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Diese 30 Frauen machen Deutschland besser

Ob die erste Kabarettistin im deutschen Fernsehen, die jüngste Sterneköchin Deutschlands oder die „Head of Menstruation“ in einem Berliner Start-up: Wir zeigen Ihnen 30 Frauen, die die Welt für Frauen zu einer besseren machen

Von:
Datum: 08.03.2021
Lesezeit: 10 Minuten
Getty Images

1. Sterneköchin Julia Komp

Von „Frauen in Männerberufen“ kann man heute kaum noch ernsthaft schreiben, glaubt man doch, dass viele Frauen sich längst auch in Managerpositionen oder Kfz-Werkstätten durchgesetzt haben. Doch Statistiken zeigen ein anderes Bild: 2019 gab es in Deutschland 309 Sterneköchinnen und -köche, unter den Ausgezeichneten waren jedoch lediglich zehn Frauen. Eine von ihnen ist Julia Komp. Sie hat sich ihren ersten Stern schon 2016 erkocht, war damit Deutschlands jüngste Sterneköchin und ein Vorbild für andere.

2. Podcasterin Anissa Brinkhoff

Andreas Sibler
Anissa Brinkhoff

Frauen verdienen laut des Statistischen Bundesamts im Schnitt 19 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Dafür gibt es sogar ein Wort: Gender-Pay-Gap – zu Deutsch etwa: „Geschlechter-Gehaltslücke“. Auch durch die Elternzeit, die weit überwiegend die Mütter wahrnehmen, geraten Frauen finanziell häufig ins Hintertreffen. Anissa Brinkhoff betreibt den Podcast „What the Finance – Finanzpodcast für Anfängerinnen“, in dem es genau um solche Themen geht: Verhandlungsgeschick bei Gehaltsgesprächen, Vergütung für Care-Arbeit, gemeinsame steuerliche Veranlagung von Paaren und vieles mehr.

3. Journalistin Esra Karakaya

Die politischen Talkshows von ARD und ZDF waren 2018 nur zu einem Drittel mit Frauen besetzt. Esra Karakaya versucht das zu ändern. In ihrem Webvideoformat „Karakaya Talk“ für den Jugendsender Funk führte sie Gesprächsrunden mit Überschriften wie: „Homophobie im Islam“, „Body Positivity: Nur für Dicke?“ oder „Vorurteile gegenüber ,Asiaten‘“. Sie lud dazu jeweils genau solche Gäste ein, die von dem Thema betroffen waren und legte bei der Auswahl ihrer Gesprächspartner die Latte der Diversität, bei der es nicht nur um die Gleichbehandlung von Mann und Frau geht, sehr hoch.

4. Intendantin Julia Wissert

China Hopson
Julia Wissert

Die Studie „Frauen in Kultur und Medien“ zeigte 2016, dass 78 Prozent aller Theater im deutschsprachigen Raum von Männern geleitet werden. Julia Wissert ist als Intendantin des Dortmunder Theaters seit dem vergangenen Jahr nicht nur eine der wenigen Frauen in dieser Position, sondern auch die erste Person of Color. Und sie hat angekündigt, das Theater zu einem „Ort für alle“ zu machen.

5. Schauspielerin Maria Furtwängler & Musikerin Elisabeth Furtwängler

Frauen sind Krankenschwestern, Männer sind Drogenbosse. Frauen sind hoffnungslos verliebt, Männer werden zu Actionhelden – so lässt sich zusammenfassen, was im Rahmen einer Studie des Instituts für Medienforschung der Uni Rostock zum Casting deutscher Schauspielerinnen und Schauspieler herauskam. Frauen spielen überhaupt nur in 35 Prozent der deutschen Produktionen auf Streaming-Plattformen eine tragende Rolle. Und wenn, dann sind dies zu 49 Prozent Romantik-Formate. In zwei Dritteln der Fälle ist die Hauptfigur in einem Beruf tätig, der die emotionale Kompetenz betont – oder aber im Handel oder im Gesundheitswesen. Unterstützt wurde die Studie (wie auch andere zu dem Thema) von der Stiftung malisa, die von der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth 2016 ins Leben gerufen wurde und auf solche Verhältnisse aufmerksam machen will.

6. Luft- und Raumfahrtingenieurin Claudia Kessler

Klampäckel
Claudia Kessler

Claudia Kessler hat es sich mit ihrem Programm „Die Astronautin“ zum Ziel gesetzt, 2022 die erste Deutsche auf eine Mission zur Raumstation ISS zu schicken. Schon 2009 hatte die Luft- und Raumfahrtingenieurin das Netzwerk „Women in Aerospace Europe“ gegründet, bis 2018 war sie CEO bei HE Space. Die Firma ist spezialisiert auf Personalrekrutierung im Raumfahrtsektor – und selbst ein gutes Beispiel dafür, dass auch in technischen Berufen ein Anteil an Frauen von mehr als 50 Prozent realisierbar ist.

7. Rapperin Nura Habib Omer

Mit ihrer Kollegin Juju alias Judith Wessendorf war Nura Habib Omer bis 2018 als Rap-Duo SXTN unterwegs. In Liedern wie „Ausziehen“ sangen sie Zeilen wie: „Zeig ma’ bisschen Haut und zieh dich aus // Stell dich nicht so an, denn ich bin hier der Mann“. Sie machten sich damit über den Machismo lustig und stärkten den Frauen in einer männerdominierten Popkultur den Rücken. 

8. Kabarettistin Maren Kroymann

Mathias Bothor
Maren Kroymann

Bis Maren Kroymann vor die TV-Kamera trat, führten Frauen im Fernsehen eher ein „Ergänzungsdasein“, wie sie es nennt. Vor allem im Kabarett gaben sie überwiegend den Sidekick, wie beispielsweise Evelyn Hamann neben Loriot. Kroymann war die erste Frau, die sich als Autorin ihre eigene kabarettistische TV-Show schreiben konnte: In „Nachtschwester Kroymann“ thematisierte sie schon Anfang der 1990er-Jahre sexuelle Belästigung und demontierte munter stereotype Frauenbilder. 

9. Politikerin Laura Patricia Kasprowski

Der Deutsche Bundestag ist nur zu einem Drittel mit Frauen besetzt, und Transmenschen sind in der Politik sogar fast völlig unsichtbar. Laura Patricia Kasprowski will das ändern. Die 20-Jährige engagiert sich als CDU-Kommunalpolitikerin in Mülheim an der Ruhr. Als sie sich vergangenes Jahr als trans outete, musste sie im Wahlkampf viele Anfeindungen einstecken. „Ist das noch CDU?“, hieß es nach dem Outing in den Kommentarspalten sozialer Medien. Die Junge Union antwortete: „Euch sagen wir von Herzen: Und wie wir CDU sind!“ und schrieben: „Laura, wir stehen hinter dir!“

10. Unternehmensberaterin Tijen Onaran 

Peter Rigaud
Tijen Onaran

Sie gründete die Beratungsfirma Global Digital Women GmbH, die Unternehmen dabei unterstützt, Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion zu Maximen ihres Geschäfts zu machen. Außerdem hat Tijen Onaran den „Digital Female Leader Award“ ins Leben gerufen, mit dem weibliche Führungs- und Nachwuchskräfte der Digitalbranche ausgezeichnet werden. Am 31.03. moderiert Onaran ein Online-Seminar in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn zum Thema Diversität. Es soll der weltgrößte Livestream dazu werden und damit einen Weltrekord aufstellen.

11. Autorin Sophie Passmann

Für ihr Buch „Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch“ interviewte die Politikwissenschaftlerin Sophie Passmann unter anderem den Journalisten Kai Diekmann, den Blogger und Web-Strategieberater Sascha Lobo und die Hippie-Legende Rainer Langhans. Sie führe den Geschlechterkampf mit Humor und Ironie, ohne ihr Anliegen dadurch ins Lächerliche zu ziehen, schrieb der Deutschlandfunk über Passmanns Arbeit. Im vergangenen Jahr thematisierte sie in dem ProSieben-Beitrag „Männerwelten“ sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen. Und im DB MOBIL-Podcast „Unterwegs mit ...“ diskutiert sie mit Gastgeber Michel Abdollahi über Gendern und Haltung zeigen, Feminismus und Revolution.

12. Galeristin Daniela Steinfeld

Die Forderung von Daniela Steinfeld, der Inhaberin der Galerie van Horn in Düsseldorf, ist simpel: 50 Prozent der Kunst, die in Ausstellungen gezeigt wird, soll von Frauen stammen. Bislang sei es lediglich ein Drittel. Das wirke sich auch auf den Kaufpreis von Kunstwerken aus, was wiederum zur Folge habe, dass Künstlerinnen von ihrer Kunst schlechter leben könnten als ihre männlichen Pendants. Seit März zeigt Steinfeld in ihrer Galerie die Ausstellung „Fight Like A Girl – Activism & Feminism in Art“. 

13. Sozialforscherin Jutta Allmendinger

WZB/Valerie Schmidt
Jutta Allmendinger

Jutta Allmendinger ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung. In ihrem Buch „Es geht nur gemeinsam!“ beschreibt sie Ansätze und Ideen, um Geschlechtergerechtigkeit durchzusetzen. Die Sozialwissenschaftlerin fordert schon seit vielen Jahren eine 32-Stunden-Woche für Männer und Frauen, einen Väterschutz sowie verpflichtende vier Monate Elternzeit für Väter, um die Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt voranzutreiben. 

14. Model Angelina Kirsch

Sie ist hat etwas in Deutschland etabliert, das die „Germanys Next-Topmodel“-Fraktion bis dahin gar nicht kannte: das Curvy-Model, das Model mit kurvigen Formen. Angelina Kirsch arbeitet seit 2012 für Modemarken wie Zalando, Bonprix, Adler und H&M und läuft auf Modenschauen in Mailand und Madrid. Als Übergrößenmodel setzte sie sich schon früh in einer Branche durch, in der man bis dahin nur mit bestimmten Maßen Erfolg haben konnte. Als Moderatorin führte Kirsch durch die Show „Curvy Supermodel“ auf RTL II, sie hat eine Modekollektion mit dem Namen „Rock your Curves“ entworfen – und auf diese Weise unseren Horizont in Sachen Schönheit um ein paar Kleidergrößen erweitert.

 

15. Informationstechnologin Vera Schneevoigt

Vera Schneevoigt ist Chief Digital Officer bei Bosch Building Technologies und damit eine der wenigen Frauen in einer Führungsposition in der IT-Branche. Sie berät Politikerinnen und Politiker in Fragen der Digitalisierung und macht sich für Frauenförderung vor allem in digitalen Berufen stark.  

 

16. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus

Die Polizistin Bibiana Steinhaus leitete als erste Schiedsrichterin Spiele im Männer-Profifußball – ab 2007 in der Zweiten Liga, von der Saison 2017/18 an in der Bundesliga. Im Herbst 2020 gab sie das sofortige Ende ihrer Karriere als Schiedsrichterin auf dem Platz bekannt – am selben Abend, an dem sie ebenfalls als erste Frau ein Supercup-Spiel pfiff, die Partie zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Steinhaus ist jedoch weiterhin im Profifußball aktiv, zum Beispiel als Unparteiische für den Videobeweis im so genannten „Kölner Keller“.

 

17. Geschäftsführerin Marie-Anne Wild

Sie ist heute nicht nur die Geschäftsführerin, sondern auch die Inhaberin des Zwei-Sterne-Restaurants, das 2010 von dem Koch Tim Raue in Berlin eröffnet wurde. Für ihre Gastfreundschaft wurde sie bereits drei Mal vom Restaurantführer Gault & Millau ausgezeichnet. Aus ihren Überlegungen über fehlenden weiblichen Nachwuchs in der Spitzengastronomie und anderen Branchen entstand 2018 der „Ladies Lunch“: Wild lädt dazu regelmäßig Frauen in Führungspositionen in ihr Restaurant ein, damit sie miteinander diskutieren, sich vernetzen und gegenseitig inspirieren.

18. Managerin Cordelia Röders-Arnold

Die einprägsamste Berufsbezeichnung unter den hier Porträtierten trägt Cordelia Röders-Arnold: Sie ist „Head of Menstruation“ beim Berliner Start-up Einhorn. Passend – schließlich beschäftigt sich das Unternehmen vor allem mit der Herstellung von nachhaltigen Tampons, aber auch von Kondomen. Röders-Arnold ist außerdem eine der Initiatorinnen der Kampagne #stattblumen die unter anderem für die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen eintritt. 

19. Bundeswehroffizierin Anastasia Biefang

Sie ist Oberstleutnant und befehligte bis Oktober 2020 das Informationstechnikbataillon 381 in Storkow. Damit war Anastasia Biefang die erste Bataillonskommandeurin mit Trans-Hintergrund in der Bundeswehr. Zurzeit ist sie Referatsleiterin für Einsatz- und Übungsplanung im Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn. Als stellvertretende Vorsitzende von QueerBw ist Biefang auch Ansprechpartnerin für Trans*- und Inter*-Personen. 

20. Gründerinnen Jessica Kunstmann, Leonore Herzog, Nicole Berth und Sarah Mühl 

Female Explorer Team
(v.l.n.r.) Sarah Mühl, Nicole Berth, Jessica Kunstmann, Leonore Herzog

An dieser Stelle küren wir gleich vier Frauen als Beispiele für female empowerment (übersetzt etwa „weibliche Selbstermächtigung“). Jessica Kunstmann, Leonore Herzog, Nicole Berth und Sarah Mühl brachten im Dezember 2020 die erste Ausgabe ihres Magazins „The Female Explorer“ heraus. Darin erzählen abenteuerlustige Frauen von ihren Reisen – natürlich mit dem Ziel, andere zu inspirieren.

 21. Sexualpädagogin Agi Malach

Natalie Rose Dodd / natalierosedodd.com
Agi Malach

Lehrer und Lehrerinnen haben ein schweres Los: Egal wie sehr sie sich bemühen, Sexualkunde bleibt für die meisten Schüler und Schülerinnen ein krampfiges und unangenehmes Sujet. Die Sexualpädagogin Agi Malach will das ändern. In ihrem Podcast „Frag mal Agi“ gibt sie den Dr. Sommer des 21. Jahrhunderts und versucht, das Thema authentisch, liebevoll, entspannt und lustig aufzubereiten. 

22. Autorin Margarete Stokowski

Wie im Vorbeigehen erzählt Margarete Stokowski in ihrem Buch „Untenrum frei“, das in erster Linie vom Erwachsenwerden handelt, wie sich in ihrem Kopf der Gedanke festsetzen konnte, dass ihr Körper unzulänglich ist und Verbesserungen bedarf. Woher kommt es, fragte sie sich, dass sie rasierte Beine, Schminke und hochhackige Schuhe irgendwann für selbstverständlich hielt? Und wo liegt die Grenze zwischen ihrer eigenen Vorstellung von Schönheit und gesellschaftlichen Zwängen? In dem Buch und in ihren Kolumnen hinterfragt diese Autorin immer wieder den Stand der Gleichberechtigung.

 

23. Meeresforscherin Antje Boetius

Seit 2017 leitet Antje Boetius das Alfred-Wegener-Institut, ein in Bremerhaven angesiedeltes Zentrum für Polar- und Meeresforschung. Es war dieses Institut, das 2019 eine große Arktis-Expedition mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ ausrichtete. Hin und wieder wird auch die renommierte Meeresbiologin als Quotenfrau bezeichnet. Sie versucht es mit Humor zu nehmen – und auch anderen Frauen zu leitenden Stellen in der Wissenschaft zu verhelfen. „Wir haben in den Naturwissenschaften seit zehn Jahren 50 Prozent weibliche Promovendinnen“, sagte sie einmal in einem Zeitungsinterview, „aber die kommen nicht oben an.“

 

24. Journalistin Kübra Gümüşay

Der Deutschlandfunk nannte Kübra Gümüşay eine der prägenden Köpfe des Islam in Deutschland. Weil sie Kopftuch trägt, wird ihr ihre feministische Haltung häufig abgesprochen. Genau gegen solche Vorurteile tritt sie ein. Zum einen mit konkreten Initiativen: Nach den sexuellen Übergriffen in Köln in der Silvesternacht 2015 kreierte Gümüşay mit anderen Frauen den Twitter-Hashtag #ausnahmslos, der sich gegen sexuelle Gewalt richtet. Zum anderen mit publizistischer Arbeit wie zum Beispiel ihrem Buch „Sprache und Sein“. Darin beschreibt sie, wie Sprache gerechter zu gestalten ist und dadurch auch Vorurteile abzubauen sind. 

 

25. Studentin Sarah-Lee Heinrich

Sarah-Lee Heinrich wuchs als Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die Hartz IV bezog, in Armut auf. Mittlerweile studiert sie Sozialwissenschaften. Damit sind ihr der Sprung in eine akademische Laufbahn und ein sozialer Aufstieg gelungen, die nur wenigen Kindern in vergleichbarer sozialer Situation vergönnt sind. Deshalb engagiert sie sich unter dem Label „Es reicht für uns alle” für soziale Gleichberechtigung und eine Kindergrundsicherung.

 

26. Politikberaterin Kristina Lunz

Kristina Lunz erregte viel Aufmerksamkeit durch die Kampagne Stop Bild Sexism“, die darauf zielte, das Nacktfoto auf der Titelseite von „Bild“ abzuschaffen. Sie studierte Public Policy in Oxford und gründete 2016 das Center for Feminist Foreign Policy (CFFP) in London, das sich für feministisch geprägte Außenpolitik und Diplomatie einsetzt. Was das heißen soll, kann man auf der Homepage der Organisation nachlesen: Außenpolitik sei häufig auf „militärische Kraft, Gewalt und Herrschaft“ fokussiert, das CFFP aber wolle alternative Ansätze und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, die sich auf die Sicht von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen der Gesellschaft stützt.

 

27. Managerin Julia Jäkel

Antonina Gern / Gruner + Jahr
Julia Jäkel

Julia Jäkel ist seit fast zehn Jahren die Chefin des Verlagshauses Gruner + Jahr und dachte eigentlich, die Zivilgesellschaft sei auf einem guten Weg zur Gleichberechtigung. Doch im vergangenen Pandemie-Jahr habe sie feststellen müssen, dass Frauen während dieser Krise unsichtbarer geworden seien, postulierte sie in dem Unternehmerinnen-Podcast „Die Boss – Macht ist weiblich“. Haushalt und Kinderbetreuung liegen offenbar immer noch zum größten Teil in Frauenhand. Lange Zeit sei sie gegen eine gesetzliche Frauenquote gewesen, doch inzwischen sei ihr klar, dass allein freiwilliges Engagement zu wenig bewirke. „Politik ist eben die Androhung von Sanktionen“, so Jäkel. „Und es scheint in Deutschland nur so zu gehen.“  

 

28. Ex-Fußballerin Katja Kraus

Jemand, der das Etikett der Quotenfrau nie als Makel empfunden hat, ist Katja Kraus. Im Aufsichtsrat von Adidas sei sie ebenso Exotin gewesen wie als erstes weibliches Mitglied im Vorstand des Hamburger SV Anfang der 2000er-Jahre. Die frühere Torhüterin der Nationalmannschaft schrieb im „Stern“: „Die Exotik bringt Aufmerksamkeit für die Einzelne, Kraft entfalten wir allerdings erst dann, wenn wir viele sind.“ Im Jahr 2020 betrug der Anteil der Frauen in den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen 11,5 Prozent.

 

29. Schauspielerin Natalia Wörner

Die Telefonseelsorgen in Deutschland nahmen zu Beginn der Pandemie rund 25 Prozent mehr Anrufe entgegen als im Jahr zuvor. Gründe für einen Anruf kann es viele geben: Einsamkeit während des Shutdowns zählte zu den häufigsten. Aber auch die Gefahr häuslicher Gewalt, die sich oft gegen Frauen richtet, stieg während des vergangenen Corona-Jahres an. Schließlich waren viele Familien auf sich selbst zurückgeworfen und damit oft enormem psychischem Druck ausgesetzt. Die Schauspielerin Natalia Wörner hat deshalb 2020 gemeinsam mit anderen die Kampagne #sicherheim ins Leben gerufen. Über die Webseite, die über Hilfsangebote und Kontakte für Betroffene von psychischer oder physischer Misshandlung informiert, kann man auch spenden.

 

30. Journalistin Alice Hasters

Als Frau stößt man immer noch hier und da an die „gläserne Decke“. Vielen Frauen und speziell weibliche People of Color wagten nicht mal zu träumen, diese Decke zu durchbrechen, sagt die Journalistin Alice Hasters. Die Tochter einer US-amerikanischen Mutter und eines deutschen Vaters ließ aufhorchen mit ihrem Beststeller „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“. 2020 wurde sie vom Fachblatt „Medium Magazin“ zur „Kulturjournalistin des Jahres“ gekürt. Einer großen Anzahl von Frauen dürfte sie mit ihrer Karriere zum Vorbild geworden sein.

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