Stralsund

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit. Unser Autor entdeckt …Stralsund

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Lesezeit: 3 Minuten
Illustration: Holly Wales

Ein bisschen Weltkulturerbe wäre für mich eigentlich kein Grund für einen Umweg. „Banause!“, nennt mich meine Frau auf unserer vorweihnachtlichen Reise nach Rügen und besteht darauf, in Stralsund einen Tag Pause zu machen: „Diese wunderbare Altstadt, Backsteingotik und Barock, Weltkulturerbe seit 2002 – das hast du doch sicher schon mal gehört?“ Müsste ich jetzt nachdenken. Aber da ich unsere beschauliche Winterausfahrt nicht gleich mit einem Streit beginnen will, lenke ich ein.  

Kaum angekommen, seufzt sie vernehmlich: „Können wir dann mal weiter?“ Von mir aus noch nicht. Schließlich unterhalte ich mich gerade mit Dirk Möller, der mit seiner Tea Boutique in einem prächtigen Putzbau aus dem 17. Jahrhundert residiert. Der ausgebildete Tea-Master serviert zur eigenen Teemischung fantastische Scones und ist zudem ganz beseelt von der Aura des Heilgeistes. Gemeint ist die Umgebung, die Heilgeiststraße in der Altstadt nämlich, mit ihren charmant restaurierten Backsteinklassikern. Möllers Teegeschäft in der Nummer 89 gehört dazu.  

Menschen und nicht Gebäude sind es doch, die das Stralsunder Weltkulturerbe mit Leben füllen.

Dirk Möller

Das mit dem Weltkulturerbe, das sei ja ganz nett, sagt Möller, aber was für ihn wirklich zähle, seien die feinen Leute, die wie er selbst ihren Job mit Herzblut betreiben. „Menschen und nicht Gebäude sind es doch, die das Stralsunder Weltkulturerbe mit Leben füllen, oder?“  

Zum Beweis schickt Möller uns zu den Inhabern von „Treibholz Boards“ in der Nummer 91, wo Skateboarder aus der Region zum Fachsimpeln zusammenkommen. Auch der nächste Tipp, der Fischmann in der Nummer 10, überzeugt: Henry Rasmus stellt den Stralsunder Bismarckhering nach einem Originalrezept von 1871 her – gibt’s nur hier. Dann empfiehlt Möller noch die Vinothek nebenan. Es trifft sich gut, dass Weinhändler Mattias Kindler auch köstlichen Kaffee ausschenkt. Sogar eine Antipastitheke bietet er auf. Seine kulinarische Expertise hat sich der gebürtige Mecklenburger durch seine Jobs in der Berliner Gastroszene erworben.  

Nach weiteren Stunden der Querschlenderei landen wir am frühen Abend in einem behaglichen Zwitter aus roter Backsteinfabrik (außen) und traditioneller Pferdescheune (innen): Im Braugasthaus Zum alten Fritz wärmen wir uns in der rustikalen Stube vom Adventsgeschlender durch die vorweihnachtlichen Gassen auf und erfahren en passant, dass die Kanzlerin hier traditionell ihren Jahresempfang gab – und dass die Band Echt mal durch die Küche vor den eigenen Fans flüchten musste. Restzweifel schwinden spätestens in diesem Moment – Stralsund ist jeden Umweg wert. 

NICHT VERPASSEN

  • Viel Meer und ein Bier: erst im Ozeaneum alles über die Unterwasserwelt lernen.
  • Dann das historische Segelschulschiff „Gorch Fock I“ besichtigen.
  • Den Tag im legendären Braugasthaus "Zum alten Fritz" enden lassen.

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