Baden-Baden

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Illustrationen Baden-Baden
Holly Wales

Die Beckhams in Baden-Baden – die Nachricht hatte mich verblüfft. Was verschlug das Promi-Paar, das keinen Trend verschläft, im Herbst in die Badener Provinz? Flucht vor Corona? Gab es sonst auf der Welt keine hochglanztauglichen Wellness-Spots mehr, an denen man sich verjüngen kann? Oder hatte ich den Kurort südlich von Karlsruhe nur falsch abgespeichert – als Paradies für Rentner, die mit viel Schampus und PS dem Altwerden entfliehen? 

In der Tourismuszentrale kann man das Vorurteil nicht mehr hören. Lieber verweist man auf einen Artikel in der „New York Times“, der Baden-Baden in einem seligen Zustand „zwischen Belle Époque und Instagram“ verortet. 

Was sollte das heißen? Und weshalb besuchen 1,1 Millionen Gäste pro Jahr eine Stadt mit im Kern 17 000 Einwohnern?  „Sie denken zunächst an Spa und Casino, dann entdecken sie, wie schön es hier ist“, sagt Stadtführerin Marion Hoffmann, als wir zum Rundgang aufbrechen. Schon im 19. Jahrhundert zog der Ort Prominenz aus Politik und Kultur an. Wegen der Thermalquellen, die einst die Römer entdeckt hatten. Brahms und Clara Schumann, Gogol und Dostojewski sollen in der Wandelhalle am Ortseingang zur Konversation an ihrem Fitnessdrink aus tiefen Erdschichten genippt haben. Die Erzählung von Baden-Baden als Jungbrunnen lockt bis heute Scheichs, Oligarchen und Prominente wie die Beckhams an, die hier vorzugsweise im Brenners Park Hotel logieren. 

Prachtvolle Fassaden säumen den Weg ins Zentrum. Die Opulenz der vielen Baustile, Kennzeichen der Belle Époque im 19. Jahrhundert, die Kolonnaden und Confiserien, Parks und Grand Hotels bilden die Kulisse für diese Stadt, in der der Traum vom ewigen Wohlstand wahr geworden zu sein scheint. Wo bin ich hier? In einem Sehnsuchtsort für Menschen, die zwischen Flaniermeilen und Edelboutiquen, prachtvollen Bädern und Cafés ihren Alltag vergessen wollen? Alles hier fühlt sich so behaglich an, und alles hat einen etwas höheren Preis. Nur: Wo ist das neue Baden-Baden? 

Im Hotel „Roomers“ werde ich fündig. Kein Plüsch, dafür ein eher kühles Interieur. Und eine Rooftop-Bar – Grüße nach New York –, die tatsächlich Instagram-Motive liefert. So wie das Restaurant „The Grill“ neben dem Casino und der Bernstein-Club. 

Doch das Neue zeigt sich eher zaghaft in Baden-Baden, das bis heute von seinem alten Glanz lebt. Protz begegnet einem hier selten, dafür betritt man eine wattierte Welt, die am meisten dadurch überrascht, dass es sie auch im 21. Jahrhundert noch gibt. Hier tauche ich gern mal ab.

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