Gelsenkirchen

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit. Unser Autor entdeckt… Gelsenkirchen

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Lesezeit: 2 Minuten
Illustrationen Gelsenkirchen
Holly Wales

GE-RN und GE-IL las ich auf Nummernschildern beim letzten Besuch vor mehr als zehn Jahren. Allerdings: Für meine Cottbuser gab es eine 4:0-Packung, bei Schalke 04 standen Neuer im Tor und Kurányi im Sturm, vom blau-weißen Fahnenmeer war ich beeindruckt. Heute spielt mein Fußballklub in der vierten Liga. Ich frage mich, wie die 260 000-Einwohner-Stadt tickt, wenn kein Heimspiel ist.

Erster Stopp Altstadt. Am Heinrich-König-Platz umgibt mich ein chaotisches Stadtbild aus Zweckbauten der Siebziger und restaurierten Kirchen. Im Fanshop wähle ich „Schalke. Wir leben Dich“-Aufkleber, die ich einem Kollegen (und Borussia-Dortmund-Fan) unterjubeln werde. 
Ein paar Schritte weiter erspähe ich im Eiscafé Graziella Gerald Asamoah – ein Ölgemälde. Der wurde damals für Schalke in der 80. Minute eingewechselt! Ob ich es fotografieren dürfte? „50 Euro“, sagte die Kellnerin. Humor scheinen sie zu haben im Ruhrpott. Und wie steht’s um das Erbe der Steinkohle? Allein Gelsenkirchen hatte 16 Bergwerke.
Mit dem Bus fahre ich in den Zechen-Stadtteil Horst. Oben auf der Halde des Nordsternparks treffe ich auf einen Pensionär mit Hornbrille. Er heißt Heinrich, hat 27 Jahre lang unter Tage geschuftet, nun blicken wir über die Stadt. Er erklärt mir jeden Zechenturm, zeigt auf die Doppelbogenbrücke über den Rhein-Herne-Kanal. Über Folgen des Bergbaus habe man früher wenig nachgedacht, es galt, die Familie zu ernähren. Das Malochen büße er nun mit einer Staublunge – und die Stadt mit Umweltproblemen. Das Grubenwasser steige und gefährde das Trinkwasser. 

Wann immer ich frage, welches Viertel besuchenswert ist, fällt der Name Buer. Der Stadtteil sprüht wirklich vor Leben, Jung und Alt, bunt durchmischt. In der neugotischen St.-Urbanus-Kirche komme ich mit zwei Damen ins Gespräch. „Am liebsten würden wir uns von Gelsenkirchen abgrenzen.“ Ich erkenne erste Brüche in der Kumpelkultur. Ich solle etwas Positives schreiben, tragen mir die Damen auf. Bitte schön: Ich esse im „Domgold“, bei Kiki, einen genialen veganen Burger und fahre über die „Schalker Meile“ zurück ins Zentrum. Entlang des Wegs zähle ich mehr S04-Logos als Menschen. Ein Holländer strich hier einst sein Haus gelb, nachts darauf regnete es königsblaue Farbkugeln, die Spritzer erkennt man heute noch.
Ge-rn? Ist man hier vor allem an Spieltagen. Ge-il? Finde ich die Stadt trotzdem, und die Liebe zum Klub, die diese Stadt irgendwie zusammenhält.

NICHT VERPASSEN

Mittwochs ist Bergfest beim „Feierabend! auf’m Heinrich“(-König-Platz). feierabend-markt.de 
75-minütige Arena-Tour samt Schalke Museum, Stadionkapelle und Spielerkabine. schalke 04.de/arenatour 
Im Hans-Sachs-Haus heißt’s: „Wandel ist immer“, Dauerausstellung zur Stadtgeschichte.
gelsenkirchen.de 
Das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen: Für alle Theater- und Tanzliebhaber, Architekturfans, Kunstinteressierte und Opernsüchtige. Und dbmobil.de/reisen/d360/gelsenkirchen-musiktheater

 

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