No Page Title

Ich will mit Jena aber nicht zu streng sein. Ist schließlich nicht leicht, stets an diesem Namen gemessen zu werden, der bei jeder Gelegenheit zu Werbezwecken strapaziert wird. Trotzdem hoffe ich, auch im Stadtzentrum Paradiesisches zu finden. Ich spaziere also gen Norden zur Schillergasse (die von der Schillerstraße abgeht), in der Schillers Gartenhaus steht, das wiederum in der Obhut der Friedrich-Schiller-Universität ist. 1797 kaufte der Dramatiker das Häuschen und schrieb Teile des „Wallenstein“ hier. Abends saß er oft mit Johann Wolfgang von Goethe im Garten, dann plauschten die Dichterfürsten an dem unscheinbaren Steintisch, an dem ich jetzt raste. Ein Goethe-Zitat auf einer Tafel bescheinigt dem Garten, die beiden hätten hier „manches grosse Wort“ gewechselt. Ich habe nur meinen Hund dabei, mit dem ich wahrlich kein großes Wort wechseln kann. Ob der Ort wenigstens den Professor und die Studenten inspiriert, die gerade auf Schillers Wiese ein Seminar abhalten?