Luxemburg

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit uns. Unser Autor entdeckt Luxemburg

Von:
Lesezeit: 2 Minuten
Illustrationen Luxemburg
Lauren Tamaki

Wer als Deutscher Luxemburg besucht, fühlt sich schnell an die Filmkomödie „Willkommen bei den Sch’tis“ erinnert. Sie handelt von Einwohnern im provinziellen Norden Frankreichs, die so verdreht sprechen, als wären sie schon tagsüber betrunken. Wie bei den Sch’tis komme ich mir vor im Kleinstaat an der Grenze zur Eifel, in dem sie „Wat gelift?“ sagen, wenn sie „wie bitte?“ meinen, „gär geschitt“ für „bitte schön“ oder „en Schmier“ für belegtes Brot.

Der moselfränkische Zungenschlag, mal derb, mal niedlich, lässt mich für einen Moment vergessen, dass im einzigen Großherzogtum der Welt angeblich die Sprache des Geldes regiert. Bankenviertel, Steuerschlupfloch, Luxleaks – da war doch was? Man erkennt die Umrisse des Stadtteils Kirchberg schon von Weitem, hier recken sich Bankentürme und Gebäude der EU-Institutionen wie Gerichts- und Rechnungshof in die Höhe.

Steuerparadies Luxemburg? Antonia schüttelt den Kopf. „Hier zahlt man genauso viel Abgaben wie in Deutschland“, sagt meine Tischnachbarin im Restaurant „Um Dierfgen“. Nur bei den Firmen drücke man zwei Augen zu. Jeden Tag pendeln 140 000 Banker und Eurokraten nach Luxemburg und verwandeln das Städtchen in ein Weltdorf. Kontraste in Reinform, wohin ich gehe. Hier Patisserien, so elegant wie Galerien, dort Cafés, so rustikal wie Bauernstuben.

Die Geldflut konnte den Charme Luxemburgs nicht hinfortschwemmen. Das liegt schon an der außergewöhnlichen Topografie: Wie eine Festung erhebt sich die Oberstadt auf einem Sandsteinfelsen über dem Tal, durch das sich der Fluss Alzette schlängelt. Vom Gründungsplateau, dem „Bockfelsen“, gelangt man zu Fuß entlang alter Wallanlagen in die urige Unterstadt, jeder Meter Weltkulturerbe. Schaut man zurück, erkennt man höhlenartige Aussparungen im Fels – Zugang zu unterirdischen Gängen die man besichtigen kann.

Wie ein Kronleuchter funkelt die Oberstadt darüber. Unten Lokale mit deftigen Ragouts und Pasteten, oben Edeldesigner und feine Brasserien. Und in Kirchberg wachsen weiter die Geldhäuser. Wie niedlich wirkt dagegen der Wahlspruch der Luxemburger, den ich an einer Häuserwand in der Altstadt entdecke. „Wir wollen bleiben, was wir sind.“ Ist längst Geschichte.

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Morgens: Frühstück im „Au P’tit Max“ mit Blick auf den Paradeplatz. Danach per Fahrstuhl von der Ober- in die Unterstadt fahren. Sehenswert: moderne Kunst in den Wandelgängen der Abtei Neumünster.

Unbedingt: eine Führung durch die unterirdischen Gänge der Festungsanlage.

Abends: die französisch-asiatische Küche in der Brasserie Wenzel genießen.

visitluxembourg.com

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