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Europa bei der Arbeit

Von Verona aus organisieren Mitarbeiter der DB den Zugverkehr zwischen Deutschland, Italien und Österreich. Das Team ist so international wie die Verbindungen

Von:
Lesezeit: 5 Minuten
Team des DB-Fernverkehrsbüro
Arnaldo Abba Legnazzi
Marco Monaco, Marco Kampp und Alessia Billo (von links) arbeiten im DB-Fernverkehrsbüro in Verona daran, dass Fahrgäste Grenzen kaum noch spüren

Die Espressomaschine in der Kaffeeküche ist eine deutsch-italienische Koproduktion mit bilingualer Anleitung, wie man die Kapsel einzulegen hat. Gesprochen wird in den Räumen mal Italienisch, mal Deutsch. Willkommen im Büro der Deutschen Bahn in Verona.

Von hier aus lenken fünf Mitarbeiter den internationalen Fernverkehr zwischen Deutschland, Österreich und Italien. Sie planen die Züge von München über Innsbruck nach Verona, Venedig oder Bologna.

Die Belegschaft ist so international wie das Streckennetz: Der Heidelberger Marco Kampp, 45, hat das Büro im Jahr 2010 aufgebaut und leitet es seitdem. Seinen Terminplan organisiert die Veroneserin Alessia Billo, 45. Um die Werbung für die Strecken kümmert sich Marco Monaco, der am Gardasee aufgewachsen ist. Die beiden österreichischen Kolleginnen, die sich um die Betriebssteuerung und die Personalschulung kümmern, sind beim Ortsbesuch im Homeoffice – so wie kurz nach dem Reporterbesuch alle Mitarbeiter des ­Büros. Aufgrund der Verbreitung des Corona-Virus gehen Kampp und sein Team zeitweise zur Heimarbeit über.

Grenzen überwinden, darum geht es dem internationalen DB-Team in Verona eigentlich. „Wegkriegen“, will Marco Kampp sie. Für Fahrgäste bedeuten Grenzen vor allem: Wartezeit. Am Brenner etwa, wo Österreich auf Italien trifft, halten Eurocity-Züge 13 Minuten. Weil die Stromversorgung für die Züge in Italien anders ist, muss der Zug neu angeschlossen werden. Außerdem verwendet Italien ein anderes Fahrsicherheitssystem, andere Signale, andere Arbeitsabläufe. Deswegen muss am Brenner ein italienischer Lokführer den deutschen ersetzen. Kampp, promovierter Physiker, arbeitet an einem einheitlichen Bahnsystem für Europa.

Verona ist eines von zwei Fernverkehrsbüros der DB im Ausland. Das zweite liegt in Mailand, es kümmert sich um den Verkauf der internationalen Fahrtickets. Den Standort Verona hat Kampp ausgewählt, weil sich hier die wichtigen Verkehrsachsen Mailand–Venedig und München–Bologna kreuzen

Kühlschrank mit Magneten
Arnaldo Abba Legnazzi
Internationale Front: Den Kühlschrank zieren Magnete aus Deutschland und Italien

Kampp ist inzwischen für den gesamten internationalen Fernverkehr der DB verantwortlich. Er pendelt zwischen Büros in Verona und Frankfurt am Main. Mit seiner Familie lebt er in Südtirol, regelmäßig reist er nach Brüssel, Warschau, Paris oder Rom, um für die DB neue Zugverbindungen auszuhandeln.

Das Büro in Verona hat Kampp von Anfang an auch als interkulturelles Projekt begriffen. „Der Deutsche bekommt eine Liste mit vier Punkten, und zack, werden die abgearbeitet.“ In Italien dagegen gehe es darum, gemeinsam eine Lösung zu finden: „Wenn etwas vorangehen soll, fahre ich hin.“ Hierzulande sei der persönliche Kontakt noch wichtiger.

Das Gefühl spielt auch im Bereich von Marco Monaco eine große Rolle. Der 44-Jährige verantwortet die italienischen Werbekampagnen für die Strecken zwischen Deutschland und Italien. Er trägt einen gut sitzenden Anzug. Deutschen Kunden seien zwei Dinge wichtig, sagt er: Schnell und günstig soll eine Zugfahrt sein, zack eben. „Die Italiener wollen beim Bahnfahren etwas Gutes tun: für die Umwelt oder für sich selbst.“ Jedes Land brauche eine andere Ansprache. Eine der jüngsten Kampagnen für Italien zeigt einen gut angezogenen Mann, der sich entspannt mit seiner Zeitung im Sitz zurücklehnt. Neben ihm sitzt ein Eichhörnchen auf der Lehne, drum herum ranken Blumen.
Wann wäre die Mission in Verona erfüllt? „Wenn die Wahl der Eisenbahn für die Fahrt von München nach Verona so selbstverständlich wird wie die von München nach Berlin“, sagt Kampp. Sein Ziel ist in Sicht.

 

Dieser DB Report erschien erstmals in DB MOBIL 10/2020.

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