Duisburg

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Illustration Duisburg
Holly Wales

Sie war für mich oft Durchreisestadt auf dem Weg von Köln nach Hamburg. Mir kommen verschwommene Erinnerungen an „Tatort“-Kommissar Schimanski, Duisburger Raubein mit Schnäuzer, einer Vorliebe für Currywurst und Fäkalfluch auf den Lippen.
Gibt es dieses Schimanski-Duisburg noch? Graue Häuser, Pommesbuden, Kodderschnauze? Womöglich schon, denke ich, als ein Mann aus der Folkwang-Hochschule kommt, vor deren prächtiger Fassade ich stehen bleibe und mir ein „Ja, bitte?“ entgegenbellt. Schnell klärt er mich hilfsbereit auf, warum ich nicht einfach so hereinspazieren kann. „Sie könnten sich ja ’n Bein brechen.“

Graues Ruhrgebiet? Ich muss nicht lange suchen, um ein Duisburg zu finden, das bunt ist wie die dralle Riesenfigur von Niki de Saint-Phalle auf der Königstraße. Voll schillernder, verspielter Kunst wie im Lehmbruck Museum am Kantpark. Dort hat man Skulpturen ein Zuhause gebaut und in den Flachdachbau eine goldglänzende Madonna, einen wolkenhimmelblauen Käfer und Installationen von Jean Tinguely gestellt. Der lässt hier einen Gartenzwerg ganz schnell rotieren. Ich interpretiere das als Selbstironie des Duisburgers.

Sentimental scheint er nicht nur gegenüber seiner Industriekultur zu sein. Die Reno­vierung der alten Stadtkirche wurde 2020 beendet, die spätgotischen Türmchen der Salvatorkirche sind seither wieder ohne Bauplanen über der Stadt zu sehen, drinnen fällt Licht durch die hohen Fenster. Ein Ehepaar kommt mit Einkaufstaschen in die Kirche und bestaunt die zum Himmel strebenden Bögen: „Guck ma, toll.“

Nächster Morgen, Landschaftspark Nord, Gästeführer Alex Schwegl hat einen berühmten Lieblingssatz: „Wat nich passt, wird passend gemacht.“ Er meint den Strukturwandel. Die Duisburger haben aus dem alten Innenhafen, der Getreidekammer der Stadt, einen Ort zum Ausgehen und für die Kunst gemacht. Die einstigen Lagerhallen und Mühlen stehen wie rote Backsteinschlösser am Wasser, drinnen wird gegessen, getrunken und gelacht. Und natürlich der Landschaftspark. „Stadtplaner aus aller Welt kommen, um sich den anzugucken“, sagt Schwegl. Mit ihm klettere ich auf den alten Hochofen, und wir überblicken fast den halben Ruhrpott.

Auf dem Weg zum Bahnhof sehe ich in einem Schaufenster einen „Schimmi“-Pullover mit dem Gesicht von Götz George. Ihren Kommissar haben die Duisburger nicht vergessen. Aber trauern sie ihm nach? Ich glaube nicht.

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Küppersmühle: heute ein Museum von internationalem Rang. museum-kueppersmuehle.de

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„Einfach Brendel“: urige Theke, internationale Gerichte. einfach-brendel.eatbu.com

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