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Jung & Sozial

Konzerte spielen für ein Kinderhospiz, Decken verteilen, aufklären: So engagieren sich DB-Azubis für ein friedliches Miteinander

Von:
Lesezeit: 5 Minuten
Eine Gruppe Azubis
Alexander Kiel
Darf es ein Brownie sein? Azubi Lenard Kühl (2. v. l.) und Kollegen sammeln am Leipziger Hauptbahnhof Spenden für ein Frauenhaus – und klären über häusliche Gewalt auf

Mitten in der Innenstadt von Mannheim, im Windschatten eines Hauseingangs, entdeckte Jacques Faul, Auszubildender im Gleisbau der Deutschen Bahn, einen Mann und eine Frau. Sie teilten sich einen Schlafsack und schienen zu frieren. „Können wir euch etwas Gutes tun?“, fragte Faul. „Wir könnten eine Decke gebrauchen, weil man uns den zweiten Schlafsack geklaut hat“, antwortete die Frau. Die zwei erzählten Faul, wie sie in die Obdachlosigkeit abgerutscht seien.

„Die Begegnung hat mich sehr berührt“, sagt der 17-Jährige. „Die beiden waren froh, dass sich jemand für ihr Schicksal interessierte.“ Helfen konnte die Gruppe Azubis auch: Sie zog an diesem Wintertag mit einem Bollerwagen durch die Innenstadt, um Obdachlose mit Heißgetränken und Decken zu versorgen.

Viele junge Mitarbeiter engagieren sich ehrenamtlich. Das unterstützt die DB mit „Bahn-Azubis gegen Hass und Gewalt“ – einem Wettbewerb, der seit 20 Jahren die besten Initiativen der Azubis für mehr Toleranz, Respekt und Vielfalt auszeichnet. Seit der Gründung des Wettbewerbs konnten 13 000 Auszubildende aus dem ersten und zweiten Lehrjahr 1500 soziale Projekte verwirklichen – im Jubiläumsjahr 2020 sind 500 Teilnehmer mit 82 verschiedenen Projekten dabei.

„So kann sich der Nachwuchs schon früh mit den Werten der DB auseinandersetzen“, sagt Projektleiterin Lisa ­Laggies, 28 Jahre alt. Die seien in der Konzernbetriebsvereinbarung für Gleichbehandlung und zum Schutz vor Diskriminierung der DB festgeschrieben. Auch Richard Lutz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn AG, unterstützt das Projekt in seiner Rolle als Schirmherr: „In der aktuellen Situation ist es wichtig, weiterhin klar Haltung zu zeigen – für Vielfalt, für Respekt, für Toleranz. Die einzigartigen Projekte unserer Azubis machen genau das: Sie setzen ein starkes Zeichen gegen Hass, Rassismus und Gewalt. Das macht mich stolz.“

Oftmals setzen die DB-Azubis ihre ­besonderen Talente ein. Etwa der angehende Kaufmann für Verkehrsservice Alexander Kiel, 20, aus Dresden. Er spielt Keyboard in einer Band. Monatelang bereiteten die Musiker ein Benefizkonzert vor. Schließlich trat Kiel ­zusammen mit zwei anderen Bands im Historischen Saal des Leipziger Hauptbahnhofs auf. „Als ich mich vom Publikum verabschiedete, hatte ich Tränen in den Augen“, sagt Kiel. 900 Euro an Spenden nahmen sie ein und überreichten das Geld dem örtlichen Kinderhospiz.

Azubi-band bei einem Auftritt
Alexander Kiel
Rocken für schwerkranke Kinder: Azubi Alexander Kiel (am Keyboard) und Bandkollege beim Benefizauftritt

Kiel konnte den Preis für den ersten Platz in der Kategorie „Soziales Engagement“ bei der Verleihung des Wettbewerbs entgegennehmen: eine Urkunde und ein Einkaufsgutschein im Wert von 100 Euro. Mittlerweile spielen Kiel und seine Band regelmäßig bei Veranstaltungen des Kinderhospizes. Es sind Beispiele wie diese, die Martin Seiler, DB-Vorstand für Personal und Recht und Ausrichter des Projekts, beeindrucken: „Mich begeistert, mit wie viel Freude und Kreativität unsere Auszubildenden einen so wertvollen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein tolerantes Miteinander leisten.“

Im Sommer findet die Abschlussveranstaltung statt, bei der erstmalig ein Publikumspreis übergeben wird, von Torsten Westphal, als Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft ist er Mitschirmherr des Wettbewerbs. Manche Projekte laufen schon seit vielen Jahren. „Für die haben wir in diesem Jubiläumsjahr die Chance geschaffen, einen Nachhaltigkeitspreis zu gewinnen“, sagt Projektleiterin Laggies. Ein Beispiel sei etwa die Kooperation zwischen der Ausbildungswerkstatt Rostock und der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Das ehemalige Konzentrationslager erinnert seit 1959 an die Verbrechen des NS-Regimes. Seit 16 Jahren engagieren sich DB-Azubis: Sie helfen dabei, Ausstellungen und Veranstaltungen vorzubereiten, sie pflegen und erhalten Flächen und Gebäude.

Lenard Kühl ist bei der DB in Ausbildung zum Kaufmann für Verkehrsservice. 2019 organisierte der 19-Jährige mit Kollegen einen Kuchenbasar im Leipziger Hauptbahnhof. Zusammen backten sie Brownies, Zitronenkuchen, Muffins und spendeten die Erlöse an ein Frauenhaus. Mit dem Projekt „Für ein gewaltfreies Zuhause“ machten sie auf häusliche Gewalt gegenüber Frauen aufmerksam und regten Opfer dazu an, sich Hilfe zu suchen. Kühl gehe seither mit ­offeneren Augen durch den Alltag, sagt er. „Ich erfreue mich an Nettigkeiten: ein junger Mann, der einer älteren Dame den Koffer in den Zug trägt, oder ein Fahrgast, der bemerkt, dass Papier auf dem Boden liegt.“

Auch Gleisbau-Azubi Faul hat aus dem Bollerwagenprojekt etwas mitgenommen: „Auf dem Weg zur Arbeit begegne ich oft einem Obdachlosen“, sagt er. „Statt auf meinem Handy zu tippen, unterhalte ich mich jetzt viel lieber mit ihm.“ Ein kleiner Beitrag für mehr Menschlichkeit.

 

Dieser DB Report erschien erstmals in DB MOBIL 05/2020.

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