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Kristina Vogel

Am Hauptbahnhof Erfurt spricht die Bahnrad-Olympiasiegerin über Zugfahrten im Rollstuhl und ihr neues Buch

Von:
Lesezeit: 2 Minuten
Jasmin Zwick für DB MOBIL

Frau Vogel, wohin geht’s?

Nach Grünheide bei Berlin. Ich arbeite dort als Radsporttrainerin der Bundespolizeisportschule Kienbaum.

Sie sind also häufiger auf dieser Strecke unterwegs?

Ja, fast jede Woche. Ich fahre generell am liebsten mit dem Zug zu Terminen. Etwa wenn ich Vorträge halte oder als Radsportexpertin für das ZDF im Einsatz bin.

Welche Zugfahrt werden Sie nie vergessen?

2015 fuhr ich mit der Bahn von Erfurt zur Bahnrad-WM nach Paris und gewann! Die Wettkampftage waren unheimlich anstrengend, deshalb verschlief ich fast die ganze Rückfahrt. Die Auszeit habe ich aber sehr genossen, weil ich daheim reihenweise Interviews geben musste.

Seit einem Trainingsunfall 2018 sitzen Sie im Rollstuhl. Wie funktioniert das Reisen mit der Bahn heute für Sie?

Ich kann nicht mehr spontan in einen Zug steigen, sondern muss planen. So bin ich darauf angewiesen, dass mir das Bahnpersonal hinein- und heraushilft, und dieser Service funktioniert nur mit Voranmeldung bis 20 Uhr am Vorabend. Ich muss mich darüber informieren, ob der Zielbahnhof barrierefrei ist. An einigen Regionalbahnhöfen gelangt man nur über Treppen von Gleis zu Gleis.

Fahren Sie 1. oder 2. Klasse?

Vor meinem Unfall immer 1. Klasse, heute in den Bereichen mit eigens eingerichteten Plätzen für Rollstuhlfahrer, die gibt es meist außerhalb der 1. Klasse.

Genau, im ICE 1 sind sie im 1.-Klasse-Wagen. In diesem Monat erscheint Ihre Biografie „Immer noch ich. Nur anders“. Warum war es Ihnen wichtig, Ihre Geschichte aufzuschreiben?

Ich will anderen zeigen: Das Leben mag manchmal hart zuschlagen. Aber man kann selbst entscheiden, wie man weitermacht. Ich konzentriere mich heute auf das, was ich kann, statt auf das, was nicht mehr möglich ist. Ich rolle jetzt halt statt zu laufen.

In einem Interview sagten Sie, der Unfall habe auch eine befreiende Wirkung gehabt. Wie meinen Sie das?

Weltklassesportler stehen unter dem enormen Druck, ständig zu gewinnen. Und man bekommt irgendwann das Gefühl, dass sonst nichts mehr zählt. Das ist auf Dauer sehr kräftezehrend. Diesen inneren Zwang habe ich heute nicht mehr. Es fühlt sich einfach gut an, dass ich mir nichts mehr beweisen muss.

Immer in Bewegung

Kristina Vogel ist zweifache Olympiasiegerin und elffache Weltmeisterin im Bahnradfahren. Seit einem Trainingsunfall 2018 ist sie querschnittsgelähmt. Heute arbeitet die 30-Jährige als TV-Expertin und Radsporttrainerin und setzt sich als Parteilose im Stadtrat ihrer Heimatstadt Erfurt für mehr Inklusion von Menschen mit Behinderung ein. Am 1. März erscheint ihr Buch „Immer noch ich. Nur anders“ (Malik).

Dieses Interview erschien erstmals in DB MOBIL 03/2021.

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