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Folge 9: Schreib mal wieder!

Manchmal geht es mir wie meinem Computer: Gedanklich habe ich zu viele Tabs und Fenster geöffnet. Was davon ist wirklich wichtig? Was sollte ich (ab-)schließen?

Von:
Lesezeit: 10 Minuten
Illustration Magie des Schreibens
Quickhoney

…  Gerade zum Jahresanfang möchte ich meinen Kopf mal ordentlich „defragmentieren“. So nennen es Nerds, wenn sie ihren Rechner dank eines Programms aufräumen und weit verstreute Daten wieder ordentlich in Blöcken bündeln. Nur welches Programm hilft mir, die gedankliche Zettelwirtschaft zu strukturieren? 
Glücklicherweise besitzt unser Gehirn bereits eine Art natürlichen Defragmentierungsmodus, in dem es die wahrgenommene Wirklichkeit verarbeitet: im Schlaf oder, wenn Sie es psychoanalytisch fassen wollen, im Unbewussten. Wo die Regeln der Vernunft, der Logik und Moral nicht mehr gelten, wird nachts kräftig aussortiert, zusammengefasst, neu verbunden. Und das funktioniert auch im Wachzustand. Mit der Kunst des „automatischen Schreibens“, die der Schriftsteller André Breton vor fast hundert Jahren in seinem Manifest des Surrealismus erläuterte:

Lassen Sie sich etwas zum Schreiben bringen (...). Versetzen Sie sich in den (...) rezeptivsten (= empfänglichsten, Anm. d. Red.) Zustand, dessen Sie fähig sind. Schreiben Sie schnell, ohne vorgefasstes Thema, schnell genug (...), um nicht versucht zu sein zu überlegen. Der erste Satz wird ganz von allein kommen. (...) In jedem Augenblick existiert in unserem Bewusstsein ein unbekannter Satz, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden. Fahren Sie so lange fort, wie Sie Lust haben. Verlassen Sie sich auf die Unerschöpflichkeit des Raunens.

Schreiben Sie also einfach los. Es gibt keinen Bonus für schöne Worte. Rechtschreibung, Interpunktion und Grammatik sind wurst. Fällt Ihnen nichts ein, malen Sie Wellen­-linien, bis ein Satz kommt. Sie werden staunen, welche Wahrheiten während einer Bahnfahrt aus Ihnen zutage gefördert werden, weil sich in Ihrem Inneren etwas geordnet hat. Und plötzlich haben Sie noch vor der Ankunft ein Ziel vor Augen.

Langeweile kennt Autorin Greta Taubert nicht. Sie weiß immer was zu tun, wenn mal Zeit im Zug ist.

Autorin Greta Taubert gibt jeden Monat Tipps für den Müßiggang im Zug. Haben Sie Ideen, Lob, Kritik? Schreiben Sie an zeitvertreib@dbmobil.de

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