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Rügen

Unser Autor entdeckt die Insel. Kommen Sie mit!

Von:
Illustration Rügen
Holly Wales

Wollschalumhüllt und mit Kinderwagen stiegen wir jungen Eltern in den Zug, stapften vom Binzer Bahnhof zu unserem weiß gestrichenen Hotel und warfen den Zimmerkamin an. Unsere Tochter fiel, dick eingepackt, zuverlässig in tiefen Schlaf, sobald wir sie zur Strandpromenade schoben.

Was ist diese wohlige Erinnerung wert, 15 Jahre später und mit zwei weiteren Kindern? Ist Deutschlands größte Insel familientauglich, auch wenn der Februarwind weht?
Unsere Nachbarin ist auf Rügen aufgewachsen, ihr Vater lebt dort. Wir sind verabredet am Baumwipfelpfad nahe Binz. Derweil rennen unsere Kinder und staunen, studieren Lehrtafeln und blicken hoch oben im „Adlernest“ durch Ferngläser auf den Strand von Prora.

Ich lasse meine Familie zurück und folge Roland, dem Rüganer, der mich auf eine Rundfahrt einlädt und sogleich zu erzählen beginnt. Von den Geheimgängen im Gebäudekomplex in Prora, die er als Wehrpflichtiger der Nationalen Volksarmee erkundete. Von all den Bekannten, die Fischer waren. „Der Aal war zu DDR-Zeiten unsere Ersatzwährung.“ Damit habe man im ganzen Land Baustoffe bekommen, die es offiziell nicht gab. Heute besorge er sich hin und wieder frischen Zander von Anglern. „Im Fischgeschäft ist der zu teuer.“ Wir gelangen auf die Nehrung Schaabe im Norden Rügens. „Die Kiefernwälder direkt am Strand, das ist für mich wie Urlaub am Mittelmeer.“

Das liebe er an Rügen: „Dass wir alles haben.“ Wälder, Strand, Steilküste, Seen, Fischerdörfer, Weiden. Und Sanddornbeeren, die Oliven der Ostsee. Die sauren Früchte ernten nicht Maschinen, sondern Familien. „Man schneidet einfach die Äste ab“, sagt Roland. Aus der Ernte im Herbst werden Saft, Marmelade, Tee, Cremes und vieles mehr. Beliebte Souvenirs.

Ja, die Touristen! Zu DDR-Zeiten hätten viele Rüganer schwarz vermietet. Roland schätzt, statt der offiziell 20 000 Sommergäste seien es 90 000 gewesen. Milch, Fleisch, Bier, alles sei knapp geworden. „Wir Rüganer sehen das so: Wir brauchen unseren Raum. Nicht nur Touristen.“
Da würde nicht einmal Dirk Eichler-Nogga widersprechen, Reservierungsleiter im Kurhaus Binz. Bevor wir auschecken, zeigt mir der 59-jährige Rüganer die verborgenen Winkel des „meistfotografierten Gebäudes der Insel“, wie er es nennt. Den Festsaal etwa, wo nach seinem Wunsch bald wieder Einheimische und Feriengäste gemeinsam feiern, bei Festen oder Konzerten. Ein Raum für alle. Gefällt mir. Und die Kinder? Toben seit zwei Stunden am eisigen Strand. Fragen beantwortet.

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