Schwerin

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit uns. Unser Autor entdeckt Schwerin

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Holly Wales

Vor ein paar Jahren saßen wir in unserer Hamburger Wohnung und fragten uns, was wir mit dem sonnigen Frühlingswochenende anfangen möchten. „Warum fahren wir nicht mal nach Schwerin?“, fragte mein Freund. Von Hamburg aus ist es nicht weit in die Stadt mit dem Schloss, das auf Bildern so schön kitschig aussieht (das war mein Wissensstand als seit 15 Jahren in Norddeutschland lebender Süddeutscher). Wir fuhren dann an die Ostsee. So erging es uns ein paarmal. Schwerin blieb eine Option, stets zweite Wahl.

Dann fand mein Freund einen Job in Schwerin. Damit war ich plötzlich öfter in der Stadt, vor allem an Wochenenden. Mein erster Eindruck: Schwerin ist noch schöner – und kitschiger –, als es auf den Fotos aussieht. Das Neorenaissance-Schloss, dessen Türmchen stets gülden glänzen, davor der Burggarten, davor wiederum ein Schlosspark, der an Versailles erinnert. Überall sanierte Straßen, Blumenkästen und Schwäne. Eine Weile nach seinem Einzug nannte mein Freund, der in Mexiko in einer Millionenmetropole aufwuchs, Schwerin eine „perfekte Kleinstadt“. Das sollte ein Kompliment sein.

Nur eines fehlte: Junge Leute sahen wir kaum. Nach der Wende wurde Schwerin zwar Landeshauptstadt, Rostock und Greifswald aber erhielten die Universitäten. Vielleicht hätten all die Studierenden auch nicht reingepasst in die kitschige Schönheit Schwerins – mit Einwohner:innen, die trotzdem gern mal türkisfarbene Haare tragen. Mit nicht nur einem, sondern zwölf Seen (auch wenn in Schwerin immer nur von sieben die Rede ist).

Der Journalist und Autor Björn Stephan, der hier aufwuchs, schrieb: „Der Schweriner prahlt nicht. Man muss die Schönheit schon selbst entdecken.“ Das taten wir. Vor Corona hatten wir oft Besuch, verbrachten einige perfekte Tage. Frühstück im Café Müller neben dem Rathaus, runter zum Pfaffenteich, Fahrräder nehmen, einmal um den größten der Seen fahren. Rund 30 Kilometer sind das, schafft fast jede:r. Unterwegs anhalten in rapsgelben Feldern und am Seeufer. Auf Bäume klettern, die übers Wasser ragen, hineinspringen. Mit Kindern in den Hochseilparcours, in den Zoo oder zum Zippendorfer Strand (ja, mit richtigem Sand, fast wie an der Ostsee!). Auf dem Weg nach Hause noch einen Zwischenhalt im Schlossbuchtcafé einlegen, irgendwelche bunten Getränke bestellen und rüber zum anderen Ufer schauen, wo die Sonne hinter den Schlosstürmen versinkt. Der Kitsch kennt keine Gnade in Schwerin.

Demnächst wird mein Freund Schwerin verlassen. Der Job zieht ihn fort – und die Sehnsucht nach einer Großstadt. Schade eigentlich.

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