24 Stunden in... Konstanz

Artikel: 24 Stunden in... Konstanz

Zum ersten Mal in der Stadt? Kommen Sie mit. Unsere Autorin Maria Timtschenko entdeckt Konstanz.

Vor Kurzem besuchte ich einen Freund in Konstanz. Es war kein langer Aufenthalt. Aber ein kurzer Kaffeeklatsch und ein paar Hundert Meter, die der Zug entlang des Bodensees rollt, vorbei an Gründerzeit- und Jugendstilbauten, reichten, um in mir einen spontanen Wunsch auszulösen: Hier will ich einmal leben! So überkommt es einen ja manchmal. Ich kehre also wenig später zurück, um zu prüfen: Sollte ich hier wohnen?

Ich komme abends in Konstanz an, alle Weinwirtschaften rings um das Münster sind belegt. Ich bestelle mir Schmalzschnitte und Tannenzäpfle – Bier aus der Badischen Staatsbrauerei – und setze mich auf eine Kaimauer am Bodensee. Kurz danach lerne ich Eddie und Antje kennen, sie legen mit ihrem Bötchen an. Nach Feierabend führen sie oft raus zum Angeln, erzählen sie, bei warmem Wetter zum Baden. „Wenn Sie mal hier wohnen, melden Sie Ihr Kind am besten gleich nach der Geburt für einen Anlegeplatz an. Zum 18. Geburtstag könnte er frei werden“, rät Antje. 

Am nächsten Morgen will ich selbst hinaus auf den 536 Quadratkilometer großen Bodensee und steige auf die Fähre ins gegenüberliegende Meersburg. 30 Minuten Fahrt, laue Luft, türkis blitzendes Wasser, und am Horizont erhebt sich das Alpenvorland. Hier lässt sich Urlaub machen. Und das tun viele: Auf etwa 84.000 Einwohner kommen knapp eine Million Übernachtungen pro Jahr.

Wieder angelandet, treffe ich mich mit Daniel Groß, 54 Jahre. Er arbeitet hier seit Jahrzehnten als Stadtführer. Groß zeigt mir Konstanz, wo es nicht ganz so schön ist – in einem Schissgässle, einem schmalen Weg zwischen zwei Fachwerkhäusern aus dem 13. Jahrhundert. „Diente damals als Abort und Müllhalde“, erklärt Groß. Die Idee: Beim nächsten Regen wäscht sich das weg; am Ende floss nur alles in den Bodensee, der erst nach der Renaturierung in den 60er-Jahren Trinkwasserqualität bekam.

Wir gehen zum Triumphbogen, einem Werk des Bildhauers Peter Lenk, der vom Bodensee stammt: Zwei dicke Alte aus Beton baden in einem Brunnen. Ihnen gegenüber räkelt sich eine junge Frau, beobachtet wird alles vom Papst im Papamobil. Viele konservative Konstanzer seien nach der Enthüllung des Kunstwerks Anfang der Neunziger entrüstet gewesen, mittlerweile sei es eine Sehenswürdigkeit, erinnert sich Groß. Andererseits verleihen 17.000 Studenten der Stadt ein liberales Klima. Der Zwiespalt gefällt mir. Bei Käsespätzle überlege ich mir: Wären die Mieten in Konstanz nicht noch höher als in Hamburg, würde ich glatt herziehen. So komme ich aber sicher noch mal zum Urlaubmachen her.

Nicht verpassen

  • Das Münster war zwölf Jahrhunderte lang Bischofssitz und vereint Baustile verschiedener Epochen. kath-konstanz.de
  • Besuchen Sie Mainau, eine Bodensee-Insel  mit teils tropischer Vegetation. mainau.de
  • Kulturgeschichtliches zum Bodensee finden Sie im Rosgartenmuseum. rosgartenmuseum.de