Sankt Peter-Ording

Ein weiter Strand, die besten Fischbrötchen und immer dieser Wind. Unsere Autorin entdeckt ... Sankt Peter-Ording

Von:
Lesezeit: 3 Minuten
Illustration: Holly Wales

Es bläst kräftig an der Nordsee, der Wind fegt Sand und salzige Luft übers Land. So ist es jedes Mal, wenn ich aus der Großstadt hier herauskomme – und das ist häufig. Lasse mir im Herbst Hagelkörner ins Gesicht wehen und im Sommer den aufgeheizten Sand um die Füße. Früher machte der ständige Wind den Küstenbewohner:innen sehr zu schaffen, berichten Einheimische. Felder versandeten oder wurden überflutet, einen Fischereihafen konnte man wegen der Sandverwehungen nie bauen, und Wanderdünen walzten so gnadenlos über den Ort, dass man sogar eine Kirche versetzen musste. Doch Wind und Sand haben Sankt Peter-Ording zu dem gemacht, was es heute ist: ein Kurort für Lungenkranke und ein Paradies für Nordseefans, die unter grauen Wolken über endlose Strände stapfen, sich den Kopf freipusten lassen, um sich dann mit Toter Tante (heißer Kakao mit Rum) wieder aufzuwärmen.

Über die Touristenmeilen „Im Bad“ und Dorfstraße flanieren Familien und kaufen Kladderadatsch, Kleiderhaken aus Strandgut zum Beispiel, und Regenjacken im Partnerlook. Fischbrötchen gibt’s von einem Sylter Gastronomen, Eis vom größten deutschen Anbieter. Alles nicht so meins. Tatsächlich frage ich mich beim Anblick der Kurortidylle schon jedes Mal ein bisschen, warum ich wohl hierhergekommen bin.

Gute Gründe für die regelmäßige Wiederkehr sind aber Macher wie Ferdi, der in seiner Seafood-Bar Yamacito die besten Fischbrötchen macht und an manchen Tagen Ceviche anbietet – rohen Fisch, mariniert in Limettensaft. Oder die Leute von der Kitesurfschule Hx2O, die mit ihrem bunt zusammengezimmerten Deck wie ein Zirkus auf dem Strand aussieht. Zuletzt sorgte die Ankündigung der Hamburger Szeneköche Salt and Silver, 2022 einen der Pfahlbauten am Strand zu übernehmen und die Speisekarte mit „internationalem Flair“ zu versehen, in den regionalen Medien für Aufregung. Sankt Peter-Ording mit seinen knapp 4000 Einwohner:innen ist eben eher nichts für Individualist:innen, die Szenerie steht ständig auf der Kippe zwischen pittoresk und piefig.

Trotzdem ist SPO, wie Kenner:innen sagen, für mich der schönste Ort Norddeutschlands. Ich liebe das Gefühl, das sich einstellt, wenn man sich durch den feinen Sand bis zur Wasserkante vorarbeitet. Von hier aus sieht man nichts als Strand, Himmel und Meer – sofort ist der Kopf so schön leer wie die Landschaft. Der Tunnelblick, den man sich in der Stadt angewöhnt, weicht dem Weitblick. Das Beste: In dieser marsähnlichen Kulisse ist es egal, wie viele andere die gleiche Idee hatten wie ich. Der Strand von SPO ist groß genug für uns alle.

NICHT VERPASSEN

Im Hotel Kubatzki ein Yoga-Retreat buchen.
das-kubatzki.de

In der Dünentherme mit Strandblick saunieren.
st-peter-ording.de/duenen-therme

Mit einem Fischbrötchen aus dem Yamacito zu Kräften kommen.
yamacito-seafoodbar.com

Schreiben Sie uns!

Der Artikel hat Ihnen gefallen, Sie haben eine Frage an die Autorin/den Autor, Kritik oder eine Idee, worüber wir einmal berichten sollten? Wir freuen uns über Ihre Nachricht.

Teilen