Darmstadt

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit. Unser Autor entdeckt … Darmstadt

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Lesezeit: 2 Minuten
Holly Wales

Alles, was ich von Darmstadt kannte, war der Fußballverein, der regelmäßig gegen meinen Lieblingsklub, den HSV, Punkte holt. Nicht die beste Voraussetzung für eine freundschaftliche Annäherung. Und dann der Name, der bei mir spontan Abwehr auslöste. Dieser Gedanke führt aber in die falsche Richtung, wie ich auf der Zugfahrt lese. Als wahrscheinlich gilt die These, Darmstadt gehe zurück auf die Siedlung eines Wildhüters namens Darimund, ganz bestimmt aber nicht auf das Verdauungsorgan. 
Vor dem Bahnhof erlebe ich die erste Überraschung. Statt des üblichen Gewimmels erwarten mich leuchtende Haltestellenboxen aus Plexiglas in verschiedenen Farben, die den Verkehr nach Bus-, Bahn und Fernbusreisenden sortieren. Nachdem ich die App Heag-mobilo heruntergeladen habe, gebe ich mein Ziel ein und bekomme von Bahn über Bus bis zum Leihrad das gerade schnellste Verkehrsmittel angezeigt. 

In wenigen Minuten bringt mich die Straßenbahn ins Zentrum. Ich besuche das Hessische Landesmuseum, na ja, in Wahrheit flüchte ich vor dem einsetzenden Regen. Ein Glück! Das Museum ist eine Wunderkammer von harrypotterschem Ausmaß, die Türen in die Welt des Wissens und der Kunst öffnet. „Eines der letzten Universalmuseen in Europa“, sagt eine Mitarbeiterin. Was denn den Charme von Darmstadt ausmache, frage ich sie. Sie zögert einen Moment und sagt dann: „Die Stadt muss man sich erschließen.“

Ich versuche es. Störe mich nicht an den funktionalen Klötzen aus den 1950er Jahren. Ich will mir die Rosinen herauspicken. Und gehe weitere Wege dafür. Bis zur Waldspirale, einem Wohnensemble von Hundertwasser mit bunten Keramiksäulen, und bis zum Prinz-Georg-Garten mit vergoldeten Uhren, hinauf zu den Jugendstilgebäuden auf der Mathildenhöhe, einer ehemaligen Küstenkolonie – und muss zugeben: Darmstadt kann sehr schön sein. 

Schlau ist man hier sowieso. 45 000 Student:innen kommen auf 160 000 Einwohner:innen unter ihnen viele KI- und Weltraumforscher:innen. Die Kongresshalle, erfahre ich über die „Darmstadt“-App, verdankt ihren Namen „darmstadtium“ einem Element des Periodensystems, das hier entdeckt wurde. Die „Wissenschaftsstadt“ scheint viel internationales Publikum zu haben, das sich abends mit den Einheimischen in Lokalen wie dem Ratskeller vergnügt. Wie im „Bockshaut“, wo ich unter dem Bild eines Zechers den Spruch „Ich bin besser als mein Ruf“ lese. Kann ich nur unterschreiben – für Darmstadt. 

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Mathildenhöhe mit dem Jugendstilensemble aus Hochzeitsturm, Künstlerhäusern, Platanenhain, Museum. mathildenhoehe.eu 
Weihnachtsmarkt mit Ständen der Partnerstädte aus Ungarn, der Schweiz und Lettland. Ladenlokal Vinocentral mit großer Wein- und Antipasti-Auswahl. ­
vinocentral.de

 

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