Ulm

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Illustration Ulm
Holly Wales

Vor einigen Jahren war ich beruflich in Ulm. Hin und zurück. Eine Stippvisite. Sie kennen das. Hinterher im Zug dachte ich mir: Warum bin ich eigentlich nicht länger geblieben? Wenigstens das berühmte Münster hätte ich mir ansehen können. Das habe ich kürzlich nach­geholt, Ulm noch einmal besucht und mit dem Münster angefangen.

Mit 161,5 Metern hat es den höchsten Kirchturm der Welt. Ich erklimme also die 768 Stufen. Auf halber Treppe werfe ich einen Blick in den Glockenstuhl. Das Uhrwerk war fast ein Jahr lang kaputt – 2017 herrschte Ruhe in Ulms Innenstadt. Seit knapp zwei Jahren läutet es hier wieder, jede volle Stunde, Tag und Nacht. Als ich später im Hotel, unweit des Turms, den Nachtschlaf suche, bleibt der aus. Auch Anwohner beschwerten sich bereits über das nächtliche Geläut, doch der Mesner verteidigte seine Glocke: Der Schlag informiere einen über die Uhrzeit. Als ob es dafür heutzutage keine andere Möglichkeit gäbe.

Vom Aussichtsrondell blicke ich hinab auf die Donau. Der zweitlängste Fluss Europas! Hier in Ulm plätschert er sanft unter den Brücken hindurch, die Ulm mit Neu-Ulm verbinden. Zwei schmale Flussarme verzweigen sich in die Innenstadt von Ulm. Im Fischer- und Gerberviertel stehen Fachwerkhäuser auf Stehlen im Wasser. Manche schief und stolz darauf wie das „Hotel Schiefes Haus“. Vom Münster laufe ich zur Anlege­stelle des „Ulmer Spatzes“. Das Passagierschiff ist nach dem inoffiziellen Wappentier benannt. Reizend bescheiden, wenn ich an die Löwen und Stiere denke, die anderswo prangen. Kapitän Marcel Kettel, 42, führt mir den Einstieg vor: barrierefrei. Das Schiff betreibt schließlich die Lebenshilfe Donau-Iller, die sich um Behinderte kümmert.

Am Nachmittag fahre ich auf die andere Flussseite. In Neu-Ulm kommt der Fortschritt leise daher. Eine der ersten elektrischen Kartbahnen ist hier 2015 entstanden – das Ecodrom. Kein Motorenbrüllen, kein Abgasgestank. Per App kann ich sehen, dass ich schon nach einer Runde auf dem letzten Platz bin. Eigentlich, denke ich, passt der genüg­same Spatz gut zum Ulmer. Die Stadt ist nichts für Kosmopoliten, die Grandezza suchen, obwohl das Münster und ihr Status als Albert Einsteins Geburtsort die Stadt weltberühmt machten. Das nächste Mal nehme ich meine Mutter mit nach Ulm. Mit ihr an meiner Seite werde ich die restaurierten Fachwerkhäuser und die Beschaulichkeit noch besser zu würdigen wissen.

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Neben Gemälden von Picasso und Rembrandt finden sich im Museum „Brot und Kunst“ Installationen rund um Landwirtschaft und Ernährung. museumbrotundkunst.de

Am vorletzten Montag im Juli findet Nabada statt, ein traditioneller Ulmer Wasserumzug. schwoermontag.com/nabada

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