Mannheim

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Illustration Mannheim
Holly Wales

Seitdem die Logik des Marketings jeden Lebensbereich wie Wurzelwerk durchzieht, müssen also auch Städte einen Markenkern haben. So war ich bereits in einer Autostadt (wäre auch eine Option für Mannheim gewesen, siehe Benz-Denkmal) und in diversen Messe- und Goethestädten. Hält die „Musikstadt Mannheim“ ihr Versprechen?

Am Hauptbahnhof werfe ich einen Blick in die Broschüren des Stadtmarketings: Als „UNESCO City of Music“ ist die Stadt Teil eines internationalen Exzellenznetzwerks der Musik, in der hiesigen Popakademie schrieb Nico Santos seinen Hit „Rooftop“, sie ist Geburtsort von Xavier Naidoo, und, ja, Mozart war auch mal ein paar Tage hier. Aber wo gibt es etwas auf die Ohren?

In meinem Hotelzimmer im „Staytion“ am Hauptbahnhof ist es zwar still, aber das großformatige Foto über dem Bett – alle Zimmer sind nach Musikthemen eingerichtet – verweist auf die Time Warp. Das eintägige Technofestival findet seit 25 Jahren immer im April statt, 18 000 Fans und Elektrogrößen aus aller Welt kommen.

Mit Techno auf den Kopfhörern steige ich ins Taxi. Ich frage den Fahrer, was es mit den Quadraten auf sich hat, dieser schachbrettartigen Straßenführung der Innenstadt. Das sei ganz einfach: links die Quadratreihen A bis K, rechts L bis U. Alles hufeisenförmig umrahmt vom Straßenring. Der Legende nach sei der Straßenplan Manhattans übrigens von Mannheim inspiriert. Alles klar so weit?

Mir schwirrt der Kopf. Jetzt ein Mittagessen im Jungbusch. Das Szeneviertel am Handelshafen, westlich der Quadrate, hat Gründerzeitcharme. In Bars wie dem kaputt-romantischen Hagestolz tanzen Studenten bis spät in die Nacht zur Musik. Auf dem Dach des Gründerzentrums für die Musikwirt- schaft, Musikpark, liegt das Rooftop-Restaurant „Die Küche“. Hier gibt es, wonach internationale Städtermägen verlangen, inklusive Hafenblick.

Am Abend besuche ich das „Ella & Louis“, eine jüngst eröffnete Jazzbar mit herausragender Livemusik. Der Gründer Thomas Siffling sagt: „Mannheim hat eine lange Jazztradition, die wir mit diesem Club wieder aufleben lassen wollen.“ Wieder im Hotel höre ich „Zurück zu dir“ von den Söhnen Mannheims und denke: Ich würde einigen musikgierigen Freunden im Frühling gern die Time Warp oder die Mannheim Music Week zeigen. Als Alternative zu den großen Musikfestivals, mit Weinglas anstatt Bierdusche.

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