Grüne Pracht mit Langzeitwirkung

Thüringens Landeshauptstadt Erfurt richtet in diesem Jahr die Bundesgartenschau, kurz BUGA, aus. DB MOBIL wirft einen Blick auf ehemalige BUGA-Areale der vergangenen 70 Jahre, die auch heute noch einen Besuch wert sind

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Die Bundesgartenschau 1985 in Berlin

Gartenbauausstellungen haben in Deutschland eine lange Tradition. Die erste „Internationale Land- und Gartenbauausstellung“, die man als Vorläuferin der heutigen Bundesgartenschauen bezeichnen könnte, öffnete im September 1865 in Erfurt ihre Tore. In diesem Jahr schließt sich der Kreis, denn die aktuelle BUGA findet noch bis zum 10. Oktober ebenfalls in der thüringischen Landeshauptstadt statt. Doch nicht nur die laufende Schau ist einen Besuch wert – eine kleine Rundreise zu den Stätten früherer BUGA zeigt, dass viele ausrichtende Städte bis heute von den Ausstellungen profitieren.

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1951 fand in Hannover die erste Bundesgartenschau nach dem Krieg statt

Hannover: Erste Nachkriegs-Bundesgartenschau

1951 fand in Hannover die erste Bundesgartenschau der Nachkriegszeit statt – in Niedersachsen ist es bis heute die einzige geblieben. Deutschland war noch schwer vom Krieg gezeichnet, die BUGA sollte die Besucher:innen von den Mühen des für viele noch schweren Alltags ablenken. Mit Tausenden Ballen Torf, Wagenladungen voll Kuhdung und 150 Tonnen Klärschlamm wurde der von Bomben verbrannte Boden im ehemaligen Stadthallengarten – dem heutigen Stadtpark – rekultiviert. Neben 40 Linden pflanzten die Hannoveraner:innen rund um ein Wasserbecken außerdem Eichen, Birken und Blumen. Am 28. April eröffnete der damalige Bundespräsident und Schirmherr Theodor Heuss die Schau. Das Gelände des Stadthallenparks ist samt seiner Rhododendren und dem Rosengarten mit über 140 Arten bis heute erhalten: Es steht unter Denkmalschutz und gehört zum Hannoveraner Stadtpark.

 

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Kassel, 1955

Kassel: Ein Schub für die zerstörte Stadt

1955, zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, erhoffte man sich auch in Kassel einen positiven Effekt der BUGA auf das Erscheinungsbild der Stadt und das Lebensgefühl ihrer Einwohner:innen. Der barocke Staatspark Karlsaue samt der Orangerie war größtenteils zerbombt – nun wurde das Gelände neu gestaltet, die zerstörte Orangerie zumindest provisorisch hergerichtet. Der Park diente während der Ausstellung auch als Ort, um die Exponate der allerersten documenta auszustellen, die inzwischen längst als eines der wichtigsten Kunstfestivals der Welt gilt. Heute dient das innenstadtnahe Areal den Kasseler:innen als schnell erreichbares Erholungsgebiet, gern nutzen auch die vielen Student:innen der Stadt die Auen zum Liegen, Lernen, Lümmeln und natürlich als Selfie-Kulisse.

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Der Dortmunder Westfalenpark 1969

Dortmund: Damals BUGA, heute Festivalgelände

Im Frühjahr 1969 fand die Bundesgartenschau im Dortmunder Westfalenpark statt. Schon zehn Jahre zuvor wurde in der nordrhein-westfälischen Industriestadt eine BUGA ausgerichtet, nun wurde deren Gelände auf insgesamt 60 Hektar Fläche erweitert. Die Schau stand unter dem Motto „Wasser“. Eines ihrer Highlights war das „Wasserherz“ des Bildhauers Norbert Kricke: Die Großplastik ist einem anatomischen Herz nachempfunden, das Stahlbänder in sechs Kammern mit unterschiedlichen Höhenniveaus teilt. Im sogenannten Rosarium – einem Areal, auf dem damals 3.000 Rosenarten aus aller Welt zu sehen waren – finden heute populäre Veranstaltungen wie zum Beispiel das Festival Juicy Beats und das A-Cappella-Festival, aber auch Flohmärkte statt.

 

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Bonn, 1979

Bonn: Eine Agrarfläche wird zum Erholungsgebiet

7,6 Millionen Menschen besuchten im Sommer 1979 die Bundesgartenschau in Bonn. Für die Anlage wurden bis dahin landwirtschaftlich genutzte Flächen entlang des Rheins zwischen Bonn und Bad Godesberg zum Erholungsgebiet entwickelt: die Rheinaue in unmittelbarer Nähe des Regierungsviertels. Um Hügel, Seen und Spielplätze anzulegen sowie ein insgesamt 45 Kilometer langes Wegenetz zu schaffen, mussten 2,2 Millionen Kubikmeter Erde bewegt werden. Der damaligen Bundeshauptstadt kamen zudem Gaben anderer Länder zugute – so ist der Japanische Garten im Zentrum der weitläufigen Parkanlage ein Geschenk der japanischen Regierung. Bis heute schätzen und nutzen die Bonner:innen, aber auch viele Tourist:innen die Rheinaue als Naherholungsgebiet. Im Sommer finden hier zudem (wenn Corona es nicht verhindert) Festivals, Freiluftkonzerte und Theateraufführungen statt.

 

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West-Berlin, 1985

West-Berlin: Grüne Lunge für die Millionenstadt

Das ehemalige West-Berlin, weit entfernt von der Bundesrepublik und vom eigenen Umland abgeschnitten, bekam 1985 dank der Bundesgartenschau einen eigenen Landschaftspark. Der Britzer Garten gilt heute als eines der attraktivsten Erholungsgebiete der Hauptstadt, kostet allerdings Eintritt, um den hohen Standard zu gewährleisten. Den zu zahlen sind aber rund 1,2 Millionen Besucher:innen pro Jahr bereit. Mittelpunkt des BUGA-Geländes war ein zehn Hektar großer, künstlich angelegter See, für dessen Anlegung eine Million Kubikmeter Boden ausgehoben wurden. Viele BUGA-Einrichtungen kamen den Berliner:innen auch nach der Schau zugute, so wurden zum Beispiel Ausstellungshallen zu Sporthallen umgebaut.

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Cottbus, 1995. Die erste Bundesgartenschau nach der Wiedervereinigung

Cottbus: Erste BUGA nach der Wende

Fünf Jahre nach der Wiedervereinigung gab es 1995 zum ersten Mal eine Bundesgartenschau in den neuen Bundesländern – im brandenburgischen Cottbus. Der dafür eigens angelegte Spreeauenpark sollte die Lücke zwischen den städtischen Grünanlagen und dem Branitzer Park schließen. Im Sog der BUGA kam die Sanierung der Stadt kräftig in Fahrt, die Ausstellungshallen wurden später in Messeflächen umgewidmet, zudem kurbelte die Gartenschau den Tourismus an. Heute kann man wunderbar in den seit damals aufgewachsenen Eichenalleen und Buchenwäldern flanieren, auf Wiesenflächen picknicken und die Staudengärten am Wasser bestaunen.

 

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Magdeburg, 1999

Magdeburg: Progressive Holzarchitektur statt Sowjetkasernen

Sieben Jahre bevor die BUGA in Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg gastierte, standen auf dem dafür auserkorenen Gelände noch sowjetische Panzer. Für die Bundesgartenschau 1999 wurde das Areal in den reizvollen, abwechslungsreichen Elbauenpark verwandelt. Sein besonderes Highlight, damals wie heute: der Jahrtausendturm. Mit 1.650 Tonnen verbautem Holz ist der Turm die höchste Holz-Leimbinder-Konstruktion (60 Meter) der Welt.

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München, 2005

München: Von der BUGA zum neuen Messegelände

Anfang der 1990er-Jahre verlegte die Stadt München ihren Flughafen vom Osten ins Erdinger Moos. Zurück blieb ein 500 Hektar großes Areal, das einige Jahre später zum Messegelände umgestaltet werden sollte. Das Ziel der BUGA-Veranstalter:innen, die 2005 ihre Schau hier ausrichten wollten, war es, diese Umbaumaßnahmen zu unterstützen. So entstand – unter Einbeziehung des Stadtteils Riem – Münchens drittgrößte Parkanlage. Heute verbindet der Riemer Park Messehallen, Grünanlagen und Wohngebiete.

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Zwei Städte und ein Landkreis als Ausrichter: Die BUGA 2007 in Thüringen

Thüringen: Zwei Städte, ein Landkreis – eine BUGA

2007 wurde die Bundesgartenschau zum ersten Mal nicht an eine Stadt, sondern gleich an drei Träger vergeben: Gera, das östlich davon gelegene Ronneburg und der Landkreis Greiz organisierten die BUGA gemeinsam. Während der Sommermonate zeichnete sich der 30 Hektar große Hofwiesenpark in Gera durch eine geradezu verschwenderisch wirkende Blumenpracht aus. In der Neuen Landschaft Ronneburg, in der früher Uranerz abgebaut wurde, lag der Schwerpunkt dagegen auf Renaturierung; wo früher der Tagebau geherrscht hatte, wurden Wiesen angelegt. Beide Areale sind zudem durch einen Gürtel von Grünanlagen verbunden, der sich von Gera bis ins zehn Kilometer entfernte Ronneburg zieht.

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Heilbronn, 2019

Heilbronn: Nicht nur Garten-, sondern auch Bauausstellung

Auch in Heilbronn wurde bei der bisher letzten Bundesgartenausstellung 2019 die Chance genutzt, nicht nur Gartenkunst zu zeigen, sondern auch einen Teil der Stadt umzuplanen und neu zu gestalten. So war auf einem ehemaligen Gewerbe- und Industriegebiet nicht nur die 40 Hektar große Gartenbauausstellung zu sehen, sondern auf einer Fläche von drei Hektar außerdem eine sogenannte Stadtausstellung mit einer Gruppe von 23 innovativen Gebäuden. Nach dem Ende der BUGA entstand daraus ein neues Quartier mit dem Namen Neckarbogen, in dem rund 3.500 Menschen wohnen sollen. Im Rahmen der Gartenschau entstanden zusätzlich zwei Seen, weitläufige Grünflächen und sechs neue Spiel- und Sportanlagen.

Bundesgartenschauen sind und waren schon immer weit mehr als schön anzusehende Gärten. Jede von ihnen stellt eine Vision vor, eine Idee, wie wir in Zukunft zusammen und im Einklang mit der Natur leben wollen. Vielleicht bekommen Sie bei einem Besuch der diesjährigen BUGA in Erfurt oder einer BUGA der vergangenen 70 Jahre ja auch eine neue Vorstellung davon, wie Sie sich Ihre Zukunft einrichten wollen. Und wenn nicht, dann waren Sie einfach mal wieder im Grünen. Viel Spaß!

 

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