Paderborn

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit. Unser Autor entdeckt… Paderborn

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Paderborn
Holly Wales

ICH WOLLTE WISSEN, ob es stimmt. Ob diese Stadt wirklich so bieder ist, wie alle immer sagen. Alle? Na ja, ein paar wenige Leute, von denen ich nicht sicher bin, ob sie jemals dort waren. Wie konnte es aber sein, dass sich ein Image so verselbstständigt hat wie das von Pa-der-born?

„Provinziell, erzkatholisch, langweilig – dieser Ruf hängt uns immer noch nach“, sagt Karl Heinz Schäfer vom Tourismusamt. „Jeder glaubt, Paderborn zu kennen, doch wissen viele nicht mal, wo es liegt.“

Zumindest das dürfte sich nach dem Aufstieg des SC Paderborn in die Fußballbundesliga - von der dritten Liga bis nach ganz oben – geändert haben. Aber Vorsicht: Sie sollten nicht nur zum Stadion oder vom Bahnhof ins Zentrum gehen, wo eine triste Hauptstraße in eine typische Einkaufsmeile übergeht.
Abseits der Einkaufsstraße zeigt sich ein ganz anderes Städtchen, mit niedlichen Fachwerkhäusern und Gartencafés. Ich stehe am Born, was so viel heißt wie „Quelle“, und davon hat die Stadt mehr als 200, einzigartig in Deutschland. Das Wasser sprudelt aus tiefen Erdschichten an die Oberfläche und speist die Pader, den – Achtung, nächster Rekord – mit vier Kilometern kürzesten Fluss Deutschlands. Überall rauscht und gluckert es in den grünen Auen. Ich bin erstaunt: Paderborn ist wunderschön – hier draußen. Und drinnen, im Zentrum?

NICHT VERPASSEN

Das Heinz Nixdorf Museumsforum, hnf.de.
Schloss Neuhaus mit Barockgarten, das prächtige „Adam-und-Eva-Haus“ aus dem 16. Jahrhundert, Dom und die Busdorfkirche mit schönem Kreuzgang, paderborn.de.


Dort thront der Dom über allen Gemäuern, umgeben von Kirchen und Klöstern, die bezeugen, dass Paderborn ein Zentrum des Glaubens bildet. Jedes Jahr feiert man die Libori-Woche mit Prozession und Kirmes zu Ehren des Schutzpatrons und Bischofs von Le Mans. Bis heute verbindet beide Städte die älteste Partnerschaft Europas, wieder ein Superlativ, und da wir gerade dabei sind: Im Sport hat Paderborn sieben Erstligaklubs, unter anderem im Tennis. „Hier schmeißt niemand mit Geld um sich, aber man macht das Beste aus den Möglichkeiten“, sagt ein Fußballfan in der Kneipe „Zum Treuen Husaren“. Nach dem Prinzip entwickelt sich ganz Paderborn: Die Stadt mit 153.643 Einwohner:innen wächst, zählt etwa 20 000 Student:innen und vier Hochschulen. Provinziell? Wenn man es vermisst, dass einem Selfie-Knipser über den Weg laufen, ist man hier falsch.

Overtourism – hat Paderborn nie gehört. Dafür gerät es selbst an Fußballwochenenden nicht aus der Fassung. Langweilig? Wie schön – Hier weile ich gern länger.

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