Karlsruhe

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit. Unser Autor entdeckt … Karlsruhe.

Von:
Lesezeit: 3 Minuten
Holly Wales

Ich bin im Rheinland aufgewachsen. Geht es um Städtebau, ist Köln meine Referenz. Das heißt, dass ich an absurde Straßenführung gewöhnt bin. Umso mehr erstaunt es mich, wenn ich Städte kennenlerne, die tatsächlich geplant wurden. Warum Karlsruhe die „Fächerstadt“ genannt wird, leuchtet mir jedenfalls schon nach den 30 Minuten ein, die ich benötige, um vom Hauptbahnhof zum Schloss zu spazieren. Das Schloss steht in Karlsruhe über allem und muss demzufolge als Erstes besichtigt werden.

Hier nahm die Geschichte der Stadt ihren Anfang: Markgraf Karl III. Wilhelm kam im 18. Jahrhundert auf die Idee, eine Residenz am Rande des Hardtwalds zu bauen und von dort aus strahlenförmig Alleen für eine neue Siedlung anzulegen. Rund 300 Jahre später spaziere ich durch Karlsruhes Innenstadt und denke: So übersichtlich sieht also eine barocke Planstadt aus – Respekt!

Am späten Vormittag entdecke ich zufällig Karlsruhes erstes Bio-Fine-Dining-Restaurant: Erasmus. Die Küche ist prima, von außen sieht das Lokal aber ein wenig so aus, als hätte man einen Ausflugsdampfer ins Trockendock verfrachtet. Schnell werde ich belehrt, dass der lichte Kasten (wie die ganze Dammerstock-Siedlung drum herum) unter Regie von Bauhaus-Ikone Walter Gropius entstand. Überhaupt, Licht: Karlsruhe arbeitet mit einer Menge Illumination gegen die Wintertristesse an, was vor allem in der Südstadt mit den vielen Cafés und Bars gut gelingt.

Kurz durchzuckt mich der Impuls, ins Kino zu gehen. Nicht direkt wegen des Filmangebots, sondern weil die Schauburg allein durch ihre roten Neonlettern von außen so verlockend retro wirkt wie ein Lichtspielhaus aus den Fünfzigern. Stattdessen besuche ich doch lieber das Zentrum für Kunst und Medien: ein beeindruckendes Gebäude in einer ehemaligen Munitionsfabrik, das wie ein von innen angestrahltes, gletscherblaues Hals­bonbon wirkt.

Um kurz vor acht stehe ich dann auch schon vor dem Area24|7. Ein ungewöhnliches Hotelkonzept: Der geneigte Gast übernachtet in einer Kapsel – eine Idee aus Asien. Ich steige in eines der 16 bläulich schimmernden, geschlossenen Hotelabteile wie ein Astronaut in eine Raumfähre. Eng, aber übersichtlich, zudem ausgerüstet mit allem, was der moderne Mensch benötigt. Als ich am nächsten Morgen aufwache, steht die Kaffeemaschine bereits in Reichweite. Alles hier wirkt auf effektive Weise kultiviert. Was dann ja auch wieder perfekt zu dieser Stadt passt, die Karl III. Wilhelm vor 300 Jahren so penibel planen ließ.

Nicht verpassen

  • Im Zentrum für Kunst und Medien deren Verschmelzung bestaunen.
  • Danach in der Bar Guts & Glory, die einem Boxring gleicht, auf ein paar Runden einkehren.
  • Oder über 528 Stufen das „Hexenstäffele“ zur Turmbergterrasse hinaufkraxeln.

Hinweis
Aufgrund der Pandemiesituation kann es zu Einschränkungen der Öffnungszeiten der genannten Lokale, Läden und Einrichtungen kommen.

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