Der zeigt Haltung

Er sieht sich als Sprachrohr der Millennials: Im Titelinterview mit DB MOBIL spricht Schauspieler Jannik Schümann über Familienrituale an Weihnachten, seine glühende Liebe zu Musicals und seinen Rat an homosexuelle Fußballer

Von:
Lesezeit: 9 Minuten
Foto: Markus Jans für DB MOBIL

Der Rauschebart überragt sie alle – den milde dreinblickenden Engel im rosafarbenen Gewand, den Echtholz-Nussknacker und den dunkelgrünen Christbaum aus Plastik. Der mehr als zwei Meter hohe Weihnachtsmann, der sonst im Kaufhaus „Käthe Wohlfahrt“ steht, wacht an diesem sonnigen Herbsttag über das Titelshooting und verbreitet, nun ja, festliche Stimmung. Jannik Schümann schaut sich belustigt um: „Irgendwie unheimlich“ findet er die Kulisse anfangs, fügt sich jedoch schnell ein.

Für den Schauspieler war es ein kurzer Weg ins Fotostudio in Berlin-Mitte, er wohnt seit elf Jahren in der Hauptstadt. Die Festtage verbringt er immer bei seinen Eltern in Kirchwerder, einem ländlichen Stadtteil im Hamburger Umland, in dem er aufgewachsen ist. Vergangenes Jahr machte Schümann am zweiten Weihnachtsfeiertag Schlagzeilen: Er outete sich auf Instagram als homosexuell, als einer der ersten prominenten Vertreter seiner Schauspielergeneration. 

Der 28-Jährige, bekannt aus Kinofilmen wie „Dem Horizont so nah“, der TV-Serie „Charité“ oder für diverse Rollen als Fiesling, etwa in „Jugend ohne Gott“, spielt jetzt Kaiser Franz Joseph in der Neuverfilmung „Sisi“ (nun historisch korrekt mit einem S). Für viele Familien ist das kollektive Gucken der „Sissi“-Trilogie aus den 1950er-Jahren fester Bestandteil der Weihnachtsfeiertage. Fragen wir doch mal den neuen Kaiser, wie er es mit solchen Ritualen hält.

Foto: Markus Jans für DB MOBIL
Bescherung – und nach dem Festessen glücklich matt sein: Am Heiligabend wird bei den Schümanns groß gefeiert, als Fest der Familie. Vor allem seit er drei kleine Nichten hat, habe Weihnachten für ihn noch einmal an Bedeutung gewonnen, so der Schauspieler
Foto: Markus Jans für DB MOBIL

Herr Schümann, wie feiern Sie Weihnachten?

Jedes Jahr komplett gleich. Ich liebe es, am 24. morgens aufzuwachen und genau zu wissen, was passieren wird. Meine Eltern schmücken den Weihnachtsbaum, um 17 Uhr klingelt Mama mit einer Engelsglocke, und erst dann dürfen meine beiden Brüder, deren Familien und ich ins Wohnzimmer. Papa macht Fotos. Wir essen Raclette, und am Ende liegen wir auf der Couch und können uns nicht mehr bewegen. Alle Versuche meiner Mutter, mal ein anderes Essen auszuprobieren, scheitern jedes Jahr. Wir wollen, dass alles genauso ist wie immer. 

Sie sind nun auf RTL+ als Kaiser Franz Joseph zu sehen. Gehören die „Sissi“-Klassiker bei Ihnen auch zum Programm der Festtage?

Nein, aber ich kenne die Filme natürlich, und das Musical „Elisabeth“ habe ich schon mit zehn oder elf Jahren das erste Mal gesehen und danach jedes Mal, wenn es auf Tour kam. Ich bin dafür auch in andere Städte gefahren. Das mache ich heute noch: Ich reise zu Musicals. Ich bin ein Supernerd. 

Wohin ging die weiteste Reise, die Sie dafür gemacht haben?

Nach New York, zum Broadway.

Foto: Markus Jans für DB MOBIL
Ran an den Baum: Zu Hause bei seinen Eltern herrscht Schmückverbot für Schümann und seine beiden Brüder. Und erst wenn ihre Mutter mit einer Engelsglocke bimmelt, dürfen sie am Heiligabend das Wohnzimmer betreten

Welches Musical haben Sie sich angeschaut?

Alle! Ich gehe auf solchen Reisen jeden Abend in ein Musical. Ich war dort acht Tage, ich habe also acht Musicals gesehen. Zum Beispiel „Dear Evan Hanson“, „Mean Girls“, „Waitress“, all die modernen Stücke. Ich bin auch nach London gefahren, um das Westend zu besuchen. An einem Tag habe ich sogar mal zwei Shows geguckt – Matinee und Abendvorstellung –, das war aber zu viel. 

Was sagen Ihre jeweiligen Reisebegleiter:innen dazu? Müssen die mit?

Mein Freundeskreis besteht überhaupt nicht aus Musical-Nerds, ich bin der Einzige. Ich züchte mir gerade andere Freunde ran, mit denen ich das im Alltag erleben kann. Aber auf einer Reise mit meinem Partner muss der jeden Abend mit.  

Wie findet Ihr Freund das?

Mit Felix habe ich das noch nicht gemacht, pandemiebedingt. Aber ich gewöhne ihn momentan daran, Musicals zu mögen. Er muss sie ja nicht so lieben wie ich. 

Das Image von Musicals ist verbesserungswürdig: Viele Leute nehmen sie nicht ernst, und ihre Fans werden von Kunstkenner:innen belächelt.

Vor allem in Deutschland. In England oder Amerika ist es ein ganz anderer Kult: Wenn am Broadway im Musical „Wicked“ das erste Mal die grüne Hexe herauskommt, schreien die Leute, als hätte Miley Cyrus die Bühne betreten. Das passiert bei uns nicht. 

Warum nicht?

Musicaldarsteller sind hierzulande nur Musical-darsteller, und in Amerika sind es Stars.  Hier wird das Musical als „nichts für Intellektuelle“ belächelt. Ich kann verstehen, dass nicht jeder Klassiker wie „Das Phantom der Oper“ mag, aber die wenigsten wissen, was es inzwischen alles gibt. Viele Stücke werden modern und krass von jüngeren Leuten inszeniert. Ich träume davon, in einem solchen Musical mitzuspielen. Meine einzigen Erfahrungen habe ich als Neunjähriger in „Mozart“ und mit 15 in „Ich war noch niemals in New York“ in Hamburg gemacht. 

Sie sind in Kirchwerder im Hamburger Umland groß geworden, leben aber seit elf Jahren in Berlin. Wo sind Sie zu Hause?

Kirchwerder ist meine Heimat, Berlin mein Zuhause.

Starker Spieltrieb

Geboren am 22. Juli 1992 in Hamburg als Sohn einer Arzthelferin und eines Maurers. Seinen ersten Job hat er mit neun als kleiner Amadé im Musical „Mozart!“ in Hamburg.  Mit 17 macht er Abitur und zieht nach Berlin.  Die erste Hauptrolle im Kino hat Schümann 2013 in „Spieltrieb“, nach einem Roman von Juli Zeh.  Kaiser Franz: Nun ist er in der Neuverfilmung der „Sissi“-Trilogie zu sehen: Die Serie „Sisi“ läuft ab 12.12. auf RTL+ und ab 28.12. auf RTL. Seit mehr als 15 Jahren spricht Schümann Justus in „Die drei Frage­zeichen Kids“.  Er liebt Puzzles und vor allem Gesellschaftsspiele: „So sehr, dass ich meine Familie gezwungen haben, auch damit anzufangen.“  

Foto: Markus Jans für DB MOBIL
Strähnen zwischen den Szenen: Wenn er in einer Rolle vor der Kamera steht, darf Schümann sein Äußeres kaum verändern. Zur Zeit des Shootings hatte er drehfrei – und kam mit blondierten Haaren ins Fotostudio
Foto: Markus Jans für DB MOBIL
Alles ist erleuchtet: Schümann posiert vor einem digitalen Christbaum

Was macht Berlin zu Ihrem Zuhause?

Das Leben ist schnell und abwechslungsreich hier. Meins besteht aus Kultur: Ich gehe ins Museum, ins Theater, ich habe eine Jahreskarte fürs Kino und gehe dort zwei-, dreimal die Woche hin. Und wenn ich Berlin mit anderen Großstädten wie Hamburg, Köln oder München vergleiche, findet man hier noch mal eine andere Offenheit, Freiheit, eine andere Toleranz. Berlin ist eine wirklich bunte Stadt. 

Sie machen sich für die LGBTQI+-Bewegung stark, waren 2018 auf einer Anti-AfD-Demo und haben kürzlich per Videobotschaft zum Klimastreik aufgerufen. Warum ist es Ihnen wichtig, öffentlich Haltung zu zeigen?

Ich versuche, ein Sprachrohr zu sein für diejenigen, die in einer gerechteren, freieren Welt leben wollen. Ich sehe das als meine Verantwortung, mit der Reichweite, die ich habe. Ich zähle auf unsere Generation und auf die, die jetzt kommt, und der einfachste Weg, diese Generationen zu erreichen, ist der über die sozialen Medien. Auch deshalb habe ich vor einem Jahr dort den Post gemacht, der mich mit meinem Freund zeigt.  

Weihnachten 2020 haben Sie ein Foto von sich und Ihrem Partner Felix veröffentlicht und darunter ein Herz gesetzt. Warum gerade zu diesem Zeitpunkt?

Das Coronajahr hatte viel damit zu tun. Es war ein Jahr, in dem wir wahrscheinlich alle mehr als jemals zuvor reflektiert und festgestellt haben, was im Leben am wichtigsten ist. Hinzu kam: Die einzigen öffentlich homosexuellen Männer, die aus meiner Branche damals deutschlandweit bekannt waren, waren Clemens Schick und Jochen Schropp. In meiner Generation gab es damals niemanden. Das war auch ein Grund für mich. Denn es wird sich nichts ändern, wenn nicht einer anfängt.

Foto: Markus Jans für DB MOBIL

Kurze Zeit später kam #actout: ein Manifest, in dem sich 185 deutsche Schauspieler:innen, die schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär oder transsexuell sind, in der „Süddeutschen Zeitung“ gezeigt haben, ein Teil zum ersten Mal. Sie haben auch teilgenommen. Wie waren die Reaktionen?

Es wurde natürlich gestaunt, wie viele bekannte Schauspieler:innen nicht heterosexuell sind. Viele Leute haben positiv reagiert, aber wir bekamen zum Beispiel auch zu hören, dass wir das nur gemacht hätten, um in die Medien zu kommen.  

Man hört, manchen Teilnehmer:innen sei von ihren Agenturen abgeraten worden, sich zu outen. 

Ich habe vergangenes Jahr mit einer jungen Kollegin darüber geredet, die Teil des Manifests ist. Sie wird von einer renommierten Agentin vertreten, die ihr stark von der Teilnahme abgeraten hat. Die Sorge war, dass sie anders wahrgenommen, anders besetzt werden könnte. Ich freue mich auf das nächste Event, auf dem ich dieser Agentin gegenüberstehe. Dann werde ich ein sehr hitziges Gespräch mit ihr führen. 

Was wollen Sie ihr sagen?

Dass ich es unfassbar finde, Menschen in ihrer Entwicklung zu hemmen und ihnen absurde, veraltete Wertvorstellungen und Lebensformen nahezulegen. Leute wie diese Agentin sind schuld, dass Menschen daran gehindert werden, ein offenes, freies und gutes Leben zu führen. Insgesamt bin ich aber vor allem glücklich über diese große Bewegung. Ich hoffe, dass andere Branchen uns folgen. 

Welche zum Beispiel? Könnten Sie sich vorstellen, dass sich im Fußball so etwas formieren würde?

Ich bin manchmal zu hart und direkt und ecke auch oft an, weil ich radikal denke. Aber es macht mich sehr wütend, dass Fußballer nicht endlich mal den Mund aufbekommen und als Branche überhaupt nicht vertreten sind im LGBTQI+-Bereich. Da hilft es auch nicht, eine Regenbogenflagge in die Hand zu nehmen und zu sagen: „Wir stehen dazu.“ Eigentlich müssten sich alle outen. Stellen Sie sich vor, es würde eine  #actout-Bewegung für den Fußball geben: 185 deutsche Spieler:innen würden sich zusammentun und öffentlich als queer bezeichnen. Das wäre mein Traum. 

Was glauben Sie – würden Sie sich als aktiver Bundesligaspieler outen?

Mir ist bewusst, dass das eine andere Branche ist. Und dass ich in einer Position bin, die ich mir besser hätte nicht erträumen können. Aber trotzdem: Ja, wenn ich aktiver Spieler wäre, würde ich mich outen – oder mir einen anderen Beruf suchen. Ich würde nicht in einer Branche arbeiten wollen, in der ich nicht akzeptiert werde, wie ich bin. Zu verheimlichen, wer ich wirklich bin, wäre für mich keine Option.  

Auch Sie haben allerdings zehn Jahre gewartet, bis Sie Ihre Homosexualität öffentlich machten.

Das hatte andere Gründe. Ich wollte mein Privatleben aus der Öffentlichkeit raushalten. Aber ich habe nichts verheimlicht. Innerhalb der Szene war es kein Geheimnis, und ich bin mit Felix Hand in Hand durch die Stadt gelaufen. Wenn Produzenten oder Regisseure gefragt haben, mit wem ich zusammenlebe, habe ich die Wahrheit gesagt. 

Ich habe mich geoutet, als ich 18 war. Komischerweise haben meine Eltern es nicht geahnt.

Wie haben Ihre Eltern reagiert, als Sie ihnen mit 18 erzählt haben, dass Sie homosexuell sind?

Ich habe mich geoutet, nachdem ich es zwei Jahre mit mir herumgetragen hatte, in denen es niemand wusste. Komischerweise haben meine Eltern es überhaupt nicht geahnt. Und als ich es erzählt habe, war auch nicht gleich Friede, Freude, Eierkuchen – ich musste meiner Familie schon Zeit geben, sich an diese neue, für sie unbekannte Art zu leben zu gewöhnen. Sich gedanklich umzuorientieren, dass ich nicht derjenige sein werde, der irgendwann mit Frau und Kind bei meinen Eltern auf der Couch sitzt. Vielleicht mit Mann und Kind, klar, nur eben anders, als sie es bis dahin angenommen hatten. Aber ich hatte keine Sekunde lang Angst, dass ich verstoßen werde. Es stand nie außer Frage, dass es angenommen wird, und es hat nicht lange gedauert, bis es kein Thema mehr war. 

Heute sind Jugendliche wesentlich offener. Da ist kein Outing nötig, weil die sexuelle Ausrichtung nicht geheim gehalten wird, und Eltern werden gefragt, warum sie Menschen überhaupt „labeln“ müssen. Heißt das, wir müssen nur noch etwas abwarten, und das Thema erledigt sich von selbst? 

Wir sind in unseren Großstadt-Bubbles richtig weit, aber außerhalb dessen denken viele immer noch sehr rückständig. Allerdings kann ich auf mein Privatleben bezogen sagen, dass meine drei Nichten und zwei Patenkinder auf dem Dorf selbstverständlich damit aufwachsen, dass sie einen schwulen Onkel haben. Ich kannte keine einzige homosexuelle Person früher. 

Sie haben nach Veröffentlichung des Instagram-Fotos erzählt, dass auch Sie Angst davor gehabt hätten, bestimmte Rollen nicht mehr zu bekommen. 

Ja, das war kurz vor dem Post ein Gedanke. Weil es damals keine Vorreiter:innen gab und ich nicht wusste, was passieren wird. Dennoch stand außer Frage für mich, dass ich es tue. Ich wusste: Wenn ich deshalb nicht besetzt werde, möchte ich auch gar nicht mit den betreffenden Leuten zusammenarbeiten. Aber es ist nie passiert. Und es soll nicht arrogant klingen, doch die Leute haben ja gesehen, dass ich einen hetero­sexuellen Liebhaber spielen kann.

Warum auch nicht – Sie sind Schauspieler.

Und nur weil ich zig Mörder gespielt habe, habe ich ja im echten Leben noch niemanden umgebracht. Der private Jannik hat in dem Moment, in dem ich vor die Kamera trete, nichts mit der Person zu tun, die ich darstelle. Trotzdem setzen es die Leute gleich, sonst wäre das alles kein Thema. Das ist ja so traurig daran.   Wenn man sich Ihre Filme anschaut, fällt auf, dass Sie oft Frauenhelden oder Mörder spielen. Welche Rolle gefällt Ihnen besser? Ich finde die fiesen Rollen viel geiler. So eklig das ist – aber das Faible für das Böse ist ja in uns verankert. Und die Bösen sind die spannenderen Charaktere. Batman ist der tolle Held, der die Welt rettet, und alle klatschen. Aber wie viel spannender ist bitte der Joker? Warum wurde er so, wie er ist? 

Ich finde die fiesen Rollen viel geiler. So ekelig das ist – aber das Faible für das Böse ist ja in uns verankert.

Foto: Markus Jans für DB MOBIL
„Grease“ im Pott: In seinem nächsten Projekt, einer Serie, die im Bochum der 1970er-Jahre spielt, wird Jannik Schümann einen Discotänzer geben – „wie John Travolta“. Der Blick stimmt schon mal
Foto: Markus Jans für DB MOBIL

Ihre Kollegin Diane Kruger hat im Interview mit  DB MOBIL mal gesagt, sie halte es für unmöglich, sich in etwas einzufühlen, was einem völlig unbekannt sei. Was aus einem Schauspieler rauskomme, müsse zuvor reingekommen sein. Wie bereiten Sie sich auf die fiesen Rollen vor?

Ich gehe natürlich nicht in den Knast und rede mit einem Mörder. Ich mag aber die neuen Doku-Serien auf Netflix, die Interviews mit Serienmördern zeigen. Da kann ich lernen: Wie reden diese Menschen? Was haben die für Ticks, für Eigenarten?  Was schauen Sie privat am liebsten? Ich liebe Kitsch. „Tatsächlich Liebe“ zum Beispiel ist alljährliche Pflicht, „Liebe braucht keine Ferien“ ebenso. Ich mag auch historische Stoffe. Mein absoluter Lieblingsfilm ist allerdings „Billy Elliot“. Der Film ist hochemotional, und die Handlung hat viele Parallelen zu meinem Leben. 

Wo liegen die Ähnlichkeiten?

Ich kann mich sehr mit Billy identifizieren. Ich komme wie er aus einer Arbeiterfamilie, ich bin in einem Dorf aufgewachsen, in dem die Jungs „typisch männliche“ Hobbys wie Fußball oder Boxen ausüben und nicht tanzen, und wie Billy habe ich trotzdem als Kind lieber getanzt. 

Wurden Sie deshalb gehänselt?

Nein, ich hatte Glück. Ich wurde in Ruhe gelassen. Ich hatte immer eine innere Stärke, und die habe ich wohl ausgestrahlt. Ich hatte allerdings vor allem Freundinnen – ich war der Junge in einer großen Mädelsgruppe. 

Ihr Vater ist Maurer, Ihre beiden älteren Brüder ebenfalls, und Ihre Mutter arbeitet als Zahnarzthelferin. Gibt es außer Ihnen noch einen Künstler oder eine Künstlerin in Ihrer Familie?

Ich bin der einzige, mit Abstand! (Lacht) Es gibt niemanden sonst: Tanten, Onkels, Omas, Opas – null. Ich habe die Suche aufgegeben.  

Haben Ihre Eltern Sie auf Ihrem Weg unterstützt oder auch mal gesagt: „Jetzt mach doch mal was Ordentliches, Junge!“?

Nein, nie. Ich habe ja zwei ältere Brüder, und die haben sich für Fußball interessiert, außerdem stand schon früh für sie fest, dass sie Maurer werden wollten. Dadurch hatte ich einen Freifahrtschein. Meine Eltern haben sich gefreut, dass sieben Jahre nach meinem mittleren Bruder noch mal so ein kleiner Wurm kam, und sie dachten sich, mal gucken, was passiert.  

Sie haben Ihre Eltern in einem Interview als Role Models für Beziehungen bezeichnet. Inwiefern?

Sie sind seit über 40 Jahren zusammen und immer noch glücklich. Sie haben drei Kinder großgezogen, die auf ihren eigenen Beinen stehen, sich selbst gefunden und die passenden Werte fürs Leben mitbekommen haben. Das ist wirklich toll.

Auf die Ohren 

Sie wollen noch mehr über Jannik Schümann wissen? Dann hören Sie in den DB MOBIL ­Podcast „Unterwegs mit …“ rein, für den der Schauspieler mit Michel Abdollahi im ICE unterwegs war. Mehr dazu auf dbmobil.de/podcasts

Schreiben Sie uns!

Der Artikel hat Ihnen gefallen, Sie haben eine Frage an die Autorin/den Autor, Kritik oder eine Idee, worüber wir einmal berichten sollten? Wir freuen uns über Ihre Nachricht.

Teilen