. Seit 2014 wird auch die angegliederte „Schinkel Klause“, ehemals berühmte DDR-Gaststätte, als Ausstellungsraum bespielt. Doch der Pavillon ist das Highlight – für Künstler:innen übrigens Reiz und Herausforderung zugleich: Statt Werke bloß an Museumswände zu hängen, muss in der Glasfenster-Rotunde der offene Rundumblick mitgedacht werden – was zu einzigartigen Installationen führt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass hier neben der Kunst auch der Ausblick spektakulär ist. Man schaut auf die Friedrichswerdersche Kirche, den Fernsehturm, Karl Friedrich Schinkels ehemalige Bauakademie und den Berliner Dom. Mehr Berlin geht kaum, hier ist man mittendrin. Doch gerade in der lauschigen Abgeschiedenheit von Pavillon und Garten lässt sich gut die Zeit vergessen, der ideale Platz für eine Sightseeing-Pause im Hauptstadttrubel.

Wie hinkommen:
Mit dem ICE nach Berlin-Hauptbahnhof. Von dort z. B. mit der U5 Richtung Hönow bis „Unter den Linden/Friedrichstraße“, dann gut 5 Minuten zu Fuß auf Unter den Linden in Richtung Dom. Beim Kronprinzenpalais rechts auf die Oberwallstraße abbiegen.

Aktuelle Informationen finden Sie unter www.bahn.de.

Für wen:
Kunst- und Architekturbegeisterte, Flaneure und Stadtentdecker:innen auf Spuren der DDR-Geschichte.

Mitbringen:
Genügend Zeit, um neben der aktuellen Ausstellung auch den idyllischen Garten zu genießen. Ideal für eine Pause beim Hauptstadtbesuch.

Info:
www.schinkelpavillon.de

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